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Pirna

Heidenau: Dealer bietet Geld, um Knast zu entgehen

Zehntausende Euro sollte ein Mann bekommen, wenn er für seinen Vermieter ins Gefängnis geht. Doch die Polizei schöpft Verdacht.

Tatort Mafa-Gelände Heidenau. Bei dieser Razzia haben Polizisten unter anderem Drogen sichergestellt.
Tatort Mafa-Gelände Heidenau. Bei dieser Razzia haben Polizisten unter anderem Drogen sichergestellt. © Daniel Förster

Von Friederike Hohmann

Als einen Hühner- und Strauchdieb hätte ein Richter in Dresden Andreas S. bezeichnet, gibt der Verteidiger an bei der Verhandlung am Amtsgericht Pirna an und will damit sagen, dass sein Mandant kein typischer Gefängnisinsasse sei. Dass er dort dennoch einige Wochen verbringen musste, hatte er sich selbst eingebrockt. Schon im vergangenen Jahr hatte er eine Weile in Untersuchungshaft gesessen. Er war fälschlicherweise verdächtigt worden, ein Auto angezündet zu haben. Mit seiner Aussage konnte er schließlich zur Aufklärung der Straftat und zur Verurteilung des wirklichen Täters beitragen. Aus Angst vor dessen Rache war S. untergetaucht und daher auch für die Justiz nicht mehr erreichbar. So entging ihm nicht nur die Haftentschädigung, auch hatte er die Ladung zum Gerichtstermin in Pirna nicht erhalten.

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Crystal, Kokain und Ecstasy im Mafa-Gelände

Deshalb saß er jetzt seit fünf Wochen in Sitzungshaft in der JVA Dresden, wo inzwischen auch sein vorheriger Vermieter Daniel R. einsitzt. Der war im vergangenen Dezember zu insgesamt achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Um dieser harten Strafe zu entgehen, hatte er Andreas S. im vergangenen Jahr 10.000 Euro pro Haftjahr versprochen, wenn er einen Teil der Schuld auf sich nehmen würde. Auch ein Wäschepaket sollte er jährlich ins Gefängnis geschickt bekommen.

Der 52-Jährige hatte sich zunächst darauf eingelassen und bei der Polizei ausgesagt, dass die größeren Mengen Crystal, Kokain und Ecstasy, die man im Mai 2020 in einer Lagerhalle im ehemaligen Mafa-Gelände in Heidenau gefunden hatte, ihm gehörten. Die Polizei schenkte der Aussage wenig Glauben, da sie nicht so richtig zu dem passen wollte, was man bis dahin schon herausgefunden hatte. Als Zeuge beim Prozess gegen Daniel R. wiederholte Andreas S. die Aussage schließlich nicht mehr, sondern verweigerte die Aussage.

Nun musste er sich wegen der vorherigen Falschaussage verantworten. Aber es gibt noch weitere Anklagen. Im vergangenen Jahr hatte er der Firma, für die er arbeiten wollte, verschwiegen, dass er keinen Führerschein besaß und war dann trotzdem insgesamt vierzig mal mit dem Firmenwagen unterwegs. Ein anderes Mal war er unter erheblichem Drogeneinfluss mit dem nicht zugelassenen Auto eines Bekannten quer durch Deutschland gefahren. Bei einer Hausdurchsuchung waren Haschisch und Cannabis bei ihm gefunden worden. Den Führerschein hatte er schon vor Jahren wegen seines Drogenkonsums abgeben müssen.

Früher lief es für den Angeklagten besser

Früher war es bei Andreas S. wohl besser gelaufen. Er hatte Frau und Kinder, ein Eigenheim und einen festen Job, für den er aber immer wieder lange Zeit auf Montage im Ausland war. Nach der Scheidung kam der erste Eintrag in sein Vorstrafenregister, dem etliche folgen. Der Tod seines Vaters vor vier Jahren machte ihm besonders zu schaffen. Zuvor war er schon einmal acht Jahren ohne Drogen ausgekommen. Seit über einem Jahr sei er wieder clean. Stolz nennt er die Anzahl der Wochen und Tage, die er ohne Drogen ausgekommen ist. Er könne ab dem 1. Juli bei einer großen Firma in Brandenburg als Produktionshelfer arbeiten und bei seiner Mutter wohnen.

Andreas S. gibt alle ihm vorgeworfenen Taten zu. Die Richterin verurteilt ihn wegen des mehrfachen Fahrens ohne Führerschein, des unerlaubten Drogenbesitzes und der Strafvereitelung zu einer Bewährungsstrafe von insgesamt zehn Monaten. Auch muss er fünf Termine bei einer Suchtberatung wahrnehmen. Endlich wieder auf freiem Fuß, macht er sich direkt auf den Weg zu seiner Mutter, die an dem Tag ihren 75. Geburtstag feiert.

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