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Heidenaus nächste Millionen-Villa

Um 1900 baute sich Unternehmer Rockstroh ein Haus, das heute Hotel ist und etliche Geschichten zu erzählen hat. Was wird es künftig?

Villa, Hotel, Spielplatz, mutmaßlicher Tatort: Das Großsedlitzer Haus hat Geschichte. Was bringt die Zukunft?
Villa, Hotel, Spielplatz, mutmaßlicher Tatort: Das Großsedlitzer Haus hat Geschichte. Was bringt die Zukunft? © Daniel Schäfer

Villa Rockstroh: Wie das schon klingt. Ein bisschen nach Rockefeller, Romantik und Rätselhaftem. Und sie hat wirklich von allem etwas. Sie befindet sich etwas abseits in Großsedlitz und steht nun wieder im Mittelpunkt. Sie wird im Internet als "großzügiges Villenanwesen mit Außenpool" für 1,6 Millionen Euro angeboten. Doch der Eigentümer, dem auch das Heidenauer Hotel Ausspann gehört, sagt, er wolle gar nicht mehr verkaufen. Jedenfalls nicht jetzt und nicht für diesen Preis. Erst soll das Hotel, das als "besondere Perle" beworben wird, noch renoviert werden.

Firmen- und Familiengeschichte seit der Jahrhundertwende

Die Villa wurde um 1900 gebaut und steht unter Denkmalschutz. Ihre baugeschichtliche Bedeutung verdankt sie dem gründerzeitlichen Putz-Klinker-Bau, dem Turm mit Zierfachwerk und einer Nischenskulptur im Giebel zur Gartenseite. Auf den ersten Blick macht die Villa von außen einen baulich guten Eindruck.

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Ihren Namen Rockstroh hat sie vom Gründer der Rockstroh-Werke. Das war der Vorgänger-Betrieb des späteren Victoria Druckmaschinenwerkes. Ursprünglich als "Maschinenfabrik Rockstroh & Schneider Nachfahren" 1887 in Dresden-Löbtau gegründet, gab es seit dem 1. Juni 1899 die "Rockstroh-Werk AG". Es wurden Werkzeug- und Druckmaschinen sowie verschiedene Pressen hergestellt. 1904 erfolgte die Umsiedlung nach Heidenau. Die Firma wechselte noch mehrfach den Namen. Bis Juni 1919 war es die "Maschinenfabrik Rockstroh & Schneider Nachf. AG" und danach die Rockstroh-Werke AG. 1928 hatte sie 1.200 Mitarbeiter und war eine erste Adresse unter den deutschen Druckmaschinenherstellern. 1943 war Familie Rockstroh noch Hauptaktionär.

1947 wurde der Betrieb zum volkseigenen Polygraph Druckmaschinenwerk Victoria, das dann bis zur Wende zum Radebeuler Druckmaschinenwerk Planeta gehörte. Anfang der 1990er-Jahre wurde Planeta von Koenig und Bauer übernommen. 2004 folgte die erste Insolvenz, 2009 die zweite.

Verwandtschaftliche Beziehungen zum Ikea-Gründer?

Der Firmengründer soll 1945 im Keller der Villa erschossen und unter Kohlen versteckt worden sein. Eine Geschichte, die sich in Großsedlitz erzählt wird, für die es aber keine schriftlichen Belege gibt. Auch nicht für die über mehrere Ecken verwandtschaftlichen Beziehungen der Rockstrohs zur schwedischen Familie des Ikea-Gründers Ingvar Kamprad. Ältere Großsedlitzer erinnern sich an die Villa als Spielplatz. Die niedrigen Bäume luden zum Hochklettern ein, sagt Peter Ranft aus Heidenau.

In der Villa wuchsen unter anderem auch die Brunner-Kinder auf. Ihr Urgroßvater hatte 1886 in Heidenau den Spezialmaschinenbau gegründet, den die Familie 1990 zurückbekam. Jürgen Brunner, einer der Söhne, war damals nach 16 Jahren aus den alten Bundesländern nach Heidenau zurückgekommen und übernahm den Betrieb, der 2013 jedoch in Schwierigkeiten geriet. Die Villa war in DDR-Zeiten "normales" Wohnhaus. Nach der Wende wurde sie verkauft. Vor dem jetzigen Besitzer soll sie noch einem anderen ausländischen Eigentümer gehört haben.

Die Villa ist nicht das erste Großsedlitzer Haus, das als Millionen-Objekt angeboten wird. Schloss Lützow tauchte vor sieben Jahren sogar mit einem Preis von einer Billion Euro (das sind eine Million Millionen) auf. Der Preis war nicht ganz ernst gemeint, sorgte aber für Aufmerksamkeit. Damals gab es allerhand Gerüchte, wer hier einziehen könnte. Von Schönheitsklinik bis Waldorfschule war alles dabei.

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Am Ende wurde das Schloss, das auch als Villa bezeichnet wird, für knapp zwei Millionen Euro angeboten. Für wie viel es tatsächlich den Eigentümer wechselte, ist nicht bekannt. Inzwischen gehört sie der Ventar GmbH, die in Heidenau und Pirna bereits mehrere Objekte sanierte. Großsedlitz soll das nächste sein. Derzeit sind sich Investor, Stadt und Stadtrat jedoch nicht über die geplanten Häuser auf dem Areal einig.

Wenn die Villa Rockstroh künftig anders als derzeit genutzt werden soll, müsste darüber auch der Stadtrat entscheiden. Doch so weit ist es noch nicht.

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