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Heidenauer initiiert bundesweite Anti-Mobbing-Aktion

Tom Nickel hat selbst erfahren, was es heißt, ausgestoßen zu werden. Nun knüpft er ein Netzwerk, in dem auch bekannte Leute mitmachen und das vielen hilft.

Von Heidenau aus knüpft Tom Nickel Kontakte quer durch die Bundesrepublik.
Von Heidenau aus knüpft Tom Nickel Kontakte quer durch die Bundesrepublik. © Daniel Schäfer

Mobbing ist immer das, was anderen passiert. Bis zu dem Moment, da es einem selbst passiert. Tom Nickel ist das auch so gegangen. Der Heidenauer fühlte sich in seiner Behindertenwerkstatt so gemobbt und diskriminiert, dass er sich das Leben nehmen wollte. "Aber da kam jemand auf mich zu und hat mir Hilfe angeboten." So wie er es geschafft hat, will er nun anderen helfen, es zu schaffen. Vor zwei Jahren gründete er die Gruppe "Gemeinsam stark gegen Mobbing". Eine Gruppe von Betroffenen und Unterstützern aus ganz Deutschland.

30 Jahre eigene Mobbing-Erfahrung

Christian Leiminger aus der Gegend um Münster zum Beispiel. Er arbeitet als Seelsorger, Betreuer und Mentalberater und hat Tom über andere kennengelernt. "Tom schafft es, andere zu begeistern", sagt er. Leiminger bezeichnet sich selbst als Betroffenen, der 30 Jahre in der Misere gesteckt habe und erst 2018 einen Ausweg aus der Misere gefunden habe. Beide haben sich vorgenommen, viele Kooperationspartner zu finden, Leute also, die das Anliegen unterstützen und Betroffenen helfen.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Das war in Corona-Zeiten mehr gefragt, als sie dachten und funktionierte dank Internet & Co. auch sehr gut. Die Online-Beratung ist umstritten, doch sie hat ein Plus. Betroffene müssen nicht erst irgendwohin fahren, in eine Beratungsstelle oder ähnliches gehen. Das sind oft Hemmschwellen, weiß Leiminger. Das Konzept der Gruppe will Kinder und Jugendliche stark machen, damit sie sich wehren. "Wer es selbst durchgemacht hat, kann ganz anders mit ihnen reden", sagt Leiminger. Tom sagt, er habe sich selbst aus dem Sumpf hochgearbeitet. Er deutet damit an, wie schwer der Weg ist.

Zu den Prominenten, die die Mobbing-Aktion unterstützen, gehört zum Beispiel der Schauspieler, Regisseur und Autor Robert Amper, der Filme über verschiedene Themen wie Mobbing, Rassismus und Religion, Homophobie macht. Auch die Tochter des verstorbenen Dresdner Schauspieler Rolf Hoppe, Josephine Hoppe, hilft der Gruppe. In deren Hoftheater ist Tom oft zu Gast.

Manchmal muss Tom einen Moment nachdenken. Dann kommen Sätze wie: "Ich möchte als Multiplikator aufklären." Da staunt auch seine Mutter. Das mit der Gruppe hat er sich selbst ausgedacht, sagt sie, zu der Tom gern mal sagt "Moment mal". Tom will sich nun auch an die Politik wenden. "Das ist zu hoch", sagt seine Mutter. "Ich will es probieren", antwortet er ihr. Und wenn Tom nicht weiter weiß, fragt er seinen Vater.

Keine Angst vor der großen Politik

Tom ist 33 Jahre alt, wohnt in einer eigenen Wohnung und wird rund um die Uhr betreut. Seine Betreuer und seine Eltern wundern sich immer wieder über seine Energie und seinen starken Willen. Auch wenn das mit der Gründung einer Inklusions-WG nicht klappte, Tom gibt nicht auf. Schon seine Oma sagte zu ihm: "Tom, wenn Du Dir was in den Kopf setzt, schaffst Du das auch." Darin erinnert er sich oft.

Die Gruppe "Gemeinsam stark - gegen Mobbing" gibt es auf Facebook. Untereinander sind die Mitglieder auch in einer WhatsApp-Gruppe verbunden.

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