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Heidenau entdeckt den Fasching

Die Stadt ist bisher nicht als Hochburg bekannt. Doch jetzt wird wegen der Narren sogar die Einwohnerversammlung verschoben.

Von Heike Sabel
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Bisher war Heidenau nicht als Faschingshochburg bekannt. Doch nun wird wegen der Narren sogar die Einwohnerversammlung verschoben.
Bisher war Heidenau nicht als Faschingshochburg bekannt. Doch nun wird wegen der Narren sogar die Einwohnerversammlung verschoben. © Symbolfoto: Eric Weser

Wer hätte das gedacht: Heidenau wird zur Faschingshochburg. Das wäre wahrscheinlich nie ans Licht gekommen, wenn da nicht die völlig unnärrische Stadtverwaltung die Einwohnerversammlung just auf den Faschingsdienstag 2022 gelegt hätte. Bisher fand Fasching in Heidenau nicht statt. Bis auf ein paar Kinderveranstaltungen. Auch die Zeiten, da der Bürgermeister zu Weiberfastnacht um seinen Schlips fürchten musste, sind längst vorbei. Doch wer weiß, vielleicht ist auch das nächstes Jahr wieder anders.

Die Einwohnerversammlung sollte also am 1. März 2022 stattfinden. Doch dagegen regte sich nun im Stadtrat Widerstand. AfD-Stadtrat Uwe Zimmermann outete sich als Sprecher der Narren. Wer Kinder habe, wolle mit denen und der Familie sicher Fasching feiern. Im Interesse der Bürgerbeteiligung bat er um Verlegung des Termins. Damit setzte eine rege Debatte ein.

Bisher fand die jährliche Einwohnerversammlung in der Regel am 1. Dienstag im März statt. Ausnahme war mal ein Fußballspiel von Dynamo Dresden. Da war die Verschiebung schnell beschlossen. Anders diesmal. Die Regel nun in den zweiten oder dritten Dienstag zu ändern, wäre auch keine Lösung, weil ja Fasching jedes Jahr ganz verschieden liegt.

Der Frauentag ist der Verlierer

Also der Vorschlag, die Versammlung 2022 um eine Woche verschieben. Doch da lauerte die nächste Tücke: der Frauentag. Da habe Zimmermann noch nie abends oder nachts große Feiern erlebt. Er würde den Frauen am 8. März zur Einwohnerversammlung auch eine Tasse Kaffee spendieren. Wenn gefeiert wird, dann früh, sagte Volker Bräunsdorf (CDU). Zudem nimmt an den Versammlungen erfahrungsgemäß ohnehin eine überschaubare Zahl von Heidenauern teil und die Frauen, die es interessiert, würden dann sicher auch wieder dabei sein. Widerspruch kam von Steffen Wolf (Linke/SPD). Er verwies auf die traditionelle Veranstaltung der Linken am Frauentag in Heidenau, auf der jeweils der Anna-Hirsch-Preis vergeben wird.

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Um zwei Wochen verschieben, ist auch keine Alternative. Da tagt bereits wieder ein Ausschuss des Stadtrats. "Wieso sind wir eigentlich so fixiert? Es gibt doch 365 Tage im Jahr", sagte Bernhard Borchers (Grüne/HBI). In der Tat ist der Termin Anfang März ein ungeschriebenes Gesetz, das jederzeit geändert werden kann, da jedes Jahr neu entschieden wird.

Am Ende siegten die Narren über den Frauentag. Zehn Stadträte plädierten für die Einwohnerversammlung am 8. März, zwei waren dagegen, drei enthielten sich.