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Heidenau: Das Ende einer Ära

Sonnhild Ruffani ist nicht mehr WVH-Geschäftsführerin. Nach fast 30 Jahren und vielen Diskussionen hat der Stadtrat einen Schlussstrich gezogen.

Der offizielle Baustart für Heidenaus "Neue Mitte" war ihr letzter öffentlicher Auftritt: Sonnhild Ruffani ist nicht mehr Geschäftsführerin der WVH.
Der offizielle Baustart für Heidenaus "Neue Mitte" war ihr letzter öffentlicher Auftritt: Sonnhild Ruffani ist nicht mehr Geschäftsführerin der WVH. © Norbert Millauer

Am Ende war es relativ unspektakulär, obwohl es eine Entscheidung war, wie sie der Heidenauer Stadtrat noch nie getroffen hat: die Abberufung der langjährigen WVH-Geschäftsführerin Sonnhild Ruffani zum 1. Mai. Damit endet nicht nur ihre fast 30-jährige Tätigkeit, sondern auch der zugespitzte Kampf der vergangenen Wochen und Monate. Die Entscheidung am Donnerstag im Stadtrat fiel deutlich. Es gab 14 Stimmen dafür, jeweils zwei dagegen und zwei Enthaltungen.

Nachdem viel hinter verschlossenen Türen im Aufsichtsrat und im Verwaltungsausschuss diskutiert worden war, es anonyme Briefe an Fraktionen im Stadtrat und an sächsische.de gab, blieb die große Debatte im Stadtrat aus. Lediglich die beiden Nein-Sager äußerten sich. Das waren Norbert Bläsner (FDP) und Uwe Zimmermann (AfD).

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Außerordentliche Entscheidung

Inwiefern Bläsner unter Druck stand oder sich selbst unter Druck setzte, kann nur spekuliert werden. Seine Fraktionskollegin Annette Denzer-Ruffani ist immerhin die Schwiegertochter von Sonnhild Ruffani, und ihr Mann arbeitet in der WVH.

Bläsner verwies auf die "außerordentliche Entscheidung" im "beschaulichen Heidenau". Außerordentlich auch, weil Geschäftsführer in der Regel abberufen werden, wenn das Unternehmen nicht gut läuft. Das aber sei ja bei der WVH nicht der Fall. Was in der WVH schief gelaufen ist, sei ihm nicht bekannt, jedenfalls nichts, was so eine schnelle Entscheidung rechtfertige. Seltsam finde er zudem, dass es keine direkte Befragung der Geschäftsführerin gegeben habe. Das wertet Bläsner als moralischen Mangel. Es hätte unabhängig vom Ausgang der Entscheidung zu Transparenz beigetragen.

Zimmermann verwies auf die nun folgende Bezahlung von zwei Geschäftsführern. Ruffani bekommt bis zum Ende ihres Vertrages im August nächsten Jahres, wenn sie normal in die Altersrente geht, ihr Gehalt weiter. Vom 1. Mai bis Ende Juni übernimmt ein Interimsgeschäftsführer die Aufgaben, ab 1. Juli steigt dann der neue Geschäftsführer ein. Zimmermann hätte Ruffani gern wenigstens noch einen Beraterstatus eingeräumt.

Am Ende fehlte das Vertrauen

Ganz so schnell, wie es sich nun in der Öffentlichkeit darstellt, kam die Entscheidung nicht. Zur Vorgeschichte gehört unter anderem eine Mitarbeiterbefragung, die Ruffani zunächst nicht wollte und die dann viel Kritisches zutage brachte, sagen die, die sie kennen. Öffentlich gemacht wird das nicht. Jedoch ist unter anderem durchgesickert, dass zum Beispiel weniger als fünf der insgesamt rund 60 Mitarbeiter länger als drei Jahre im Unternehmen sind. Selbst ehemalige Mitarbeiter wollen sich bisher nicht öffentlich äußern.

Der Einsatz des eigenen Sohnes als Datenschutzbeauftragter in der WVH wurde von dem mit dem Audit für die Firma beauftragten Unternehmen ebenfalls kritisiert. Im Laufe der Jahre hatte sich viel Macht in Ruffanis Händen konzentriert. So war sie nach einer Zeit von zwei Geschäftsführern schließlich alleinige Chefin und stand auch den WVH-Tochterunternehmen vor. Hier ist jedoch der Stadtrat nicht aus der Verantwortung zu nehmen, denn er hat immer zugestimmt. Am Ende sei es das fehlende Vertrauen, das den Ausschlag gab.

Eiszeit statt großer Verabschiedung

Nach fast 30 Jahren bleibt nun vor allem der Abgang im Gedächtnis. Das bedauern viele ehrlich, auch einige ihrer Kritiker. Offenbar hat sich deshalb keiner von ihnen im Stadtrat noch einmal geäußert, auch nicht, um auf die Verdienste von Ruffani hinzuweisen. Statt einer großen ehrenvollen Verabschiedung muss sie nun von heute auf morgen ihren Platz und Schreibtisch räumen.

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Am Freitag hat Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) den Beschluss Sonnhild Ruffani persönlich mitgeteilt. Es muss für beide eine unangenehme Situation gewesen sein. Sie kennen sich seit fast 30 Jahren, haben seit Beginn der 1990er-Jahre in Heidenau viele wichtige Entscheidungen getroffen. Doch seit Ende vergangenen Jahres herrscht bereits Eiszeit zwischen ihnen. Beim offiziellen Baubeginn für Heidenaus neue Mitte an der Bahnhofstraße im Februar standen sie zwar zusammen, aber schon da spürte man, dass etwas zwischen ihnen steht.

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