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Wie es mit Heidenaus Mitte weitergeht

Jetzt baut, wer sonst auch schon baute. Warum die Karl Köhler GmbH diesmal erst im zweiten Anlauf zum Zug kommt und was das Großvorhaben nun kostet.

Das Schild steht, der Kran steht, die Karl Köhler GmbH hat die Baustelle in Heidenaus Zentrum übernommen.
Das Schild steht, der Kran steht, die Karl Köhler GmbH hat die Baustelle in Heidenaus Zentrum übernommen. © Daniel Schäfer

Die WVH-Zentrale auf der Dresdner Straße in Heidenau war 1997 die erste Baustelle von Falk Heinze, als er bei der Karl Köhler GmbH begann. Seither gehören die Baufirma, das städtische Wohnungsunternehmen und die Stadt zusammen. Wenn es was zu bauen gab, baute Karl Köhler. Das blau-weiße Firmensignet mit den zwei stilisierten K prangte am ersten Sonnenhof und nun am zweiten ebenso wie am neuen Kindergarten auf der Weststraße. Auch für die Gemeinnützige und die Elbtal-Wohnungsgenossenschaft sowie in Pirna zum Beispiel den Scheunenhof baute und baut Karl Köhler.

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So sollte es auch bei Heidenaus Neuer Mitte, dem Großvorhaben am Markt, sein. Doch diesmal kam es anders. Den Auftrag bekam die Berliner Firma CEC. Sie soll bei einem Auftrag von über vier Millionen Euro nur im geringen fünfstelligen Betrag billiger gewesen sein als Köhler. Da es keine öffentliche Ausschreibung war, waren Nachverhandlungen möglich. Inwiefern sie mit der Berliner Firma erfolgten, ist nicht bekannt. Das könnte nur die zum 1. Mai entlassene WVH-Geschäftsführerin sagen.

Klar ist aber: "Mit mir wurde nicht nachverhandelt", sagt Falk Heinze und: "Ich war schon sehr enttäuscht." Die WVH sei nie unzufrieden gewesen, sagt er. Es bleiben viele Fragen. Nicht nur bei Falk Heinze. Zum Beispiel die, wieso so ein großer Vertrag von einer Person, der damaligen Geschäftsführerin, vergeben werden konnte. Und wieso auf einmal diese Berliner Firma auftauchte. Dazu gibt es nur Spekulationen.

Bürgermeister in der Verantwortung

Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender ist, hat der Ex-Chefin jetzt einen Brief mit entsprechenden Fragen geschickt, sagt er. Heinze nimmt aber auch Opitz nicht aus der Verantwortung. Er habe sich als Aufsichtsratsvorsitzender das alles zu lange angeschaut.

Tatsächlich tat sich Opitz mit Entscheidungen schwer, verwies immer wieder auf den Aufsichtsrat, zu dem neben zwei externen Mitgliedern und dem Bürgermeister auch vier Stadträte gehören. Die Vorgeschichte, die im April zum Bruch mit der langjährigen Geschäftsführerin führte, reicht bis 2015 zurück und fand weitgehend hinter verschlossenen Türen statt. Erst nach und nach dringen Fakten an die Öffentlichkeit.

Nun der doppelte Neubeginn. Auf der Baustelle an der Bahnhofstraße steht inzwischen der erste Karl-Köhler-Kran, und bei der WVH startet am 1. Juli der neue Geschäftsführer. Nach den zwei Interimsmonaten übernimmt nun Tilo Koch die Leitung.

Für den Übergangschef Reinhard Guhr waren die zwei Monate aufregender als gedacht. Er musste einige Entscheidungen treffen und durchsetzen. Unter anderem die Kündigung der Berliner Firma. Weil sie mehr Geld forderte, weil es nicht voranging und weil die Baustelle einen unprofessionellen Eindruck machte. Die Firma selbst spricht davon, nicht gewollt gewesen zu sein. Mit ihr werde man sich wohl vor Gericht wiedersehen, sagt auch Bürgermeister Opitz.

Preis als Solibeitrag für die Stadt Heidenau

Nach dem Abzug der Berliner ist nun Karl Köhler wieder zum Zuge gekommen, sozusagen als zweiter Sieger und Retter. Ohne große Nachforderungen, sagt Heinze, und Stadt und WVH bestätigen das, ohne konkrete Summen zu nennen. Bei der Berliner Firma soll es eine mittlere sechsstellige Summe gewesen sein. Heinze habe nur die Erhöhung bei den Stahlpreisen moderat in Rechnung gestellt, sagt er. Als Heidenauer sei er zurückhaltend und sehe es Solibeitrag. Schließlich hat er immer auch gut in Heidenau verdient und die Stadt wiederum etwas von der Gewerbesteuer, wenn er hier baut. Bei länger als drei Monaten dauernden Baustellen außerhalb geht die Gewerbesteuer an den dortigen Ort. Inzwischen könne er auch wieder an der Baustelle auf der Heidenauer Bahnhofstraße vorbeifahren, was er vorher nicht tat. Es tat doch zu weh. "Auch das, was ich dort sah."

Der Mann, der manchmal Karl Köhler genannt wird: Falk Heinze ist der Chef der Karl Köhler GmbH Heidenau.
Der Mann, der manchmal Karl Köhler genannt wird: Falk Heinze ist der Chef der Karl Köhler GmbH Heidenau. © Daniel Schäfer

Falk Heinze will jetzt vorwärts schauen. Anfang August werde der zweite Kran aufgestellt. Aktuell ist das Vorhaben Neue Mitte mit den fünf Wohn- und Geschäftshäusern zwei Monate im Verzug. Dieser soll verringert werden. "Aber es kann auch schnell mehr werden." Die große Unbekannte seien die Materialhersteller. Wenn sie im Sommer ihre Pause machen, kann sich die Situation verschärfen. Die Baubranche, bisher einer der Corona-Gewinner, könnte zum Verlierer werden, weil die Preise so steigen, dass niemand mehr bauen kann bzw. will. Die Heidenauer Mitte aber will Heinze durchziehen, egal, was komme. "Es wird schwer, aber alles sind über den Neuanfang froh", sagt er.

Bauen und Aufarbeiten anderen überlassen

Mit dem neuen WVH-Chef will Heinze partnerschaftlich agieren, so wie es lange Jahre mit Sonnhild Ruffani war. Dass sie viel Gutes für die Stadt getan hat und das Unternehmen wirtschaftlich immer erfolgreich war, spricht ihr niemand ab. Doch wann die Verhältnisse zwischen den Akteuren kippten, das ist die Frage, die in Heidenau viele bewegt. Auch wenn Falk Heinze vorausblicken will; es wird noch einiges aufzuarbeiten geben. Das überlässt Heinze anderen.

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Er tut, was er und die 170 Leute seiner Firma am besten können: bauen. In Dresden und Berlin, in Pirna sind es aktuell die Sandstein-Gärten, in Heidenau hat er als Nächstes die "Lugturmblick"-Häuser an der Breitscheidstraße im Blick. Auch das ein Vorhaben der städtischen Wohnungsgesellschaft.

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