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Wenn's bei der Feuerwehr brennt

Für Heidenaus Wehrleiter begann Corona mit einem Großfeuer und ist mit dem zweiten solchen Einsatz nicht vorbei. Wie er Retten, Üben und Leben nun organisiert.

René Pelzer ist 365 Tage im Jahr Feuerwehrmann, an manchen Tagen sogar doppelt.
René Pelzer ist 365 Tage im Jahr Feuerwehrmann, an manchen Tagen sogar doppelt. © Daniel Förster

René Pelzer hat mal gesagt, im Schnitt hat die Heidenauer Feuerwehr jedes Jahr einen Großbrand-Einsatz. Was bisher nicht zwingend bedeutete, dass der auch in Heidenau sein musste. Voriges und dieses Jahr war das anders. Mitte April 2020 das Feuer mit Millionenschaden auf der Breitscheidstraße, fast ein Jahr später die brennende Autowerkstatt an der Hauptstraße und kurz danach gleich nebenan das Papplager von Kühl. Damit wäre theoretisch der Durchschnitt für dieses Jahr schon mehr als erreicht. Doch Brände halten sich nicht an die Statistik. Dass es gefühlt mehr geworden sind, bestätigen aber die Zahlen nicht, sagt Pelzer.

Wie die Feuerwehr die Vereinsamung spürt

Von den rund 170 Einsätzen pro Jahr sind etwa 20 Brände. Das Gros, etwa 120, sind Türöffnungen. Die sind tatsächlich mehr geworden seit Anfang der 1990er-Jahre. Und es sind tragischere Fälle. Menschen, die um Hilfe rufen und selbst nicht mehr zur Tür gehen können, Menschen, die krank sind und allein, Menschen, die einsam gestorben sind. Die Vereinsamung, das Alleinsein hat zugenommen, sagt Pelzer. Nicht erst im vergangenen Corona-Jahr.

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René Pelzer hat als Kind bei der Feuerwehr in Heidenau angefangen, ist inzwischen 24 Stunden am Tag Feuerwehrmann, an manchem sogar doppelt: Hauptamtlich in Dresden, ehrenamtlich in Heidenau. In Dresden leitet er in Löbtau eine der fünf Wachen und neben seinem normalen acht Stunden-Tag hat er dort nur zwei bis drei Mal im Monat Einsatz. In Heidenau steht er 365 Tage im Jahr parat - und bei großen Bränden auch vor der Fernsehkamera. Bisher etwa zehn Mal hat er zum Teil in Liveschaltungen kurz vom Geschehen berichtet. Das letzte Mal beim März-Brand in Heidenau.

Draht zur Jugendfeuerwehr abgebrochen

Die Kinder und Jugendlichen bleiben in Corona-Zeiten auf der Strecke. Zwar fehlt die "Konkurrenz" anderer Betätigungen wie der Sportvereine, aber ob die, die sich bisher für die Feuerwehr interessierten, "danach" wiederkommen, sei fraglich, sagt Pelzer. Die Jugendfeuerwehr ist seit Oktober nicht mehr zusammengekommen. Zu Ostern wurden zwar kleine Osternester an die Mädchen und Jungen verteilt, aber wie viele Kinder irgendwann wiederkommen? Pelzer zuckt mit den Schultern.

Mit sieben Männern, die von sich aus zur Feuerwehr gekommen sind, absolviert Pelzer jetzt die Grundausbildung. Das laufende Weiterbilden und Üben ist eingeschränkt. Die 35 bis 40 Feuerwehrleute, die sich sonst jede Woche treffen, sind in drei Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe ist nur alle drei Wochen zum Dienst in der Feuerwehr. Das Thema, das sonst einmal besprochen und geübt wird, ist nun reihum in jeder Gruppe dran. Der Vorteil der kleineren Gruppen ist die größere Intensität, sagt Pelzer. Gleichzeitig ist es gerade für die Jüngeren in der Feuerwehr schwer, mit solchen Abständen Routine in den Handgriffen und Abläufen zu erhalten.

Einsatzfähigkeit der Feuerwehr nicht gefährdet

Die Einsatzfähigkeit und Professionalität sei deshalb nicht gefährdet, sagt Pelzer. "Da muss keiner Sorge haben." Wenn der Alarm eingeht, fährt das erste Auto nach wie vor nach vier bis sechs Minuten vom Hof und am Einsatzort weiß jeder, was er zu tun hat. Dafür sind genug erfahrene Feuerwehrleute dabei.

Was fehlt, ist das, was allen fehlt: Der persönliche Kontakt und die Kameradschaft bleiben auf der Strecke, sagt Pelzer. Auch der Austausch, weil man ja immer nur mit den Leuten seiner Gruppe zusammen ist.

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