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Heidenau: "Ab Mitte Juli wird weitergebaut"

Tilo Koch übernimmt am 1. Juli die Geschäfte der WVH und damit etliche Probleme wie die Baustelle Mitte. Wie er sie lösen und was er noch tun will.

Sieht ernster aus als er ist: Tilo Koch übernimmt am 1. Juli die Geschäfte der WVH.
Sieht ernster aus als er ist: Tilo Koch übernimmt am 1. Juli die Geschäfte der WVH. © Daniel Schäfer

Am 1. Juli bekommt Heidenaus städtische Wohnungsgesellschaft den zweiten neuen Chef innerhalb kurzer Zeit. Nach der Abberufung der langjährigen Chefin Sonnhild Ruffani zum 1. Mai übernahm Reinhard Guhr interimsmäßig für zwei Monate den Posten. Der designierte neue Chef Tilo Koch musste erst einmal seine dienstlichen Dinge regeln und bereitet sich nun auf den Amtsantritt in Heidenau vor. Welchen Eindruck er von der Stadt hat, was er verändern und wie lange er bleiben will, sagt er im Gespräch mit Sächsische.de.

Wann waren Sie das erste Mal in Heidenau, Herr Koch?

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Das ist sehr, sehr lange her. Ich bin in Dresden-Striesen aufgewachsen, da war die Radtour zu Eis-Wolf nach Heidenau üblich.

Das war sozusagen das allererste Mal, und das erste Mal, nachdem Sie sich auf die Stelle des WVH-Geschäftsführers beworben hatten?

Das war so ab Januar, als die Gespräche intensiver wurden. Aber auch zwischen dem allerersten Mal und jetzt hatte ich schon Kontakt nach Heidenau und zur WVH, nämlich als ich bei einer Bank war, gehörte sie zu denen, die ich als Kundin gewinnen wollte.

Als Sie sich auf die ausgeschriebene Stelle bewarben, war zumindest öffentlich noch nicht so viel von den Unstimmigkeiten bekannt. Würden Sie jetzt zweimal überlegen, ob Sie sich wieder bewerben würden?

Nein. In jedem Unternehmen gibt es Dinge, die schwierig sind. Das schreckt mich nicht ab. Als ich den Posten bei der Wohnungsgenossenschaft in Chemnitz übernahm, war mein Vorgänger tödlich verunglückt und danach einiges liegen geblieben. Das aufzuarbeiten war auch eine ziemliche Herausforderung. Sie zu meistern, das gehört dazu. Und deswegen werfe ich die Flinte nicht ins Korn.

Zur Person:

  • In Dresden geboren und aufgewachsen, wo er auch jetzt wohnt.
  • 52 Jahre, verheiratet und zweifacher Vater.
  • Studierter Bankbetriebswirt.
  • Er leitete bei der Norddeutschen Landesbank stellvertretend den Bereich Wohnungswirtschaft und ist aktuell bis Monatsende noch bei der Chemnitzer Allgemeinen Wohnungsbaugenossenschaft Vorstand.

Wie ist der erste Eindruck von der WVH?

Ich habe mich in der Mitarbeiterversammlung vorgestellt und habe den Eindruck, die Mitarbeiter freuen sich so wie ich mich. Mein Vorteil ist, dass ich anhand der Mitarbeiterbefragung klare Aussagen habe und weiß, in welche Richtung bestimmte Dinge gehen müssen. Auf jeden Fall müssen die Mitarbeiter zufriedener werden. Dass viele schon wieder nach kurzer Zeit das Unternehmen verließen, ist ein Problem und die innere Baustelle der WVH. Nach außen muss sich die WVH wieder besser verkaufen. Es wird etwa ein Jahr dauern, bis da wieder Ruhe herrscht.

Wird Heidenaus neue Mitte Heidenaus großes Loch?

Nein. Es wird auf jeden Fall zugebaut statt zugeschüttet. Wir ziehen das Vorhaben wie geplant durch. Jetzt erfolgen bereits Abstimmungen zur Innenausstattung. Das Projekt ist wichtig für Heidenau.

Die Berliner Firma, der inzwischen gekündigt wurde, hat angekündigt, das nicht so hinzunehmen...

Ich gehe fest davon aus, dass wir uns vor Gericht wiedersehen. Das wird zu klären sein. Auf der anderen Seite aber ist wichtig, dass weitergebaut wird. Und das wird ab spätestens Mitte Juli der Fall sein. Die dann etwa zwei Monate Bauverzug sehe ich nicht als Problem.

Das zweite aktuelle große Bauvorhaben der WVH ist der Sonnenhof II. Hier gibt es Verzug, weil die kleinen Wohnungen nicht gefragt sind und umgeplant werden musste. Hätte man das vorher wissen können bzw. müssen?

Eigentlich schon, das ist ein Trend der vergangenen Jahre. Auch in Chemnitz haben wir die Erfahrung gemacht, dass kleine Wohnungen nicht so gefragt sind. Man muss beim Betreuten Wohnen auch sehen, dass die Menschen oft aus größeren Wohnungen oder Häusern hierherziehen. Sie wollen da in keine Ein-Raum-Wohnung.

Die WVH baut viel und will mit der Tochtergesellschaft HPB auch noch an der Breitscheidstraße investieren. Soll das so weitergehen?

Es wird auch in Zukunft Neubauten geben, aber kleinteiliger, nicht in der Größenordnung wie das Vorhaben "Neue Mitte Heidenau". Der Bestand darf bei allem neu Bauen nicht vernachlässigt werden. Der Leerstand ist ja in Heidenau auch aufgrund der Nähe zu Dresden kein Problem, kann es aber wieder werden. Deshalb müssen Wohnungen schick gemacht werden, ohne goldene Wasserhähne und horrende Mieten.

Mügeln ist da auch aufgrund der verschiedenen Vermieter eigentlich besser als sein Ruf. Welche Ideen haben Sie speziell für dieses Wohngebiet?

Ich denke, wenn man das Umfeld weiter gestaltet, ist das ein tolles Gebiet. Wichtig ist, Wohnungen in verschiedenen Mietsegmenten anbieten zu können. Und auch neue Ideen sind gefragt. Im Chemnitz haben wir zum Beispiel Mietern von Wohnungen ohne Balkon die Pacht für einen Kleingarten bezahlt. Das ist zwar nicht viel, aber ein Signal. Oder Wohnungen im Erdgeschoss haben eine kleine Treppe und ein Gärtchen erhalten.

Sind das Ideen, die Sie sich auch für Heidenau vorstellen könnten?

Ja, auf jeden Fall.

Was wird mit Stefan Ruffani, dem Sohn der ehemaligen Geschäftsführerin, der ebenfalls in der WVH arbeitet? Es dürfte ja eine nicht ganz einfache Konstellation sein...

Ich werde mich mit ihm zusammensetzen und wir werden unsere Vorstellungen äußern. Wenn sie übereinstimmen, kommen wir sicher auch überein.

Was haben Ihre Chemnitzer Kollegen gesagt, als sie Ihnen sagten, dass Sie sie verlassen?

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Es gab viele Tränen - wir haben gut zusammen gearbeitet und viel entwickelt - und wenn möglich, gebe ich noch einen Ausstand.

Dem nun in Heidenau ein Einstand folgt...

Das werde ich machen.

Wenn Sie irgendwann, vielleicht zu Rentenbeginn, die Stadt wieder verlassen, sollen die Heidenauer dann auch ein paar Tränen vergießen?

Natürlich. (lacht)

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