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Baustopp bei Heidenaus neuer Mitte?

Auf der großen Baustelle am Markt passiert wenig bis nichts. Der Berliner Baufirma und die WVH schieben sich die Schuld zu.

Mit fast vierwöchiger Verspätung wurde am Montag in Heidenau mit dem Aufbau des Krans begonnen. Die Probleme sind damit aber nicht aus der Welt geräumt.
Mit fast vierwöchiger Verspätung wurde am Montag in Heidenau mit dem Aufbau des Krans begonnen. Die Probleme sind damit aber nicht aus der Welt geräumt. © Norbert Millauer

Das Einzige, was die vergangenen Tage auf eine Baustelle im Heidenauer Zentrum hindeutete, war die Ampel auf der Bahnhofstraße. Auf der Baustelle selbst aber herrschte Stille. Kein Arbeiter, keine Maschinen oder Fahrzeuge. Am Montag wurde nun verspätet mit dem Aufbau des Krans begonnen.

Geht es jetzt weiter? Das ist noch nicht klar. Am Mittwoch soll es ein weiteres Krisengespräch zwischen Bauherrn und Baufirma geben. Bauherr ist die städtische Wohnungsgesellschaft WVH, Baufirma die Berliner CEC Bau GmbH.

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Gegenseitige Schuldzuweisungen

CEC aus Berlin ist ein mittelständiges Bauunternehmen mit Schwerpunkt Rohbau, das Deutschlandweit agiert. Es hatte sich für das Heidenauer Großvorhaben beworben und den Zuschlag für die Bauhauptleistungen erhalten. Die Entscheidung traf die zum 1. Mai abberufene Geschäftsführerin Sonnhild Ruffani allein. Sie habe sich damals "im Interesse der WVH die Mühe gemacht und ist nach Berlin gefahren, um sich selber davon zu überzeugen", sagt ein leitender CEC-Mitarbeiter. Dass der Baustopp fast zeitlich mit dieser Abberufung zusammenfällt, führt zu einigen Spekulationen.

Fakt aber ist der Bauverzug. Der Baukran hätte schon am 21. April aufgestellt werden müssen. Das war die Woche, in der der Stadtrat zur Abberufung von Ruffani entschied. Die Baufirma will jedoch für die Verzögerung keine Verantwortung übernehmen. Schuld sei die WVH, sagt der CEC-Mitarbeiter. Im Fachjargon ist von "bauseits geschuldeten Vorleistungen" die Rede, die die WVH nicht erfüllt hätte. Das dementiert WVH-Übergangsgeschäftsführer Reinhard Guhr. "Es liegt keinesfalls daran, dass die WVH irgendwelchen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist, schon gar nicht im Zahlungsverkehr." Woran es liegt, lässt Guhr offen.

Preisexplosion bei Baumaterial

Dahinter steht aber offenbar noch mehr. Die Baufirma hat aufgrund der explodierten Preise für Baumaterial Mehrkosten angemeldet. "Wir reden hier von Preissteigerungen bis zu 100 Prozent von Baustoffmaterialien, die Hauptbestandteil unseres Auftrages sind", sagt CEC. Bisher ist von 21,5 Millionen Euro für die fünf Wohn- und Geschäftshäuser die Rede. Eine Verdopplung dürfte weder für die WVH noch die Stadt finanzierbar sein. Wird aus Heidenaus neuer Mitte das größte Bauloch der Stadt?

Diese Steigerung, die weder die Baufirma noch die WVH zu verantworten hat, werde bisher von der WVH abgelehnt. Für die Baufirma sei nun zu klären, ob das Bauvorhaben unter den neuen Bedingungen überhaupt umsetzbar ist, heißt es. Guhr spricht von einem "ernsthaften Meinungsaustausch" mit der Baufirma und kündigt voraussichtlich zum Dienstagabend eine verbindliche Entscheidung an. Guhr wurde vom Stadtrat für Mai und Juni als WVH-Chef eingesetzt, bis dann am 1. Juli Tilo Koch die Geschäfte übernimmt.

Baufirma bedauert WVH-Wechsel

Der Wechsel an der WVH-Spitze war von einigen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und Sonnhild Ruffani begleitet, die zum Teil schon länger bestanden, seit Ende vergangenen Jahres aber immer mehr zutage traten. Schließlich wurde keine andere Möglichkeit mehr als die Trennung gesehen.

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Die Baufirma habe vom Wechsel zunächst aus den Medien, danach durch eine Mail der WVH erfahren. Zwischen den Zeilen ist herauszuhören, dass man die Ablösung von Ruffani bedauert. "Auf die gemeinsame Zusammenarbeit und das anstehende Projekt hatte ich eine positive Energie der damaligen Geschäftsführerin erkennen können", sagt der Mitarbeiter der CEC, der namentlich nicht genannt werden möchte.

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