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Heidenaus Turbo-Tankstelle

Elektroautos können nun auch am Nord-Bahnhof Strom zapfen. Und das besonders schnell. Trotzdem gibt es zwei Probleme.

Von Heike Sabel
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Das kann Reno König (r.) auch bald: Strom tanken in Heidenau. Am Nord-Bahnhof gibt es seit Mittwoch die Schnell-Tankstelle, die Enso-Kommunalvertriebsleiter Gunnar Schneider einweiht.
Das kann Reno König (r.) auch bald: Strom tanken in Heidenau. Am Nord-Bahnhof gibt es seit Mittwoch die Schnell-Tankstelle, die Enso-Kommunalvertriebsleiter Gunnar Schneider einweiht. © Daniel Schäfer

Der Strom aus der Tankstelle auf dem Heidenauer Bahnhofsvorplatz fließt seit Mittwoch schneller, als die Säule gebaut war. Obwohl, gebaut war sie schnell, nur die Genehmigung des Förderantrages dauerte so lange.

Dafür hat Heidenau jetzt nicht nur eine öffentliche Stromtankstelle für Elektroautos, sondern auch die erste Schnellladesäule in Ostsachsen. Schnell heißt, in acht Minuten für 100 Kilometer tanken Dafür stehen zwei Stecker mit je 150 Kilowatt Leistung und gekühltem Kabel zur Verfügung. Zwei Stecker – einer für europäische Fahrzeuge, einer für asiatische. An normalen Stromtankstellen dauert volltanken ein paar Stunden.

Dass Heidenau nicht nur eine einfache Tanksäule für etwa 10 000 Euro, sondern einen Luxus-Turbolader für das Fünffache bekommt, hat sich die Enso gut überlegt. Der Heidenauer Standort liegt im Zentrum, direkt am Bahnhof und den Bushaltestellen, die Bundesstraße nah und Autobahn auch nicht so weit weg. Ein weiterer Grund: Heidenau ist Energiesparstadt. Da macht sich natürlich auch Elektromobilität gut, nicht nur, weil Strom im Gegenteil zu Benzin oder Diesel weder tropft noch riecht.

Ein Preis, egal wie viel man tankt

Fast zwei Jahre ist es her, dass die Fraktion der Linken/Grünen mit einem Antrag im Stadtrat die Tankstelle anregte. Fast genau so lange hat auch Reno König, Taxiunternehmer und CDU-Fraktionschef im Stadtrat, bei der Enso immer wieder nachgefragt und gedrängelt. Jetzt hat er sein erstes Elektroauto bestellt und wird dann wahrscheinlich Stammkunde an der Heidenauer Stromtankstelle.

Sie ist die 23. der Enso in Ostsachsen. Eine weitere „normale“ Stromtankstelle steht seit Ende 2016 in Dohna am Markt. 260 Mal wurde sie im vergangenen Jahr angezapft. „Das ist akzeptabel, aber ausbaufähig“, sagt Gunnar Schneider, Leiter Kommunalvertrieb bei der Enso. Dabei dürfte die Stadt Dohna der beste Kunde sein, denn sie fährt selbst elektrisch – im Gegensatz zu Heidenau. Jedenfalls bisher. Man habe sich noch nicht für ein Elektro-Auto im kommunalen Fuhrpark entscheiden können, sagt Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU). „Es ist ja auch eine Kostenfrage.“ Dohna hatte mit dem Auto die ersten zwei Jahre Glück. Die Stadt bezahlte dank eines Förderprojektes, von dem auch andere Kommunen profitieren, nur 15 Euro im Monat – inklusive Strom-Flatrate.

An der Heidenauer Stromtankstelle kostet jeder Tankvorgang vier Euro, egal ob man volltankt oder nur kurz. Die Krux an der Ladesäule ist allerdings das Bezahlen über eine Ladekarte, die es bei der Enso gibt. Kunden anderer Energieversorger haben andere Karten, nicht alle können einfach so ran an die Tankstelle und Strom ziehen. Es werde aber an einer Plattform gearbeitet, die das ermöglicht, sagt Schneider. Also mit einer Karte tanken, egal ob in Amsterdam, Paris oder eben Heidenau.

Heidenau und die Enso werden nun schauen, wie oft die Tankstelle am Nordbahnhof angezapft wird. Wenn Reno König seine Taxi-Flotte komplett umstellt und hier ständig die Säule „blockiert“, könnte es sein, dass Heidenau noch eine weitere Ladestation bekommt. Zwar keinen Turbo-Lader, aber das Netz soll insgesamt enger werden. Bis 2022 will die Enso noch sechs weitere Schnelllader in Betrieb nehmen. „Noch sind wir dem Bestand an Elektrofahrzeugen voraus“, sagt Enso-Mann Gunnar Schneider. Aber das werde sich ändern. Sein Dienstauto ist natürlich ein elektrisch fahrendes. Tanken musste er beim Termin in Heidenau nicht. Er hatte zuvor in Dresden Strom gezapft.