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Heimerfolg beim Jubiläum

8 211 Besucher feiern 125 Jahre Rennbahn Dresden-Seidnitz und sehen den Sieg von Tim Rocco.

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© Thomas Kretschel

Von Maik Schwert

Dieser Triumph bleibt in der Familie – und in Dresden. Claudia Barsig trainiert den vierjährigen Wallach Tim Rocco in Seidnitz, und das beste Pferd im Stall gehört ihrer Tochter Christin. Sie sitzt gerade auf einem anderen Vollblut, als 8 211 Gäste Tim Rocco, Claudia Barsig und Jockey Michael Cadeddu bejubeln. „Christin macht beim Schaubild der Dresdner Rennställe von 1945 bis 1990 vor der Tribüne mit“, erklärt die Mutter das Fehlen ihrer Tochter bei der Siegerzeremonie.

Das mit dem Feiern holt die Familie Barsig nach. Schließlich räumt sie bei diesem 125-jährigen Jubiläum die meisten Preise ab. Cadeddu gewinnt nicht nur das Hauptrennen auf dem Wallach. Er siegt auch auf der Stute Donna Rubina. Deren Besitzerin und Trainerin heißt Claudia Barsig. Außerdem triumphiert Maxim Pecheur auf der von ihr betreuten Stute Tilara. Dem Deutschen mit französischem Vater gelingen wie Cadeddu zwei Siege. Sie sind an diesem Sonnabend die besten Reiter.

Eine Serie mit Seltenheitswert

Die erfolgreichste Trainerin ist Barsig – und eine Expertin für außergewöhnliche Anlässe in Seidnitz. Sie sattelte bereits 2011 beim 120-jährigen Jubiläum mit Prince Diamond den Sieger, auch ein vierjähriger Wallach, den Stefanie Hofer nach 2 000 Metern zum Triumph führte. „Das kann sich sehen lassen“, sagt Barsig, die Erfolgsserie von Tim Rocco auch. „Er hat davor schon viermal hintereinander gewonnen und nichts dagegen gesprochen, dass der Wallach das auch ein fünftes Mal schafft. Tim Rocco steigert sich von Rennen zu Rennen. Er wächst mit den immer schwierigeren Aufgaben.“

So viele Siege in Folge besitzen Seltenheitswert. „Wir haben derzeit nicht nur einen Lauf“, sagt Gert Barsig, Ehemann und rechte Hand der Trainerin. „Wir haben einen Superlauf.“ Die Pferde fühlen sich wohl bei ihnen. „Ich kann zwar mit Begriffen wie Stallform nicht so viel anfangen, aber wenn wir uns die Ergebnisse anschauen, dann trifft es dieses Wort wohl doch am besten“, sagt Claudia Barsig. Sie meint auch die Resultate ihrer anderen Pferde. Zweite, dritte und vierte Plätze bringen ebenfalls Futtergeld. „Es funktioniert so gut. Das ist schon stark. Wahnsinn.“

Im wichtigsten Wettbewerb spielt Jockey Cadeddu seine Fähigkeiten aus. „Er hat bereits auf Tim Rocco gesessen, kennt den Wallach und macht alles richtig“, sagt die Trainerin. Das war nicht immer so. Früher vermasselte er einige Ritte. „Da war Miki nicht immer wie geplant unterwegs.“ Damals knöpfte Gert Barsig sich den Italiener vor. Dieses Mal applaudiert er dem 29-Jährigen, der wie ein Turner vom Pferd springt. „Er ist nach unserer Order gelaufen“, sagt Gert Barsig.

Auf dessen Kritik an weniger gelungenen Auftritten in der Vergangenheit reagiert Cadeddu entspannt: „Mamma mia, es tut mir leid, wenn nicht alles so geht wie gewünscht.“ Die Arbeit eines Trainers findet er extrem schwer. Das klingt, als hätten die Barsigs es mit ihm nicht immer so leicht wie am Sonnabend. Mangelnde Motivation lässt der Jockey sich nicht vorwerfen: „Ich bin Profi durch und durch und will grundsätzlich alle Rennen gewinnen – egal, ob es sich um ein Listenrennen oder einen Ausgleich dreht.“ Um Letzteres handelt es sich dieses Mal. Am Dresdner Geläuf liegt es nicht, dass es nicht an jedem Seidnitzer Renntag so erfolgreich klappt wie beim Jubiläum: „Ich mag Bahnen mit einer langen Geraden.“ Mit Tim Rocco zeigt Cadeddu seine Fertigkeiten auf diesen letzten 400 Metern bis zum Ziel – gut möglich, dass er am Sonnabend einfach nur ein bisschen Anlauf für den Sieg benötigt. Auch das Rahmenprogramm passt aus seiner Sicht zum Jubiläum. Die Hohnsteiner Blasmusikanten führen den Dresdener Rennvereinsmarsch von 1909 neu auf, und die Großenhainer Husaren treten genauso auf wie Christin Barsig beim Schaubild.