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Heimlicher Blitzbesuch

Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth war in Naunhof – ganz ohne Rummel.

© Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Naunhof. „Das ist ja wie früher hier“, mit diesem Ausruf zur ländlichen Idylle rund ums alte Herrenhaus und den Park Naunhof hatte Geert Mackenroth wohl fast unbeabsichtigt sein Statement abgegeben. Eingeladen war er von der Initiative „Naunhofer Frauen“, die sich seit Monaten gegen eine konzeptionslose Unterbringung von Asylbewerbern im früheren Herrenhaus engagieren. Ihr Wunsch ist denkbar einfach: Sie wollen, dass es so ruhig „wie früher“, sprich jetzt, bleibt in Naunhof.

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Geert Mackenroth (CDU) besuchte jetzt in aller Stille das Herrenhaus Naunhof, um sich vor Ort ein Bild zu machen, warum die Naunhofer Bedenken gegen die Notunterkunft haben.
Geert Mackenroth (CDU) besuchte jetzt in aller Stille das Herrenhaus Naunhof, um sich vor Ort ein Bild zu machen, warum die Naunhofer Bedenken gegen die Notunterkunft haben. © Archiv/Robert Michael

Doch genau das sehen die Naunhofer in Gefahr, wenn rund 70 junge Männer hier untergebracht werden – ohne richtige Busverbindungen, ohne Einkaufsmöglichkeit und Beschäftigung, bislang ohne bekannten Betreiber für ein Objekt, das von den Standards her als geplante Notunterkunft noch unter denen gängiger Asylheime liegt. Vieles ist ungeklärt für Naunhof, allen Gesprächen in Dresden oder in der Arbeitsgruppe Asyl zum Trotz.

Deshalb laufen sie wieder – 455 sind es am Freitagabend – inzwischen schon zum dritten Mal. „Wir haben keinerlei Zusagen, auch im Gesprächsprotokoll steht nichts“, sagt Thomas Schädlich, einer der Sprecher der Naunhofer Initiative. Auch die Aussage von Bürgermeisterin Margot Fehrmann, man habe baulich alles soweit geändert, dass auch Frauen und Kinder kommen könnten, könnte auch bei einem „könnte“ bleiben. Die Gemeinde erfährt selbst erst zehn Stunden vorher, wer wirklich im Bus sitzt. Selbst davon, dass auch rund ums Herrenhaus noch Laternen gesetzt werden, ist noch nichts zu sehen.

Durchgangsheime im Dorf

Doch die Anwohner wollen Licht in die Sache bringen, in jeder Bedeutung des Wortes, und Verbindliches. Fragen, ob es dann Videoüberwachung in den Schulbussen gibt, die die einzige Verbindung zu den Städten sind, oder Schulbegleiter sind gänzlich offen. Auch die Frage eines Wachschutzes im Objekt oder die simple Antwort, wie schnell die Polizei da sein kann – stehen noch aus. Weil alles offen ist, haben 1350 Menschen eine Petition der Naunhofer an Landkreis und Ministerium unterschrieben. Die Bürger hoffen auf den Petitionsausschuss des Landtages, auch wenn der weder bei Windkraft, Asphaltmischanlage noch Abwasserbeiträgen „einem Problem abhelfen konnte“ wie es im Bescheid so schön amtsdeutsch heißt.

Und die Naunhofer hoffen auf Geert Mackenroth. Nicht auf ihren Ortschaftsrat, der nur mitschreibt, was die Bürgermeisterin in der Gruppe Asyl sagt, und nicht auf ihre Bürgermeisterin, die bei diesem staatstragenden Thema im Zweifelsfall nichts zu sagen hat, weil das Objekt dem Landkreis gehört. Nun kam Geert Mackenroth tatsächlich überraschend vorbei. Es war ein stiller Besuch von Sachsens Ausländerbeauftragten – ohne Presse, ohne Bürgermeisterin.

Die Naunhofer wollten nach ihrem Gesprächstermin in Dresden in Ruhe mit dem CDU-Mann vor Ort eine Runde ums Haus gehen, ihm zeigen, warum sie solche Bedenken haben. Der zeigt sich beeindruckt. In einem Telefonat sagt er gestern gegenüber der SZ: „Die Initiative hat auf mich einen tollen Eindruck gemacht, die Naunhofer stellen keine übermäßigen Forderungen und wir nehmen diese Forderungen in Dresden sehr ernst.“ Man habe Stillschweigen vereinbart, um die Sache auf „vernünftige Gleise mit dem Landkreis“ zu bringen, so Mackenroth weiter.

Und dann macht er eine Äußerung, die dann doch verblüfft: „Ich bin von solchen Durchgangsheimen in kleinen Dörfern nicht begeistert“, so Mackenroth. Widerspricht das nicht dem gerade geäußerten Slogan, Asylbewerber müssten verstärkt aufs Land, um die Städte zu entlasten?

„Nein“, so Mackenroth. Nur diejenigen, die dann in richtige Asylheime geschickt würden, müssten eine echte Bleibeberechtigung haben. Um die müsse man sich bemühen. Im Naunhofer Herrenhaus, das als „Notunterkunft“ und damit als eben solches „Durchgangsheim“ geplant ist – ist feste Integration gar nicht möglich.