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Heimplätze werden teurer

In mehreren Einrichtungen steigt der Eigenanteil teils drastisch. Dort spricht man von einem normalen Vorgang.

© Symbolbild/dpa

Von Stefan Lehmann

Riesa. Die Aufregung ist groß unter den Heimbewohnern. Am Wochenende, beim Kaffeetrinken, habe es nur ein Thema gegeben, sagt ein Angehöriger: die neuen Preise, die ab September in den Heimen des Pflege- und Betreuungszentrums gelten sollen. Der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, spricht von einer Erhöhung um bis zu 40 Prozent in seinem Fall. Statt rund 850 Euro wären für den Heimplatz dann 1 180 zuzuzahlen.

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In dem Schreiben, das die Bewohner auf die steigenden Kosten hinweist, wird unter anderem auf die allgemeine Kostensteigerung verwiesen. Außerdem sei es dem PBZ „besonders wichtig, weiterhin alle Mitarbeiter an unser Haus zu binden und auch neue Mitarbeiter hinzuzugewinnen, um Ihnen auch in der Zukunft eine gute Versorgungsqualität bieten zu können. Dafür bedarf es attraktiver Rahmenbedingungen, zu denen auch regelmäßig fortzuschreibende Gehälter gehören“. Dass deshalb auch der Eigenanteil steigen muss, dafür hat der Riesaer noch Verständnis, der sich an die SZ gewendet hat. „Was uns vor allem bewegt, ist, dass gleich in diesem Maß erhöht wird.“ Rund 90 Prozent der Bewohner könnten sich diese Mehrkosten doch überhaupt nicht leisten, schätzt er.

Die Geschäftsführerin des PBZ beschwichtigt: „Wir befinden uns derzeit in Verhandlungen mit den Kostenträgern, also den Krankenkassen und Sozialhilfeträgern“, sagt Heike Eulenfeldt. „Das ist völlig normal und passiert immer, wenn die Verträge auslaufen.“ Letztendlich hängt also vom Verhandlungsergebnis ab, wie sich genau die Kosten für die Heimbewohner wirklich verändern.

„Dass eine Kostenerhöhung nicht auf Begeisterung stößt, das ist verständlich“, sagt Eulenfeldt. Sie macht aber auch deutlich: „Bisher waren wir immer noch in der Lage, unsere Kosten auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau zu halten.“ Es sei auch weiterhin angestrebtes Ziel, „unsere Kosten in einer verträglichen Höhe zu vereinbaren. Im Übrigen befinden wir uns mit der geplanten und noch zu verhandelnden Erhöhung unserer Entgelte auf dem Kostenniveau, welches in anderen Einrichtungen seit Jahren verlangt wird.“

Tatsächlich liegen die Kosten für Bewohner der Seniorenheime des PBZ weit unter denen anderer Einrichtungen. Und auch dort wird zum Teil gerade oder demnächst verhandelt. Im Seniorenzentrum Albert Schweitzer beispielsweise, wie Heimleiter Dario Perrone bestätigt. Aktuell beträgt der Eigenanteil dort knapp unter 1 340 Euro. Wie hoch er nach den Verhandlungen ausfallen wird, das lasse sich schwer prognostizieren. Im Vitanas Senioren Centrum am Lutherplatz zeichnet sich aktuell keine Erhöhung der Preise ab, sagt die kommissarische Leiterin Ines Wonka. Die Bewohner zahlen dort für ein Doppelzimmer 1 208Euro zu; dieser Preis gelte seit September 2017. Letztendlich seien Preiserhöhungen immer eine Frage der Dauer des Versorgungsvertrags. Ähnlich sieht die Lage auch bei Advita aus. Im Schloss Gröba sei kurzfristig mit einer Entgelterhöhung nicht zu rechnen, sagt Advita-Sprecher Uli Schuppach. Generell sei eine solche Anpassung aber denkbar. Wie viel dort gezahlt werden kann, sei kaum zu beziffern, „weil die Zuzahlungen von unzähligen Faktoren abhängig sind. Sie müssen in Betracht ziehen, dass unser Angebot ja kein Heim ist, sondern ein Betreutes Wohnen – oder eine Pflegewohngemeinschaft. Wir pflegen in den von den Bewohnern selbst angemieteten Wohnungen nach deren individuellem Bedarf.“ Auch der Leiter des neu errichteten Azurit-Seniorenheims kann noch keine Angaben dazu machen, was die Bewohner künftig selbst zuzahlen müssen: Die Verhandlungen laufen noch, sagt Stefan Lux.

Im bundesweiten Vergleich liege Riesa noch relativ niedrig, sagt Dario Perrone vom Albert-Schweitzer-Haus: In Mannheim beispielsweise hätten die Bewohner 2 600 Euro nachgezahlt. „Da gab es auch viele Menschen, die auf Unterstützung des Sozialamtes angewiesen waren“, sagt Perrone.

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Stefan Lehmann über höhere Kosten für Heimbewohner.

Bewohner, die den Heimplatz von ihrer Rente nicht bezahlen können, haben Anspruch auf diese Hilfe, bestätigt Tanja Wagner, Sprecherin des deutschen Pflegeverbandes DPV. „Das Sozialamt schaut: Ist Vermögen vorhanden? Das müsste dann aufgebraucht werden, ehe es für den Pflegeplatz zahlt.“ Vom Kreissozialamt heißt es auf SZ-Anfrage, das PBZ habe bereits über die Erhöhung informiert. Man sei schon mit der Einrichtung im Gespräch, um auch vor Ort Beratung und Unterstützung für die Heimbewohner und deren Angehörige zu bieten, erklärt die zuständige Sachbearbeiterin Angela Häfke. Auf solche Informationsveranstaltungen verweist laut Heike Eulenfeldt auch das PBZ in seinem Schreiben. Denn die Materie sei sehr komplex.