merken

Dresden

Heißer Dampf reicht nicht

SZ-Redakteur Sandro Rahrisch über Dresden zwischen Unkrautvernichtung und Umweltprojekten. 

© Ellger, Michael

Dresden macht nichts für die Umwelt? Wer das behauptet, redet Quatsch. Es ist ein großer Fortschritt, dass der kurz geschorene Wimbledon-Rasen nicht mehr das Maß aller Dinge ist. Viele Parks und Grünstreifen werden nur noch zweimal im Jahr gemäht. Wiesen dürfen wieder wachsen. So geht Insektenschutz.

Vorbild für andere deutsche Städte war Dresden bereits vor einigen Jahren. Seit 2016 verzichtet die Stadt auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat bei der Unkrautvernichtung in Parks, auf Spielplätzen, Friedhöfen und an Straßenrändern. Dafür kommt heißer Dampf zum Einsatz. Auch um Schatten und Sauerstoff spendende Bäume bemüht sich die Stadt sehr. An den Straßenrändern stehen heute mehr als 54.000 Bäume – Tendenz steigend. Und auf vielen städtischen Gebäuden wie dem Kulturpalast und dem Kulturkraftwerk summen mittlerweile Bienen.

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Alles bestens also? Nein, auch das ist Quatsch. Zwar wirbt die Stadt gern damit, eine der grünsten Europas zu sein, wobei die Heide dazugerechnet wird. Doch Dresdens Ziel, möglichst viele freie Flächen in der Innenstadt zu bebauen, widerspricht dem Wunsch, Insekten und Pflanzen im Zentrum zu schützen. Auch an günstigen Bus- und Bahntickets sowie durchweg sicheren Radwegen hapert es noch, sodass sich der eine oder andere doch lieber ins Auto setzt, um zur Arbeit zu fahren. Und ehrlicherweise muss auch gesagt werden, dass zuerst bei Umweltprojekten gespart wird, wenn das Geld fehlt. Bestes Beispiel ist der Südpark, dessen Entwicklung auf Eis gelegt ist. Dresden macht etwas für die Umwelt. Aber es könnte mehr sein.

Mail an SZ-Redakteur Sandro Rahrisch

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Wie Dresden bienenfreundlich wird

An der St. Petersburger Straße soll die Natur bald sprießen und gedeihen. Farbenfroher Wildwuchs bloß fürs Auge? Von wegen.