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Helfer im Einsatz

Hilfsorganisationen von ASB bis THW werben in der Arena um Nachwuchs. Mit dabei sind junge, motivierte Leute.

© Sebastian Schultz

Von Kevin Schwarzbach

Riesa. Blaulicht flackert unaufhörlich über die Wände, Menschen in Uniformen wuseln geschäftig durch die Sachsenarena. Wären da nicht noch die lachenden Kinder, die munter auf den Hüpfburgen auf und ab springen, man könnte beim ersten Blick glatt auf die Idee kommen, es fände der größte Rettungseinsatz seit Jahren statt.

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Vom Rettungswagen bis zum Löschfahrzeug gab es am Sonntag in der Sachsenarena jede Menge Einsatztechnik zu sehen. Ein paar mehr Besucher hätten die Organisatoren gern gesehen.
Vom Rettungswagen bis zum Löschfahrzeug gab es am Sonntag in der Sachsenarena jede Menge Einsatztechnik zu sehen. Ein paar mehr Besucher hätten die Organisatoren gern gesehen. © Sebastian Schultz

Groß ist der Auflauf allemal, doch gerettet werden muss niemand. Vielmehr präsentieren sich beim Tag der Helfer die hiesigen Hilfsorganisationen samt Technik. Die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk, der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter, die Flussmeisterei und die Reservistenkameradschaft – alle sind da, um den Besuchern zu zeigen, dass sie für den Notfall gerüstet sind. Und um etwas gegen ihre Nachwuchssorgen zu tun.

Gern hätten sie mehr junge Leute wie Tobias Schüttig. Der 21-Jährige steht am Eingang des Dekontaminationszeltes und beantwortet die Fragen der Besucher. Krankenwagen, Feuerwehrautos und Sandsäcke hat jeder schon einmal gesehen – aber ein solches Zelt kennen nur die wenigsten. Was natürlich auch daran liegt, dass es ungemein selten zum Einsatz kommt. „Glücklicherweise“, sagt Schüttig. „Das kann gern so bleiben, wenn es nach mir geht.“

Als Tobias Schüttig mit elf Jahren beim Jugendrotkreuz anfing, entdeckte er schnell seine Leidenschaft für das Helfen. Später ging es für ihn dann in den Bereich des Katastrophenschutzes. Erst vor zwei Monaten hat er seine Ausbildung zum Rettungssanitäter abgeschlossen. Trotzdem erklärt er bereits so detailliert und überzeugend, als trage er seine Kenntnisse aus einem Lehrbuch vor.

Schnell wissen die Besucher, dass im ersten Zelt die Wunden der Verletzten ausgeschnitten und danach die Kompressen mit Frischhaltefolie fixiert werden. Auf einer Trage mit Rolluntersatz werden die Verletzten dann in den zweiten Bereich geschoben, in dem die Feuerwehr sie abspritzt. Im dritten Bereich, dem Sichtungszelt, entscheiden die zuständigen Sanitäter, wer wie schwer verletzt ist und Vorrang beim Transport genießt. Damit im Ernstfall auch alle Abläufe ineinandergreifen, proben die Mitarbeiter von Rotem Kreuz und Feuerwehr jährlich.

Unter den Besuchern des Helfertages sind vor allem Familien, bei denen die Eltern die hauptberuflichen und ehrenamtlichen Helfer kennen oder deren Kinder schon immer davon träumten, mal in einem Feuerwehrauto zu sitzen oder einem Helfer in Uniform ganz nah zu sein.

Die etwas andere Art eines Tages der offenen Tür wird angenommen, doch ein Ansturm bleibt aus. „Wir sind erst einmal froh, dass wir diese Veranstaltung mithilfe aller Beteiligten auf die Beine stellen konnten und dass die Helfer aus der Region so zahlreich dabei sind“, sagt Alexander Kurz vom Arbeiter-Samariter-Bund. „Jetzt müssen wir schauen, wie wir in Zukunft weitermachen, welche Aktionen wir vielleicht noch einbauen und was die Menschen außerdem interessiert.“ Der Anfang zumindest ist gemacht, einer der nächsten Schritte muss wohl sein, die eigentliche Zielgruppe besser zu erreichen.

Doch wenn am Ende des Tages wenigstens ein paar junge Leute zu Hause sitzen und von der Begeisterung eines Tobias Schüttig angesteckt sind, ist das schon ein Gewinn. Fragen ihn die Besucher, ob es nicht anstrengend sei, unter den Schutzanzug zu schlüpfen und im Ernstfall unter extremen Bedingungen zwei Stunden darunter zu arbeiten, antwortet der 21-Jährige mit einem Lächeln: „Natürlich ist es schwierig. Aber wenn ich mich entspannen will, fahre ich in den Urlaub. Ich bin beim Roten Kreuz, um zu helfen, wo Hilfe benötigt wird.“