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Helferin im Hintergrund

Die Löbauerin Monika Schwarzbach gehört zum Team, das die Blutspendeaktionen beim DRK vorbereitet.

© Rafael Sampedro

Von Constanze Junghanß

Löbau. Eigentlich hat Monika Schwarzbach nur wenig Zeit. Die 66-Jährige ist schon wieder auf dem Sprung. Diesmal geht es nach Niedercunnersdorf zur Grundschule. Dort beginnen gleich die Vorbereitungen der Helferinnen für die Blutspendeaktion. Der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost – zuständig für Sachsen, Berlin, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein – ist wieder vor Ort. Und braucht dann die Unterstützung der Ehrenamtlichen. Eine davon ist Monika Schwarzbach. Ein Imbiss muss vorbereitet, die Formulare ausgefüllt, die Räume hergerichtet werden. Rund 40 Spender werden in Niedercunnersdorf erwartet. Die sollen gut betreut werden. Dafür sorgen Frau Schwarzbach und die anderen Ehrenamtler. Ohne deren Unterstützung würde der Ablauf nicht so gut funktionieren.

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Auch zum Internationalen Frauentag gönnt sich die Rentnerin keine Auszeit. Blut rettet Leben und da wird jede helfende Hand gebraucht – am 8. März in der Löbauer Pestalozzi-Schule. Das zu unterstützen ist eine Selbstverständlichkeit für die couragierte Dame, die seit sechs Jahren zum Team von insgesamt rund 140 erwachsenen Ehrenamtlichen beim Deutschen Roten Kreuz Löbau gehört. „Dazu gekommen bin ich durch eine Arbeitskollegin von früher“, erzählt sie. In der gemeinsamen Sportgruppe beim DRK haben sie sich ausgetauscht. „Und da erfuhr ich, dass beim Roten Kreuz Helfer in diesem Bereich gesucht werden“, sagt sie. Auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung war Frau Schwarzbach sowieso. „Mir fiel nämlich mit dem Beginn von meinem Ruhestand so ein bisschen die Decke auf den Kopf“, erzählt die ehemalige Kundenberaterin einer Krankenkasse augenzwinkernd. Zwar sei die Freizeit zu Beginn der Rente anfangs noch eine schöne Erfahrung gewesen. Aber irgendwann blieb Zeit übrig und der Kontakt zu den Leuten fehlte. Warum also nicht ein Ehrenamt annehmen, das vielen Menschen zugutekommt? Denn daheim sitzen und Däumchen drehen sei nicht ihr Ding.

Die Unterstützung bei den Blutspendeaktionen sei zudem eine wichtige Aufgabe. Künstliches Blut gibt es beim Film. Leben rettet Kunstblut aber nicht und noch hat die Wissenschaft keinen Weg gefunden, Blut synthetisch für die Versorgung von Patienten herzustellen. Dafür braucht es Spender und eben solche Helfer wie Frau Schwarzbach. Die agieren eher im Hintergrund, sind aber auch dafür da, ein Auge auf die Spender und ihr Wohlergehen während der Blutspende zu haben. Die Zahlen sprechen für sich, wie viel ehrenamtliche Arbeit dahinter steckt. Allein im Jahr 2017 wurden rund 3900 Blutspenden in Löbau und Umgebung abgenommen. Im Durchschnitt ist die Löbauerin sechs bis sieben Mal pro Monat zu den Terminen unterwegs. Die finden in Löbau, Oppach, Neugersdorf, Ebersbach, Herrnhut, Großschweidnitz und Kottmar statt.

Trotzdem wünscht sich Monika Schwarzbach – die nicht selbst spenden kann – einen noch stärkeren Zulauf. Bei Operationen wird der Lebenssaft ebenso gebraucht, wie nach Unfällen. „Mit einer Blutspende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden“, bringt es Annett Schletter vom DRK-Blutspendedienst Nord-Ost auf den Punkt. 112 Millionen Blutspenden werden jährlich weltweit benötigt. Drei Millionen Vollblutspenden stellen die Blutspendedienste des DRK für die Versorgung in deutschen Kliniken bereit. Damit werden 70 Prozent der notwendigen Blutversorgung im Land abgesichert. Frauen übrigens dürfen vier Mal im Jahr Blut spenden, Männer sechs Mal. Das hängt mit dem Eisenverlust zusammen. Bei Frauen dauert es etwas länger, bis dieser nach einer Spende wieder ausgeglichen ist. Über die Hintergründe und Fakten wissen auch Helferinnen wie Monika Schwarzbach bescheid. Und in einigen Fällen sogar darüber, wofür das Blut aus der Region eingesetzt wird. Bei den Auszeichnungsveranstaltungen für langjährige Spender gibt es von der Leitung des DRK-Blutspendedienstes diese Informationen. Das berührt auch die zweifache Mutter und Oma immer sehr. „Früher als ich noch im Arbeitsleben stand, hatte ich für ein solches Engagement gar nicht die Zeit“, sagt sie. Umso mehr freut sich Frau Schwarzbach heute, gebraucht zu werden.