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„Helferwerbung ist ganz wichtig“

Martin Wagner ist Zugführer und SEG-Leiter der Johanniter-Unfall-Hilfe. Der DA sprach mit ihm.

Martin Wagner, Zugführer und SEG-Leiter der Jonanniter-Unfall-Hilfe des Einsatzzuges zwei des Landkreises Mittelsachsen.
Martin Wagner, Zugführer und SEG-Leiter der Jonanniter-Unfall-Hilfe des Einsatzzuges zwei des Landkreises Mittelsachsen. © André Braun

Hartha. Die Johanniter brauchen Helferzuwachs. Den gab es nach der Flut im Jahr 2002 und 2013. Doch Stück für Stück werden es weniger Leute, die sich bei den Johannitern engagieren. Zurzeit gehören zum Einsatzzug zwei des Landkreises Mittelsachsen etwa 30 Helfer.

Herr Wagner, worin sehen Sie die Ursachen für diesen Rückgang?

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Viele Leute denken, dass der Katastrophenschutz, zu dem die Johanniter gehören, mit einem großen Zeitaufwand verbunden ist, sie Arbeit und ehrenamtliches Engagement nicht unter einen Hut bekommen. Doch dem ist nicht so. Das zeigen unsere Leute, die im vorigen Jahr etwa 4000 Stunden aktiv waren. Einige arbeiten sogar im Schichtbetrieb und sind trotzdem Johanniter. Wir haben ein- bis zweimal im Monat Ausbildungsdienst. Schade ist, dass die jungen Leute, die für unser Ehrenamt Interesse zeigen, oft zur Ausbildung oder zum Studium in größere Städte umziehen und uns damit verloren gehen. Bestes Beispiel dafür ist der Schulsanitätsdienst an den Harthaer Schulen. Hier engagieren sich etwa 20 Schüler. Kaum einer wird künftig bei uns mitarbeiten, weil sie selten vor Ort bleiben. Deshalb sind solche Werbeaktionen, die vom Freistaat finanziert und von unseren Helfern wie von Kathleen Dathe mitgetragen werden, sehr wichtig.

Kathleen Dathe hat sich für die Ehrenamtsaktion des Freistaates als Model beworben. Was sagen Sie als ihr Zugführer dazu?

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Kathleen Dathe aus Hartha wirbt auf einem Plakat für das Ehrenamt. Das Fotoshooting war ganz schön aufregend.

Ich finde das ganz toll, dass Kathleen sich beworben hat. Sie ist genau die Richtige für diese Kampagne. Sie macht sich auch für unsere Gruppe stark, wenn zum Beispiel Spenden benötigt werden. Sie hat Überzeugungstalent und was sie anpackt, zieht sie auch durch. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir mit ihr zusammen und den neuen Werbemitteln unser Ehrenamt noch mehr an den Mann oder die Frau bringen werden.

Die Arbeit der Johanniter wird von der Öffentlichkeit meist nur bei Katastrophen wahrgenommen. Welche Aufgaben übernehmen sie im Alltag?

Das stimmt. Wir müssen mehr zeigen, dass wir gebraucht werden, auch wenn es keine Katastrophen gibt. Unsere Ressourcen und Fähigkeiten werden einfach zu wenig von anderen Helfern in Anspruch genommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie nicht wissen, was wir alles können. Oft werden wir im Einsatzfall vergessen, obwohl wir wichtige Dienstleistungen, wie die Verpflegung der Feuerwehrleute bei einem Einsatz, Brandwachen oder auch Behandlungs- und Betreuungsdienste erbringen könnten. Deshalb wollen wir künftig mehr informieren, uns bekannter machen. So stehen uns zehn moderne und gut ausgerüstete Krankenwagen, LKW und eine Feldküche sowie ein Kühlanhänger zur Verfügung. Oft sichern wir Veranstaltungen ab. So zum Beispiel kürzlich das Orgelkonzert in Polditz oder Spiele von RB Leipzig.

Was unternehmen Sie, um für den Nachwuchs zu werben und um die Johanniter und ihre Aufgaben bekannter zu machen?

Wir sind oft in Kindergärten, auch im Töpelwinkel haben wir uns bei den jungen Naturschutzhelfern vorgestellt. Bei den Mädchen und Jungen des Waldheimer Hortes waren wir auch schon öfter. Unser nächster Einsatz in Sachen Eigenwerbung ist am Sonnabend beim Berufsinformationstag in Hartha. Die Mädchen und Jungen der fünften Klasse besuchen dann immer die Feuerwehr und die der sechsten Klasse kommen zu uns Johannitern in die Oberschule. Wir würden gern noch mehr vor Ort aktiv sein. Es ist natürlich auch schön für die Helfer, bei den Fußballspielen des RB Leipzig oder Musikfestivals dabei zu sein.

Was könnte passieren, wenn es immer weniger Helfer gibt?

Zunächst einmal können wir auf jeden Fall unsere Aufgaben noch absichern. Wir wollen es aber erst gar nicht soweit kommen lassen, dass wir nicht einsatzbereit sind. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, Helfer zu werben und das nicht nur bei Kindern und Jugendlichen. Wir müssen Leute gewinnen, die im Leben stehen, die Lust auf ein Ehrenamt haben und helfen wollen, die hier vor Ort leben. Die Ausbildungsschwelle ist je nach Einsatz sehr niedrig. Denn bei uns sind auch Betreuer und Verpfleger gefragt, Die benötigen nur einen Hygienepass und bekommen eine Grundeinweisung in Sachen Technik. Es kommt auf die Interessen und Vorkenntnisse derjenigen an, die bei uns mitmachen wollen. Wer eher im medizinischen Bereich mitarbeiten will, kann eine Ausbildung vom Sanitätshelfer bis zum Rettungssanitäter absolvieren. Es wird auch eine Ausbildung zum Feldkoch angeboten. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Für dieses Jahr haben wir ein Helfer-Casting geplant und es soll ein Feldküchen-Fest geben. „So etwas Ähnliches hat es schon in Roßwein gegeben. Da waren wir als Jury dabei. Ich glaube, so etwas kommt bei den Leuten an und erhöht unseren Bekanntheitsgrad.

Die Johanniter, die zum Einsatzzug zwei des Landkreises Mittelsachsen gehören, haben in Leisnig ihr Domizil. Gibt es hinsichtlich der Räume Pläne?

Ja. Das Gebäude an der Colditzer Straße gehört jetzt den Johannitern und wir können mit die Umgestaltung vorantreiben. Hinzu kommt, dass die Aktion „Status 6“ zum Erfolg geführt hat. Das heißt, dass der Freistaat Sachsen mehr Geld für die Sanierung unserer Unterkünfte und für unsere Technik zur Verfügung stellt. Geplant ist, dass wir in diesem Jahr die Umkleideräume und einen Sanitärtrakt ausbauen und unsere Einfahrten für die Einsatzfahrzeuge verbessern. (DA/je)

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