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Hereinspaziert zur Langen Nacht der Kultur

19 Stationen luden am Sonnabend in Bautzen ein. Es gab Überraschendes zu entdecken – und einen Wermutstropfen.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Die Musiker aus Österreich brachten frischen Wind ins Bautzener Museum. Und dies im doppelten Sinne. Bevor sie zu spielen anfingen, baten sie darum, die Fenster zu öffnen, um Durchzug zu schaffen. Denn in den Räumen hockte noch die warme Luft der vergangenen Hitzeperiode. Als sie dann anfingen zu spielen, waren die Gäste im Vorraum der Gemäldegalerie einfach nur bezaubert. Klemens Bittmann und Georg Gratzer aus Wien beherrschen zahlreiche Instrumente, darunter auch viele exotische wie eine indische Flöte. Aber auch mit ihrer herzerfrischenden Art konnten sie die Sympathie der Bautzener, die als Besucher der „Langen Nacht der Kultur“ am Sonnabend ins Museum gekommen waren, für sich gewinnen.

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Erst einen Tag zuvor hatten die Musiker sich mit einer Bautzenerin zusammengetan, die nun mit Percussion-Instrumenten das Spiel der beiden jungen Männer bereicherte: Gerlind Alius, die den Bautzenern eigentlich als Türmerin der Neuen Wasserkunst bekannt ist. Nach ihrem Auftritt schlüpfte sie dann auch wieder in ihr Türmerinnengewand und empfing die Gäste in „ihrem“ Turm. Magdalena Schwarzenberg war bisher noch nie in der Neuen Wasserkunst gewesen. Sie war sehr beeindruckt von dem, was sie da vorfand. „Da gibt es ja viele antiquarische Bücher“, staunte sie. Und sie fand es sehr bemerkenswert, dass Gerlind Alius so viele Talente hat. Beeindruckt hatte sie auch der ungewöhnliche Ausblick von der Neuen Wasserkunst.

Angetan von der Vielzahl der Bautzener Türme, die man an diesem Tag besichtigen konnte, war auch Marlen Adam. Sie erkletterte den Schülerturm und den Nicolaiturm – beides Türme, die sonst nicht frei zugänglich sind. Es sei allerdings schade gewesen, dass nicht auch der Wasserturm wie angekündigt offen stand. Der sei aus Krankheitsgründen geschlossen, war auf einem Zettel zu lesen. Begeistert war die junge Frau auch von dem knapp einstündigen Programm des Sorbischen National-Ensembles. Dieses bot einen Querschnitt durch das Repertoire des Ensembles.

Moderatorin Kristina Nerad machte die Besucher im voll besetzten Saal auf all die Veranstaltungen aufmerksam, die das Ensemble in diesem Jahr noch bestreiten wird, angefangen vom Brasilianischen Sommerfest über die Schmochtitzer Nächte bis hin zum Silvesterprogramm. Zu sehen waren der Chor und das Orchester sowie Tanzdarbietungen vom Feinsten. Dabei gab es Folklore ebenso zu sehen wie modernen Tanz und einen pfiffigen Charleston. Ganz nebenbei wies Kristina Nerad auch noch auf die Feinheiten ihrer katholischen sorbischen Tracht hin. Für Familie Hornauer aus Neuburg an der Donau war dies alles völliges Neuland. „Aber wir sind sehr glücklich, dass wir ausgerechnet bei solch einem außergewöhnlichen Ereignis dabei sein durften“, sagte Norbert Hornauer. Der Zufall wollte es, dass die Bayern in Görlitz keinen Platz mehr in der Jugendherberge fanden. So kamen sie nach Bautzen. Die Darbietungen des SNE hätten ein unheimlich hohes Niveau gehabt, befand Norbert Hornauer. „Wir gehen mit einem Lächeln hier raus“, sagte er.

Grund zur Freude hatte auch Gabriele Bürger, die Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek, deren Einrichtung erstmals bei der „Langen Nacht der Kultur“ dabei war. Begleitet von der Conni-Wolf-Band lasen hier Anne Albinus und Kulturamtsmitarbeiter Andreas Hennig Liebesbriefe bekannter und unbekannter Autoren. Gabriele Bürger stellte fest, dass sie Gäste begrüßen konnte, die sonst nie in die Kinderbibliothek gehen, weil sie keine Kinder im entsprechenden Alter haben. Auch Rosemarie Härtel war das erste Mal seit dem Umbau hier. Die Lehrerin kannte das Haus bislang nur als früheres Interimsquartier ihrer Schule, dem Schiller-Gymnasium.

Insgesamt wurden 666 Eintrittsbändchen für die „Lange Nacht der Kultur“ verkauft. Die meisten Besucher mit rund 500 hatte die Stadtbibliothek.