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Herr Bauer und sein neuester Schatz

Die Stücke eine der ältesten, reichsten und am besten geführten schlesischen Heimatsammlungen sind künftig in Görlitz zu sehen.

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Das Schlesische Museum zu Görlitz ist um ein paar Kunstwerke von geschichtlicher Bedeutung reicher. Die der Stadt Dortmund gehörende Waldenburger Sammlung geht als Dauerleihgabe an die Neiße. Das teilten Vertreter des Schlesischen Museums, des Stadtarchivs und des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund und des Patenschaftsarbeitskreises Waldenburger Bergland mit.

Die Anfänge der Sammlung liegen in den 1950er Jahren. 1952 hatte die Stadt Dortmund die Patenschaft für den Stadt- und Landkreis Waldenburg in Schlesien übernommen. Im Zuge der Patenschaft fanden bis zum Jahre 2010 die „Waldenburger Treffen“ in Dortmund statt. Viele Waldenburger haben dem Patenschaftsarbeitskreis und der Stadt Dortmund Archivalien, Bücher und Gegenstände der Erinnerung geschenkt. Manches seltene Stück wurde angekauft.

Seit den 1980er Jahren ging in Dortmund das Interesse an Waldenburg zurück. Seit 1983 ist die Waldenburger Sammlung nicht mehr öffentlich zu sehen; in der letzten Zeit gab es kaum mehr Anfragen. 2011 löste sich der Patenschaftsarbeitskreis auf. Daher wandten sich Uwe-Jürgen Hesse, der letzte Vorsitzende des Patenschaftsarbeitskreises, und Professor Thomas Schilp vom Dortmunder Stadtarchiv an das Schlesische Museum, in der Überzeugung, dass die Sammlung in Görlitz besser gewürdigt und intensiver genutzt wird.

Bei der Waldenburger Sammlung handelt es sich um eine der ältesten, reichsten und am besten geführten schlesischen Heimatsammlungen. Es finden sich Porzellane aus Waldenburg und Altwasser, Vereinsfahnen, Bergmannsuniformen und Frauentrachten und rund hundert Blätter Druckgrafiken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit Ansichten aus dem Waldenburger Bergland. Besonders wertvoll ist eine Büchersammlung mit über zweihundert Titeln. Sie besteht aus entlegener regional- und ortsgeschichtlicher Literatur, die kaum oder gar nicht in deutschen Bibliotheken nachgewiesen ist: Orts- und Kirchchroniken des 19. Jahrhunderts, Heimatbücher, Schul- und Jubiläumsschriften von Firmen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Berichte von Flucht und Vertreibung

Rund 150 Erlebnisberichte von Bewohnern der Stadt Waldenburg und der umliegenden Dörfer, meist unmittelbar nach den Ereignissen niedergeschrieben, geben Zeugnis vom Kriegsende, von Flucht und Vertreibung und vom Leben der deutschen Minderheit in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren.

Eine einzigartige Quelle für die Verhältnisse im Waldenburger Bergland ist die Zentralkartei für den Stadt- und Landkreis Waldenburg: eine aus der Rückschau gewonnene Erhebung über die persönlichen Verhältnisse Vertriebener zum Stichtag 1. Januar 1945, bestehend aus 49 000 ausgefüllten Vordrucken.

(SZ)