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Herr der Kirchturmuhr

Seit vielen Jahren kümmert sich Gunter Leuschke aus Pirna um den Zeitmesser in Liebethal. Das ist nicht sein einziges Engagement im Dorf.

© Daniel Schäfer

Von Mareike Huisinga

Pirna. Gunter Leuschke legt den Kopf in den Nacken und schaut hoch zur großen Turmuhr an der Liebethaler Kirche. Eine ganz persönliche Beziehung verbindet ihn mit dem Gotteshaus. „Hier wurde ich getauft und konfirmiert“, sagt der 60-Jährige. Deshalb engagiert er sich auch: Seit 2 000 kümmert er sich ehrenamtlich um die Kirchturmuhr in der Mitte des Daches. Wartung und Pflege obliegen seinen geschickten Händen.

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Gunter Leuschke steht vor der Kirche in Liebethal. © Daniel Schäfer

Das ist kein Mal-Eben-Job! Mindestens dreimal im Monat schließt er die kleine Tür an der Ostseite auf und geht vorsichtig die schmale Treppe nach oben, um den Holzkasten zu öffnen, in dem das wuchtige grüne Uhrwerk eingehaust ist. Die alte Dame hat so ihre Macken. Mal geht sie vor, mal nach. „Das kommt immer auf das Wetter an“, erklärt der Liebethaler Uhrenversteher. Mit viel Feingefühl justiert Gunter Leuschke den Chronometer. Natürlich stellt Leuschke auch die Sommer- beziehungsweise Winterzeit ein.

Die Uhr mit Stundenschlag stammt aus dem Jahr 1902 und wurde von der Firma Fischer aus Meißen gebaut. 2002 erhielt sie dann eine Generalüberholung. Seitdem hat sie eine elektrische Aufziehvorrichtung. „Vorher musste das Uhrwerk täglich mit einer Kurbel von Hand aufgezogen werden“, sagt Leuschke und kramt zum Beweis die alte eiserne Kurbel auf dem Dachboden hervor.

Warum hat Gunter Leuschke dieses Ehrenamt übernommen? „Sonst hat sich keiner gefunden und man sollte schon ein wenig technischen Verstand haben“, sagt er. Das nötige Fachwissen habe er sich im Laufe der Jahre autodidaktisch angeeignet, das Interesse für das historische Instrument war von Anfang da.

Allerdings bringt sich Gunter Leuschke nicht nur in Sachen Zeit für sein Heimatdorf Liebethal ein. Außerdem engagiert er sich seit 1973 bei der Freiwilligen Feuerwehr im Dorf. „Es geht darum, anderen zu helfen, wenn sie in Not sind“, begründet Leuschke seine Teilnahme. Allerdings ist ihm auch die Kameradschaft unter den Mitgliedern wichtig. Gemeinsam mit dem Sportverein organisieren die Kameraden jährlich das Maibaumsetzen, das Heimatfest sowie einen kleinen Weihnachtsmarkt in der Adventszeit.

Die Verbundenheit zu Liebethal erstaunt weniger, schließlich wurde Gunter Leuschke hier in seinem Elternhaus geboren. Bis zur achten Klasse ging er in Liebethal zur Schule und wechselte danach auf die Polytechnische Oberschule Pestalozzi in Copitz. Nach seinem Mittelschulabschluss absolvierte er eine Lehre als Heizungsmonteur. Seit 1980 arbeitet er als Schlosser in der Stahlgießerei in Copitz, die 1992 von dem Unternehmer Dieter Schmees übernommen wurde.

Nicht vergessen wird er die große Faschingsfeier im Walter-Hultsch-Heim in Jessen im Jahr 1977. Die Stimmung? Großartig! Aber darauf achtete Gunter Leuschke nicht so richtig. Vielmehr fiel ihm eine hübsche junge Frau auf. „Seine“ Monika heiratete er drei Jahre später. Das Paar hat zwei Söhne, der jüngere verunglückte 2013 bei einem tragischen Motorradunfall. Gunter Leuschke wischt sich bei dieser Erinnerung die Tränen vom Gesicht. Einen Moment kann er nicht weitersprechen. „Aber unsere beiden Enkel bereiten uns großes Glück“, sagt er dann tapfer.

Für Monika und Gunter Leuschke ist klar: Sie bleiben in Liebethal. „Die Dorfgemeinschaft stimmt, man kennt sich und hilft untereinander“, betont Gunter Leuschke. Trotz ihrer schönen Heimat zieht es beide allerdings auch oft in die Ferne. „Am liebsten sind wir in den Bergen“, berichtet der Liebethaler. Große Hotels sind nicht so ihr Ding, lieber kommen die Leuschkes in kleineren Pensionen oder in einer Ferienwohnung unter. Als Gastgeschenk haben sie immer ein Buch über die Sächsische Schweiz oder die Sehenswürdigkeiten von Pirna im Gepäck. „Wir machen die Erfahrung, dass unsere Gastgeber gerne in diesen Büchern lesen und sich die Bilder anschauen“, sagt Leuschke.

Und wer weiß, vielleicht ist dieses Geschenk ja auch eine gute Inspiration, sodass die fremden Gastgeber Sachsen mal einen Gegenbesuch abstatten.

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