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Politik

"Herr Maduro, öffnen Sie die Brücke"

Venezuelas Machthaber weigert sich, Hilfslieferungen ins Land zu lassen. Mit einem emotionalen Appell setzt sich US-Außenminister Mike Pompeo für eine Ende der Blockade ein.

US-Außenminister Mike Pompeo während seines Besuchs in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta. © imago images / Agencia EFE

Cúcuta. Zum Abschluss seiner Lateinamerika-Reise hat US-Außenminister Mike Pompeo einen emotionalen Appell an den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gerichtet. "Herr Maduro, öffnen Sie diese Brücke, öffnen Sie diese Grenze", sagte er am Sonntag in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta, wo viele Tonnen Hilfsgüter für die notleidende venezolanische Bevölkerung lagern. "Sie können das heute beenden." Bislang weigert sich Maduro, die Lieferungen ins Land zu lassen.

Zuvor hatte Pompeo mit venezolanischen Flüchtlingen gesprochen, die wegen der dramatischen Versorgungslage ihre Heimat verlassen musste. Derzeit leben bereits 3,4 Millionen Venezolaner im Ausland - das sind rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung des südamerikanischen Landes. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass die Zahl der Flüchtlinge bis Ende des Jahres auf 5,3 Millionen ansteigen wird.

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Zahlreicher Exil-Venezolaner jubelten dem US-Chefdiplomaten und dem kolumbianischen Präsidenten Iván Duque an der Grenze zu. Sie skandierten "Freiheit, Freiheit" und forderten mit Sprechchören ein militärisches Eingreifen in dem Krisenland: "Wer sind wir? Venezuela!", riefen sie. "Was wollen wir? Intervention!"

Der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó erteilte dieser Forderung jedoch eine Absage. "Wir haben die militärische Option niemals auf den Tisch gelegt. Wir haben immer nur von internationaler Kooperation gesprochen", sagte er in einem Interview der argentinischen Zeitung "Clarín". Tatsächlich hat der Oppositionsführer bereits mehrfach vom Artikel 187 der Verfassung gesprochen, nach dem das Parlament einen Einsatz ausländischer Soldaten genehmigen kann.

Nach Gesprächen mit Flüchtlingen erzählte Pompeo von der venezolanischen Mutter Geraldine, die immer wieder die Grenze überqueren muss, um in Kolumbien das Nötigste für ihre Kinder zu beschaffen. "Sie kommt, um Windeln zu kaufen", sagte der Chefdiplomat. "Die gibt es in jedem normalen Land unter normalen Umständen, aber in Venezuela findet sie keine mehr."

Das einst reiche Land leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Wegen fehlender Devisen kann Venezuela kaum noch Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Das Gesundheitswesen ist weitgehend zusammengebrochen. Zuletzt fiel immer wieder tagelang der Strom aus. Zudem liefern sich Staatschef Maduro und Guaidó seit Januar einen erbitterten Machtkampf.

Zwar wird Guaidó von vielen Ländern als rechtmäßiger Übergangspräsident anerkannt, allerdings gelingt es ihm in Venezuela selbst bislang nicht, Maduro in die Ecke zu drängen. Angesichts des Patts wollte Pompeo mit seiner Lateinamerika-Reise zumindest die internationale Allianz stärken. In Chile, Paraguay und Peru schwor er die Präsidenten auf die gemeinsame regionale Front gegen Maduro ein.

"Kolumbien und die Vereinigten Staaten wollen eine bessere Zukunft für die Venezolaner", sagte US-Außenminister Pompeo nach einem Besuch der Warenhäuser mit den Hilfsgütern für Venezuela in Cúcuta. Kolumbiens Präsident Duque wandte sich in seiner Rede direkt an die Nachbarn: "Wir stehen an eurer Seite, um die Diktatur zu Fall zu bringen."

Auf der anderen Seite der Grenze hielt die venezolanische Regierung dagegen: Der ranghohe Funktionär Freddy Bernal zeigte sich mit Soldaten und Mitgliedern der Colectivos - regierungsnaher Schlägertrupps - an der Internationalen Brücke Simón Bolívar. "Ein paar Meter dort drüben ist Mike Pompeo", sagte Bernal. "Er ist gekommen, um uns einzuschüchtern und um seinem Diener Iván Duque Befehle zu erteilen. Aber wir stehen hier, in zivil-militärischer Einheit, mit den Colectivos." (dpa)