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Herr Trentzsch läuft

Mit Essen und Waschen sind Menschen nicht versorgt. Man braucht auch etwas für die Seele.

© Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Schönfeld. Bis Welxande muss er schon gehen. Mindestens. Manfred Trentzsch läuft für sein Leben gern. Langsam zwar und am Rollator, aber er ist eisern. Und selbst bei der brütenden Hitze will er immerhin ein Stück durch Thiendorf gehen. Er schaut auf seine Armbanduhr. „Na, jetzt kommt sie gleich“, sagt er freudig. Auf „seine Jenny“ lässt er nichts kommen. Die 52-Jährige ist die Frau, die ihm das regelmäßige Laufpensum ermöglicht.

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Ines Vetter hat die Firma gegründet.
Ines Vetter hat die Firma gegründet. © Anne Hübschmann

Frau Trentzsch kann selbst nicht mehr so gut weg, wie man so schön sagt. Ihren Mann zu stützen, wäre unmöglich. Das Ehepaar hat auf dem Hof des Bauhofs Trentzsch im Parterre eine Wohnung, sie erledigen ihren Haushalt, aber für Spaziergänge braucht der 77-Jährige Hilfe. Die leistet Jenny Krohe vom Hauswirtschafts-Betreuungsservice „Sauber-Zauber“ aus Schönfeld. Eine Firma für das Alltägliche im Leben: Putzen, Schwatzen, Spazieren gehen, zum Arzt fahren oder Einkaufen. Kein Pflegedienst mit Zeitvorgaben für Waschen, Spritzen oder anziehen, sondern eine Alltagshilfe, die über den zusätzlichen Entlastungsbetrag von 125 Euro im Pflegesatz finanziert wird.

Vorausgesetzt natürlich, der oder die Betreffende hat eine Pflegestufe erhalten. Sicher ist das Angebot aber auch für manchen eine private Alternative. „Bei Trentzschs ist eine behütete Situation“, sagt Firmenchefin Ines Vetter, „Die Kinder sind da, die Familie versteht sich – trotzdem haben die Jüngeren auch ihre Arbeit, ihre Kinder, ihre Aufgaben.“ Die Hilfe allein zu stemmen, damit kann man sich dann schnell übernehmen. Zumal Ines Vetter auch die Erfahrung gemacht hat, dass es die eigenen Kinder oft schwerer haben, weil die Eltern eher Hilfe von außen annehmen, als immer die Kinder bitten zu müssen.

Mit Jenny Krohe hat sich Manfred Trentzsch ein Stück Unabhängigkeit bewahrt und die Familie weiß, er ist in dieser Stunde gut aufgehoben. Denn die beiden laufen schließlich nicht nur. Es wird geschwatzt, was sich im Ort ereignet hat oder im Nachbarort, was man gehört oder gelesen hat. Das ist für Ältere mindestens genauso wichtig wie die Bewegung. Und wer Jenny Krohe dabei übers ganze Gesicht strahlen sieht, ahnt, ihr sind die alten Leutchen ebenso eine Begleitung im Alltag. Das ist eine Geschenk.

Für Ines Vetter ist Jenny Krohe daher auch ein „Goldstück“ und ihre Mädels – die meisten Quereinsteiger – einfach klasse. Im August wird sie ein „Mädel“ aus Schönfeld einstellen. So ist die Idee überhaupt erst entstanden. Hauptsächlich arbeitet Ines Vetter nämlich im Pflegedienst ihres Lebensgefährten Ulrich Becker in Schönfeld. Doch plötzlich bewarben sich immer mehr Frauen auch für Haushaltsservice. Ines Vetter, die ohnehin viel zu quirlig ist, um nicht noch etwas auf die Beine zu stellen, nahm die Idee auf, als Ulrich Becker meinte, das wäre doch etwas. So ist eine zweite Firma entstanden, mit eigenem Personal.

Gezahlt wird derzeit der Pflegemindestlohn. Ab und an gibt´s einen Weiberabend oder ein gemeinsames Frühstück. „Man muss es sich schön machen“, sagt Ines Vetter, um gleich ernst nachzusetzen, dass sie den Frauen dankbar ist, dass die sich Anfang des Jahres auf eine Firmengründung eingelassen haben. Seinen Sitz hat der Hauswirtschaftsdienst im Gemeindeamt, An der Straße der MTS, der Bürgermeister hat gern mitgeholfen, etwas zu finden. Nur die Telekom spielt noch nicht mit. Am 1. August soll nun endlich ein Telefonanschluss kommen.

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