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Herrnhuts feste Bank

Für die Sanierung des Kirchensaales setzt die Brüdergemeine auch auf Spender. Manche von ihnen werden beschenkt.

© Rafael Sampedro

Von Anja Beutler

Auf die lange Bank schieben will Angelika Doliv die Sanierung des Herrnhuter Kirchensaals auf keinen Fall. Kann sie auch gar nicht, denn das Ziel definiert die Vereins-Vorsitzende der Freunde und Förderer des Herrnhuter Kirchensaals ganz klar: „Zur 300-Jahr-Feier im Jahr 2022 soll der Kirchensaal fertig sein.“ Ein sportlicher Zeitplan, denn zu tun gibt es eine ganze Menge. Und gebraucht werden dafür nach derzeitigen Berechnungen rund 2,4 Millionen Euro. Um dieses Geld zusammenzubekommen, sollen auch die kleinen weißen Holzbänke helfen, die Angelika Doliv und Dürninger-Geschäftsführer Albrecht Kittler vor sich stehen haben. Denn die zierlichen Möbel sind maßstabsgetreue Kopien der echten weißen Bänke, die im Herrnhuter Kirchensaal stehen.

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So sah der Kirchensaal vor 1945 aus. Frontal zu sehen ist die Lamperie (unten) und die Schwesternempore (oben), die es wieder geben soll.
So sah der Kirchensaal vor 1945 aus. Frontal zu sehen ist die Lamperie (unten) und die Schwesternempore (oben), die es wieder geben soll. © Evangelische Brüdergemeine

Gefertigt werden sie in den Holzwerkstätten von Dürninger und vergeben werden sie nur an besonders großzügige Spender: „Wer 5 000 Euro für die Sanierung spendet, erhält von uns als Geschenk eine solche Bank“, erklärt Frau Doliv. Sie sind alle in Handarbeit gefertigt und Unikate mit bedeutungsvollen Seriennummern: 1722 bis 2022 lauten diese in Anspielung auf Gründungs- und Jubiläumsjahr der Stadt. Die erste dieser Bänke haben übrigens der damals noch amtierende Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt erhalten, als sie im April 2016 Herrnhut besuchten. Mittlerweile sind zwei weitere Bänke vergeben worden, bestätigt Frau Doliv. „Wir wollten all denen, die so großzügig sind, etwas Authentisches schenken“, sagt sie. Die Bänke – von denen die Dürninger Stiftung die Herstellung der ersten 20 Exemplare der insgesamt 300 Miniaturbänke als Spende finanziert – kommen bislang jedenfalls gut an. Doch wofür genau soll das gesammelte Geld verwendet werden? Eine Übersicht:

Orgel: Das Instrument wird nicht nur restauriert, sondern auch historischer

Eigentlich erklang im Herrnhuter Kirchensaal einst eine Orgel des Berthelsdorfer Orgelbauers Tannenberg. Sie hatte für heutige Ohren einen sehr eigentümlichen Klang, denn die Herrnhuter sahen in ihr eher eine Begleitung zum Gemeindegesang als ein Soloinstrument. Da der Kirchensaal zu Kriegsende komplett abgebrannt ist, wurde beim Wiederaufbau in den Jahren 1951 bis 1957 eine Zittauer Schuster-Orgel eingebaut, die mittlerweile aber auch mehr als marode ist und kaum noch bespielt werden kann. Sie soll nun saniert und erweitert werden, damit sie beide Klangwelten – die historische und die bislang gewohnte – voll ausspielen kann. Allein das kostet 630 000 Euro. Im nächsten Jahr könnte die Arbeiten beginnen.

Innenraum: Schwesternempore und Lamperie werden wieder entstehen

Früher gab es links von den Gottesdienstbesuchern zwei Einbauten, die heute fehlen: die sogenannte Schwesterempore im ersten Stock und die Lamperie, die den Raum vor den Fenstern abteilte. Sie waren in den 50ern nicht wieder errichtet worden und sollen nun – als historische Reminiszenz gegenüber der Orgel – wieder neu entstehen. „Wir wollen sie beispielsweise als Raum für kleine Ausstellungen nutzen und auch Technik unterbringen“, erklärt Angelika Doliv. Aber auch generell gibt es im Inneren vielerlei zu reparieren: Vom Fußboden über die Heizungs- bis zur Elektroanlage ist vielerlei marode. Nicht zuletzt, weil beim Wiederaufbau vor 60 Jahren die Materialien oft nicht die beste Qualität hatten.

Seitenflügel: Neue Konzepte mit Multivisionsraum und neuem Zugang

Die Seitenflügel des Kirchensaales auf den Garten zu sollen nach den derzeitigen Plänen auf die Bedürfnisse der Gemeinde und auch der beiden Schulen in der Stadt angepasst werden, die den Kirchensaal immer wieder nutzen. „Wir denken da an Seminar- und Multivisionsraum, natürlich an die sanitären Einrichtungen“, skizziert die Fördervereinsvorsitzende. Gut wäre dabei auch, die Fenster an den Seitenflügeln künftig bis zum Boden zu ziehen, damit man die Räume nicht immer über den Kirchensaal betreten und verlassen muss. Für Innensaal und Seitenflügel sind etwa 800 000 Euro veranschlagt, 440 000 Euro für Heizung- und Elektroanlage.

Werbung: Mit Promi-Faktor und neuem Prospekt auf Spender-Suche

Ex-Bundespräsident Gauck, Lutherdekaden-Botschafterin Margot Käßmann, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und viele Herrnhuter werben mit Statements und ihrem Gesicht in der neuen Broschüre für die Unterstützung des Vorhabens. „Wir verteilen sie jetzt über viele Kanäle“, sagt Frau Doliv. Auch die kleineren und weniger umfangreichen Flyer mit den Plänen sind schon überall unterwegs – selbst nach Amerika.

www.kirchensaal-herrnhut.de