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Heute erwischt, morgen verurteilt

Bei Ladendiebstahl, Schwarzfahren und Sachbeschädigung könnte es zukünftig ganz schnell zum Prozess kommen.

© Jan Woitas / dpa

Dresden. Fast 40 Prozent aller 323 136 Straftaten, die im vergangenen Jahr im Freistaat Sachsen registriert wurden, sind Diebstähle. Der größte Anteil davon – 21 469 Taten beziehungsweise 6,6 Prozent – sind Ladendiebstähle. Meist werden die Täter unmittelbar nach der Tat vom Ladendetektiv oder Verkäufern erwischt und dann der Polizei gemeldet.

Solche Fälle eignen sich in besondere Weite für ein sogenanntes beschleunigtes Verfahren. Der Prozess gegen den auf frischer Tat gestellten Täter könnte schon am nächsten Tag oder innerhalb weniger Tage ganz regulär vor dem Strafrichter eines Amtsgerichts stattfinden. Vorausgesetzt, der Vorwurf ist einfach und überschaubar, es sind keine weiteren Ermittlungen der Polizei notwendig und die Staatsanwaltschaft kann die Sache innerhalb kürzester Zeit anklagen. Die Straferwartung ist in der Regel niedrig, jedenfalls wenn gegen den Dieb nicht noch weitere Vorwürfe erhoben werden. Der Vorteil: Die Strafe folgt auf dem Fuße und kann so eine maximal mögliche präventive Wirkung entfalten. Und darüber hinaus verstopfen diese Taten nicht auch noch die Schreibtische in Polizeirevieren, bei Staatsanwälten und Richtern.

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Allein in Dresden wurden der Polizei im vergangenen Jahr 5 205 Ladendiebstähle und 3 062 Tatverdächtige gemeldet, sagt Polizeisprecher Marko Laske, fast genauso viele wie im Jahr zuvor. Die Taten reichen vom Wurstdiebstahl im Supermarkt bis hin zum geplanten Klamottenklau in eigens mit Alufolie abgeklebten Taschen, um die Sicherheitsschranken an den Ausgängen der großen Modehäuser zu überlisten. Auch drogensüchtige Täter stehlen im großen Stil Kaffee, Kosmetik und Alkoholika aus Läden, um sie dann weiterzuverkaufen oder gleich gegen Crystal und andere Betäubungsmittel einzutauschen.

Neben Ladendiebstählen sind vor allem auch Schwarzfahrer potenzielle Kandidaten für beschleunigte Strafverfahren. 12 492 Fälle von „Leistungserschleichung“ wurden im Jahr 2017 in Sachsen angezeigt – damit steht dieser Tatbestand auf Platz sechs in Sachsens Kriminalitätsstatistik. In der Regel handelt es sich um Fahrgäste in Straßenbahnen, Bussen, S-Bahnen und Zügen, die keinen Fahrpreis gezahlt hatten. Allein in Dresden wurden 4 249 Anzeigen erstattet (2016 waren es sogar 5 331 Fälle). So gut wie alle waren aufgeklärte Taten und sind ein Pfeiler der guten Aufklärungsquote von 59,2 Prozent im Freistaat. Nach SZ-Informationen gibt es allein in der Dresdner Staatsanwaltschaft mehrere Staatsanwälte, die praktisch nichts anders machen, als Verfahren wegen Leistungserschleichungen zu bearbeiten. Sie sorgen für hohe Zahlen in der internen Leistungsbilanz.

Doch nicht jeder Schwarzfahrer wird automatisch bestraft. Die Verkehrsbetriebe zeigen erst Kunden an, die mehrfach ohne Fahrschein erwischt wurden. Die Staatsanwaltschaft stellt oft einige Fälle ein, Strafen können Auflagen und Weisungen über das Jugendstrafrecht sein, oder die Staatsanwaltschaft beantragt einen Strafbefehl gegen den Delinquenten. Nur hartgesottene Schwarzfahrer und anderweitig Kriminelle finden sich vor Gericht wieder. Die Aussicht jedoch, schon am nächsten Tag vor einem Richter zu stehen, könnte dazu beitragen, dass Menschen nicht mehr so leichtfertig keinen Fahrschein lösen. Das jedenfalls ist die Hoffnung der Strafverfolgungsbehörden.

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Der dritte Komplex von Massendelikten, die sich für beschleunigte Verfahren eignen, sind Sachbeschädigungen. Grafitti-Schmiereieien, eingeschlagene Scheiben, abgetretene Autospiegel. Zwar ist die Anzahl der erwischten Täter deutlich niedriger, doch wenn es gelingt, einen zu fassen, könnte auch der sich schnell vor Gericht wiederfinden. 11 489 Sachbeschädigungen (3,6 Prozent) auf Straßen und Plätzen sowie 8 408 beschädigte Autos (2,6 Prozent) wurden 2017 registriert. In Dresden kam es zu kanpp 5 000 Sachbeschädigungen, davon 30 Prozent an Fahrzeugen. Die Aufklärungsquote beträgt 21 Prozent. (SZ/lex/lot)