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Heute Mini – morgen Maxi

Tausende Dresdner nutzen Car-Sharing. Vor allem die Autos der Neustadt-Standorte sind gefragt - nicht nur bei Privatpersonen.

© Sven Ellger

Von Kay Haufe

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Die Umweltbürgermeisterin macht es, Studenten und Familien tun es – sie haben kein eigenes Auto, sondern teilen es sich mit anderen. Für Wochenendeinkäufe, Ferienfahrten oder Dienstreisen. Rund 8 000 Dresdner sind Kunden beim größten Car-Sharing Anbieter Teilauto. Seit 2006 hat der sein Netz auf inzwischen 140 Standorte im gesamten Stadtgebiet ausgebaut. Und seit Dienstag gibt es einen weiteren an prominenter Stelle: auf dem neuen Parkplatz des Kulturkraftwerkes auf der Löbtauer Straße 21. „Warum eröffnen wir hier?“, fragte Teilauto-Geschäftsführer Patrick Schöne. Weil ihn Mieter des Kraftwerkes darum gebeten hätten, die kurze Wege brauchen. Perspektivisch kämen sicher auch Besucher von Staatsoperette und dem Theater der Jungen Generation dazu.

Er hätte ja lieber eine Tiefgarage unter dem Kulturkraftwerk gehabt, gibt Drewag-Geschäftsführer Reinhard Richter zu. Doch der neue Parkplatz mit 310 Stellplätzen sei nicht nur wesentlich billiger gewesen, sondern biete auch den Platz für solche umweltfreundlichen Leihstandorte.

„Jedes Auto benötigt mehr als zehn Quadratmeter Stellfläche. Wer sich gegen ein privates entscheidet und stattdessen Car-Sharing nutzt, trägt auch dazu bei, dass Dresden nicht weiter versiegelt wird“, sagte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) zur Eröffnung. Ein Teilauto erspare zehn Privatfahrzeuge. Unter anderem ihr eigenes. Sie weiß jedoch, dass es nicht einfach ist, neue geeignete Flächen für Car-Sharing-Stationen zu finden. Vor allem in der Neustadt, aber auch in Blasewitz und Striesen, wo die Autos des Unternehmens am häufigsten gebucht werden, sind kaum noch bezahlbare Grundstücke verfügbar. „Über Stellplatzablösegebühren wollen wir den Bau weiterer Stationen forcieren“, sagt Jähnigen. Perspektivisch seien mehr E-Autos und Ladestationen geplant. Die Stadtverwaltung sei bereits guter Kunde bei Teilauto. So nutzt das Stadtplanungsamt regelmäßig die Fahrzeuge im World Trade Center. Auch die Drewag teilt sich Autos.

Vor allem die kleinen Stadtflitzer sind bei Teilauto besonders gefragt. Die können wie alle anderen der insgesamt 250 Dresdner Fahrzeuge stunden-, tage- oder wochenweise gemietet werden. Neben familientauglichen Kombis, die gern für Urlaubsfahrten gebucht werden, sind auch Lieferwagen oder Neunsitzer-Busse im Bestand. Auch zwei E-Golfs sind darunter. „Dieses Segment bauen wir weiter aus. Insgesamt schaffen wir nur spritsparende Fahrzeuge an“, sagt Constanze Krampe, die Leiterin des Dresdner Teilauto-Stadtbüros. Sie hat zwei Drittel Privatkunden, die vorwiegend nach Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub ein Auto leihen. Deshalb sei es wichtig, noch mehr Geschäftskunden für die Wochentage zu finden. Das jetzige Drittel sei aber ein Zeichen, dass immer mehr Unternehmen ihre Firmenflotten durch Car-Sharing flexibler machten. Vor fünf Jahren lag ihr Anteil nur bei einem Fünftel.

Insgesamt wird das Autoteilen immer beliebter. Gab es 2011 nur 3100 Kunden und 95 Fahrzeuge an 57 Stationen, haben sich die Werte bis heute fast verdreifacht. Attraktiv wirken sich auch die Kooperationen von Teilauto für die Kunden aus. Wer eine Jahres- oder Abomonatskarte sowie ein Jobticket der Verkehrsbetriebe hat, bekommt Sonderkonditionen für die Autoausleihe. 20 Prozent Rabatt gibt es auch für die Mieter der Wohnungsgenossenschaften Aufbau und Johannstadt.

„Für mich ist Teilauto deshalb so gut, weil ich einen Bus für meine Band mieten kann, ein Cabrio für den Sommerausflug nach Moritzburg und einen Kleinwagen für die Stadtfahrt“, sagt Stefan Schönfelder, der Landesgeschäftsführer der Heinrich Böll Stiftung.

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