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Landtagswahl 2019

Wahl-O-Mat: Welche Partei passt zu Ihnen?

Ab sofort ist die Online-Entscheidungshilfe zur Landtagswahl in Sachsen online. Erfahren Sie, was hinter dem Projekt steckt und machen Sie den Test:

Der Wahl-O-mat soll eine Entscheidungshilfe zur Landtagswahl in Sachsen sein.
Der Wahl-O-mat soll eine Entscheidungshilfe zur Landtagswahl in Sachsen sein. © Peter Kneffel/dpa

Er ist das wohl meistgenutzte Instrument zur Wahlentscheidung im Internet, zumindest in Deutschland: der Wahl-O-Mat. Bis Ende 2018 verzeichnete die von der Bundeszentrale für politische Bildung 2002 entwickelte Anwendung über 71 Millionen Nutzer. Das Ziel: im Durcheinander der Wahlprogramme, großherzigen Versprechen und politischen Stammtischparolen Klarheit zu finden, auch für die bewusste Entscheidung, sein Kreuz an einer ganz bestimmten Stelle zu setzen.

Trotz seines Erfolges ist die Kritik groß. Der Wahl-O-Mat benachteilige kleine Parteien, und der Fragebogen helfe letztlich Populisten, anstatt Aufklärung zu betreiben. Am 5. August um 11.15 Uhr geht der Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Sachsen online. Im Interview spricht die zuständige Online-Chefin der Landeszentrale für Politische Bildung, Annette Rehfeld-Staudt, über Neuerungen und Spannungsfelder.

Für diejenigen, die den Wahl-O-Maten noch nicht kennen, eine kurze Zusammenfassung bitte.

Der Wahl-O-Mat hilft, sich als Wähler in der politischen Landschaft zu orientieren. Man beantwortet 38 Fragen und bekommt am Ende ein Ergebnis ausgespuckt, das einem die eigenen politischen Präferenzen zeigt und mit dem man nach verschiedenen Kriterien herausfinden und vergleichen kann, mit welchen Zielen die einzelnen Parteien im Wahlkampf angetreten sind.

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Weiß ich als Unentschlossener wirklich, was ich wählen muss, wenn ich mit dem Wahl-O-Maten fertig bin?

Das ist eigentlich nicht das Ziel des Wahl-O-Maten. Sie sollen einen Überblick über Parteipositionen bekommen, sich mit den Programmen beschäftigen, mit den Aussagen zu den Inhalten. Es ist ein Bildungs- und kein Wahlempfehlungs-Tool und soll auch nicht so verstanden werden.

Kann der Wahl-O-Mat denn Politikuninteressierte für politische Themen begeistern und zum Wählen motivieren?

Wir hoffen, durch die Formulierung Thesen zu schaffen, die möglichst viele Menschen betreffen. Unser Ziel ist es, dass die ausgewählten Themen aktuell und nah an den Bürgern dran sind und es gleichzeitig interessant ist, wie die Parteien letztlich zu den Punkten stehen.

Annette Rehfeld-Staudt leitet das Referat Politische Bildung Online der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Dresden. 
Annette Rehfeld-Staudt leitet das Referat Politische Bildung Online der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Dresden. 

Nach welchen Kriterien werden die Themenfelder und die zugehörigen Thesen ausgewählt?

Wir haben Politik in fünf Themenfelder eingeteilt: Innere Sicherheit, Justiz, Umwelt, Bildung und Wirtschaft. Die müssen möglichst gleichmäßig bespielt werden. Zu Beginn sind 80 Thesen von 20 Jugendlichen im Alter von 18 bis 28 Jahren in Zusammenarbeit mit der Bundes- und Landeszentrale in einem Workshop erarbeitet worden, die sich vorher online bei uns beworben haben. Dabei helfen Experten der Universität Düsseldorf, die viel Statistik und Forschung rund um den Wahl-O-Maten betreiben. Wir wählen die Teilnehmer so aus, dass alle Altersgruppen, Berufe – also Schüler, Studenten und Arbeiter –, Regionen und beide Geschlechter ausgewogen enthalten sind. Dann gehen die Fragen an die Parteien.

Wie stellen Sie sicher, dass die Thesen möglichst politisch neutral und unvoreingenommen formuliert werden?

Die Thesen dürfen keine Antworten suggerieren, sind aber immer politisch, weil sie aus den Wahlprogrammen kommen. Viel wichtiger: Für den Wahl-O-Maten sind nur kontroverse Thesen nützlich, die Unterscheidungen zwischen Parteien aufzeigen und polarisieren. In den 80 Thesen sind auch viele dabei, bei denen man nach den Antworten der Parteien feststellt: Alle sind dafür, das nützt uns gar nichts. Deshalb wird das Ganze auf 38 Thesen reduziert. Viele fallen raus, manche kommen deshalb rein, weil sich nahestehende Parteien ausnahmsweise uneinig sind.

Die Parteien versprechen viel, wie man auf den zahlreichen Wahlplakaten sehen kann.
Die Parteien versprechen viel, wie man auf den zahlreichen Wahlplakaten sehen kann.

Oft wird kritisiert, dass besonders extremistische Parteien vom Wahl-O-Maten profitieren würden. Verhilft man Populisten durch Zuspitzung nicht zu mehr Popularität?

Natürlich vereinfacht der Wahl-O-Mat sehr stark. Ich hoffe, das ist auch möglichst vielen bewusst. Kontroverse Thesen sind aber wichtig, um Parteien zu unterscheiden. Klar kann es sein, dass immer mal jemand sagt: Ah okay, dann wähle ich danach. Auf der anderen Seite hat man auch immer die Möglichkeit zu gucken: Wie begründen Parteien ihre Positionen? Das kann auch abschreckend sein, wenn eine Partei, von der ich es gar nicht erwartet hätte, ziemlich radikale Forderungen stellt.

Zur Europawahl stoppte ein Gericht den Wahl-O-Maten, weil es kleine Parteien benachteiligt sah. Dann wurde mehr Auswahl versprochen. Wie wird der „neue“ Sachsen-Wahl-O-Mat?

Wer will, kann jetzt alle Parteien, diesmal über 20, auswählen und miteinander vergleichen – oder wie früher filtern. Außerdem können die Begründungen besser gegenüber gestellt, die Ergebnisse durch Gewichtung leichter verändert werden. Ob das dem, der eine schnelle Entscheidung braucht, gefällt, muss man abwarten. Zu den einzelnen Thesen herrscht noch Schweigepflicht, thematisch spielen Braunkohle und der Wolf sicher eine Rolle.

Hier geht es zum Sachsen-Wahl-o-mat

Die praktische Wahlhilfe für die Landtagswahl 2019 steht ab Montag, dem 5. August um 11.15 Uhr zur Verfügung. Sie finden ihn unter diesem Link:

WAHL-O-MAT 2019