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Hier ist die neue B178 geplant

Die Bauern sollen dafür Ackerland opfern, aber keine Austauschflächen bekommen. Andererseits wird für 850000 Euro eine Brücke für Fledermäuse gebaut.

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© Matthias Weber

Von Holger Gutte und Thomas Mielke

Oberseifersdorf. Noch liegen die Pläne für den geplanten vorletzten Abschnitt 3.3 der Bundesstraße 178neu nicht aus, da gibt es schon jetzt reichlich Diskussionsbedarf. Die vorgesehene Trassenführung schneidet mehrfach die von der Miku Agrarprodukte GmbH bewirtschafteten Felder zwischen der Staatsstraße 128 bei Niederoderwitz und der B178alt bei Oberseifersdorf mit der Anbindung an die Nordumfahrung von Zittau. Weil das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) bei den Planungen überhaupt nicht auf die seit zwei Jahren vom Agrarbetrieb gemachten Vorschläge eingeht, hat das Unternehmen bereits angekündigt in Widerspruch zu gehen.

So berichtete die Sächsische Zeitung am 2. September.
So berichtete die Sächsische Zeitung am 2. September. © SZ-Bildstelle

Wieder einmal droht eine Bauverzögerung des Objektes und vielleicht sogar eine Klage des Agrarbetriebes. Als einer der größten Vorkämpfer für den Neubau der B 178 möchte nun Michael Hiltscher keinen Streit und will lieber stattdessen mit den Bauern einen Kompromiss finden. Und er versteht sogar den Ärger der Miku wegen des nicht stattfindenden Landtausches. Denn während die Miku nach ihren Angaben, besten Ackerboden dem Straßenbau opfern muss, gibt es für sie im Gegenzug keine Austauschfläche. Paradoxerweise handelt es sich hierbei zwar um ein Bundesbauprojekt, dennoch ist die BvvG als eine Gesellschaft des Bundes nicht bereit, den Bauern im Gegenzug Land zu geben. Vielmehr wirbt die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH auf ihrer Internetseite dafür, provisionsfrei in den ostdeutschen Ländern ehemals volkseigene land- und forstwirtschaftliche Flächen und andere Vermögenswerte zu verkaufen. Von Landtausch ist dabei allerdings nicht die Rede.

Miku-Vorstandsmitglied Ehrenfried Zücker ärgert auch, dass es in Deutschland „riesige“ Auf- und Abfahrten bei der neuen B178 geben soll. Er verweist auf die wenige Kilometer entfernten weiterführenden Straßen in Polen und Tschechien. Dort sind Kreisverkehre gebaut worden. Warum geht das nicht auch in Deutschland, fragt er. Vor allem, weil es in Deutschland genaue Vorschriften gibt, welche Abfahrten autobahnähnliche Straßen haben müssen, lautet die Antwort. Laut Landesamt für Straßenbau und Verkehr sind Kreisverkehre dafür nicht vorgesehen. „Diese deutschen Normative kann das Lasuv nicht aufweichen“, betont Michael Hiltscher, Sprecher der Interessengruppe B178neu und langjähriger Begleiter der Planungen.

Die zwei Kreisel bei Hradek (Grottau) und Bily Kostel (Weißkirchen) an der Weiterführung der Straße in Tschechien könnten langfristig auch umgangen werden. Schon beim Bau des Hradeker Kreisverkehrs hatte Josef Jenicek, Leiter des Straßenbauamtes Liberec, einen Bypass skizziert. Sollte die Straße eines Tages tatsächlich drei- oder vierspurig und damit autobahnähnlich ausgebaut werden, wollen die Tschechen für alle Richtungen Bypässe bauen, sodass die Autos durchrollen können. Wie das aussehen soll, ist bereits bei Bily Kostel zu sehen: Autofahrer, die aus Liberec kommen und in Richtung Zittau wollen, umfahren den Kreisel an der Schnittstelle von vierspuriger Schnellstraße zur neuen I35 bereits. Noch mehr als 15 Jahre gelten die tschechischen Pläne, nach denen eine Erweiterung der Trasse möglich ist. Die baulichen Voraussetzungen sind geschaffen. So sind die Kurvenradien bereits für den Anbau von weiteren Spuren ausgelegt. Auch ist bei den Brücken Platz für den Anbau weiterer Teile gelassen worden.

Dass es mehrere Kreisverkehre in Polen gibt, ist ein Kompromiss. „Auf polnischer Seite handelt es sich nicht um eine Schnellstraße, sondern um eine Wojewodschaftsstraße“, sagt Hiltscher. Autobahnähnliche Straßen würden auch in Polen ohne Kreisverkehre gebaut. Die polnische Seite hätte aber damals trotz der Finanzierung durch Deutschland und Tschechien darauf bestanden. Letztendlich habe man zugestimmt, um wenigstens den Spatz in der Hand zu haben, statt der Taube auf dem Dach, so Hiltscher. Er ist sich aber sicher, dass die rund vier Kilometer Straße in Polen in einigen Jahren das Nadelöhr der gesamten Trassen sein werden.

Nach Ansicht des Oberseifersdorfer Agrarunternehmens könnte der Bund auch viel Geld beim Bau der Straße sparen. Den Neubau einer Brücke für Fledermäuse hält die Miku für nicht notwendig. Und die Bauern stehen mit ihrer Meinung nicht allein da, dass es fraglich ist, ob Fledermäuse nur über ein begrüntes Bauwerk über die neue Bundesstraße fliegen würden.

Bei den Plänen für die neue Trasse der B178 sind im Bauabschnitt 3.3 wegen des europäischen Artenschutzes unter anderem ein Artenschutzfachbeitrag und ein Fledermausgutachten erstellt worden, hält da jedoch der Referent des Staatsministeriums, Marco Henkel, entgegen. Im Ergebnis hat sich dabei herausgestellt, dass es sich beim Bereich zwischen dem Königsholz und Kohlige entlang der gut ausgeprägten Gehölzstruktur am Wirtschaftsweg zur Ortslage Oberseifersdorf um eine bedeutende Fledermaus-Flugroute handelt. Dieser Korridor wurde beim Erstellen des Gutachtens von zehn der 14 im Gebiet nachgewiesenen Fledermausarten genutzt.

Bei der Planung für den Bauabschnitt ist auf das Fledermausgutachten und den Artenschutzfachbeitrag reagiert worden, um nicht gegen den Tötungstatbestand sowie andere Verbotstatbestände des Naturschutzgesetzes zu verstoßen. Marco Henkel verweist dabei besonders auf den Schutz der Arten Großes Mausohr und Mopsfledermaus. Deshalb ist eine Wirtschaftswegebrücke als Heckenbrücke in die Planung aufgenommen worden. Dabei werden neben dem Wirtschaftsweg beidseitig etwa vier Meter breite Gehölzstreifen angelegt. Die Brücke dient als Fledermausquerungshilfe und minimiert ebenfalls den Zerschneidungseffekt für alle bodengebundenen Arten.

Die Nettokosten für die Fledermausbrücke betragen nach Auskunft des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr etwa 850000 Euro.