merken

Feuilleton

Hier wird nach Verweildauer bezahlt

"Zahl, solange du bleibst": Unter dieser Maßgabe hat ein Museum in Bremen in neues Modell für den Eintrittspreis ausprobiert - offenbar mit Erfolg.

Das Museum für moderne Kunst "Weserburg" in Bremen.
Das Museum für moderne Kunst "Weserburg" in Bremen. © dpa

Bremen. "Zahl, solange du bleibst": Unter dieser Maßgabe hat das Bremer Museum für moderne Kunst "Weserburg" im Dezember ein neues Modell für den Eintrittspreis ausprobiert - offenbar mit Erfolg. "Mehr Besuche, keine Umsatzeinbußen und durchweg positives Feedback", das sei das Fazit der Aktion, sagte am Freitag Geschäftsführer Tom Schößler. Die "Weserburg" war seinen Angaben zufolge das erste Museum im deutschsprachigen Raum, das die Praxistauglichkeit dieses Preismodells getestet hat.

An 24 Öffnungstagen zwischen dem 26. November und dem 22. Dezember erhob das Haus einen flexiblen Eintritt von einem Euro pro zehn Minuten. Gezahlt wurde am Ende des Besuchs. Der übliche Tagespreis beträgt neun Euro, ermäßigt fünf Euro. Der Tagespreis war zugleich der Höchstpreis, wenn Besucher länger als 90 Minuten blieben. "Im Vergleich zu den 24 Öffnungstagen im Advent 2018 stieg die Besuchszahl um 42 Prozent", bilanzierte Schößler. Ziehe man den Besucherschnitt der Jahre 2014 bis 2018 als Vergleichszahl heran, seien die Besuche sogar um 72 Prozent gestiegen.

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Die Ticketeinnahmen seien im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben, hieß es. "Wir hatten mit einem kleinen Umsatzrückgang gerechnet", sagte Schößler. "Dass wir ohne Einbußen die Besuchszahlen steigern konnten, zeigt, dass es vielleicht doch Alternativen zwischen festem Tagespreis und freiem Eintritt gibt." Aufgrund des Erfolgs will die Weserburg das Modell im März 2020 einem zweiten Test unterziehen. Dann soll geprüft werden, ob das Modell auch außerhalb der Adventszeit und in einer anderen Ausstellungskonstellation funktioniert.

Nach den Ergebnissen einer Vorerhebung blieben die Besucher im Normalbetrieb im Oktober und November des vergangenen Jahres durchschnittlich 83 Minuten. Während der "Pay-As-You-Stay"-Aktion seien es 67 Minuten gewesen. Dass die Besuchsdauer damit nur um eine gute Viertelstunde zurückgegangen sei, zeige, dass die Besucher sich trotzdem Zeit für die Kunst genommen hätten. Eine Befragung habe ergeben, dass sich kaum jemand von dem Preismodell gehetzt gefühlt habe. (epd)