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Hier wohnen bald Flüchtlinge

Im Gasthof Bannewitz sollen Asylbewerber einziehen. Das Haus im Ortszentrum bietet Platz für 35 Menschen.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Weiß

Noch sind die Betten leer, bieten Platz für Urlauber oder Geschäftsreisende. Seit fast 40 Jahren ist der Gasthof Bannewitz im Betrieb der Familie Helfer, die sich stets um eine persönliche Atmosphäre zu ihren Gästen bemühte und zuletzt Anfang der 90er-Jahre die Hotelzimmer aufhübschte. Das lassen die Eigentümer über die hauseigene Internetseite verlauten.

In Zukunft aber werden die Gäste in dem Haus auf der Winckelmannstraße 1 andere sein, weder aus geschäftlichen Gründen noch als Erholungssuchende in den Betten nächtigen. Künftig sollen Asylbewerber in den Bannewitzer Gasthof einziehen, wie die örtliche Rathausspitze bekanntgibt.

Das Pirnaer Landratsamt habe das Objekt überprüft und „in Teilen als geeignet angesehen“. Das heißt vor allem, das Dachgeschoss des Gästehauses kann aufgrund fehlender Brandschutzmaßnahmen nicht für Wohnzwecke genutzt werden. Im restlichen Gebäude hätten aber noch bis zu 35 Menschen Platz, erklärt Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos).

Kaufvertrag vor Unterzeichnung

Der Kaufvertrag zwischen Eigentümer und dem Landkreis beziehungsweise der entsprechenden Betreibergesellschaft werde derzeit vorbereitet, stehe kurz vor der Unterzeichnung. Noch diesen Sommer sollen die ersten Flüchtlinge in den Gasthof ziehen, der unmittelbar im Ortszentrum steht. Wann genau das der Fall sein wird, dazu könne oder wolle man jetzt noch keine Auskunft geben. Man werde aber zu gegebener Zeit informieren, so der Bürgermeister.

Prinzipiell tendiere die Rathausspitze dazu, Familien in dem Objekt unterzubringen. Das sei auch der Wunsch vieler Einwohner gewesen. Die zehnköpfige Großfamilie aus Serbien, die seit März in der anderen Asyl-Unterkunft der Gemeinde in Possendorf lebt, zeige, wie gut das Miteinander funktionieren kann. „Wir können froh sein, wenn auch in Zukunft alles so gut läuft“, bestätigt auch die Bannewitzer Ordnungsamtschefin Sylvia Stiller. Sie schaut regelmäßig bei den Asylbewerbern in Possendorf vorbei und sitzt gemeinsam mit vielen Freiwilligen im örtlichen Integrationsrat zusammen, um die Neuankömmlinge ins Gemeindeleben zu integrieren.

Zwei Männer würden bereits beim kommunalen Bauhof aushelfen, der Nachwuchs sei auch in der Schule, erklärt sie. Ob das auch mit der Neubelegung im Bannewitzer Gasthof so gut klappt, bleibt abzuwarten. Für Bürgermeister Christoph Fröse steht zumindest schon jetzt fest: „Es ist meine Forderung, dass wenn es zu Straftaten oder Auffälligkeiten kommen sollte, diese Person sofort vom Landkreis in einer zentralen Unterkunft unterzubringen ist“, sagt er. Sicherheitshalber wolle man mit dem Ankommen weiterer Flüchtlinge das Polizeiaufgebot erhöhen. Die Kraft des aktuell einzigen Bürgerpolizisten in Bannewitz soll wieder durch einen zweiten Polizisten verstärkt werden, erklärt Fröse.

Auch wenn Bannewitz demnächst in dem Gasthof weiteren 35 Asylbewerbern einen Platz bieten könnte, das rechtliche Soll hat die Gemeinde damit noch nicht erfüllt. Theoretisch müsste Bannewitz dieses Jahr insgesamt 83 Flüchtlinge aufnehmen. Mit den Objekten in Possendorf und Bannewitz besteht gerade einmal die Aussicht auf 45 Asylbewerber. Die Suche nach weiteren Unterkünften wird also weitergehen.