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„Hierzubleiben wäre auf jeden Fall eine Option“

Timo Werner schließt eine Vertragsverlängerung bei RB nicht aus und will zur WM.

© dpa

Von Ullrich Kroemer

Zur Motivation der Spieler lassen sie sich bei RB Leipzig immer mal was Neues einfallen. Im Trainingslager im österreichischen Seefeld haben die Kicker des Champions-League-Teilnehmers den passenden Spruch jeden Morgen und Abend vor sich, wenn sie in die riesigen Spiegel ihrer Badezimmer schauen. Dort kleben individuelle Losungen. Im Bad von Stürmer Yussuf Poulsen steht: „Yussuf is here to be unstoppable.“ Und bei Jung-Nationalspieler Timo Werner steht Schwarz auf Glas: „Timo is here to start the next summit“, er soll also den nächsten Gipfel erklimmen.

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Das Bild einer Besteigung passt ganz gut zum reflektierten Auftritt und den ehrgeizigen Ansagen, die der 21-Jährige vor den mitgereisten Journalisten äußert. Da sitzt einer, der hoch hinaus will, aber die Bodenhaftung nicht verloren hat.

Der Confed-Cup-Sieger war als Letzter zum Kader von RB Leipzig gestoßen – nach nur gut zwei Wochen Urlaub in seiner Heimat Stuttgart, in Berlin und Thailand. Nicht viel für einen Kicker, der in der vergangenen Saison einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hatte und dazu nach seiner unnötigen Schwalbe gegen Schalke noch mit dem Stigma des Buhmanns belegt worden war. „Klar hätte ich mir eine Woche mehr Urlaub gewünscht, ein paar freie Tage mehr wären hilfreich gewesen“, sagt Werner. Doch mit Blick auf den durch WM und Champions League engen Zeitplan relativiert er: „Ich bin noch so jung und kann das noch besser wegstecken als manch anderer.“

Dennoch bereitet sich Werner darauf vor, dass es – auch aufgrund der kurzen Pause – in der neuen Saison Täler geben kann. „Ich spüre nicht die Verpflichtung, dass ich jetzt wieder 20 Tore schießen muss“, sagt er. „Wenn ich mal zwei, drei Spiele nicht treffe, mache ich mich nicht verrückt.“ Nichtsdestotrotz wolle er sich genauso wie das Team „an der vergangenen Saison messen lassen und das bestätigen“. Die Frage nach dem Vergleich mit den Bundesliga-Toptorjägern Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang umschifft Werner gekonnt: „Ich will mich mit denen nicht vergleichen, das sind internationale Weltklassestürmer“, sagt er und schätzt realistisch ein: „Sie sind älter und einen Tick erfahrener, vor dem Tor noch eine Spur abgewichster. Ich brauche die ein oder andere Chance mehr, um ein Tor zu schießen.“

Wie genau Werner und das RB-Team mit der neuen Dreifachbelastung umgehen werden, ist die wohl entscheidende Frage der Saison. „Das können wir uns selbst noch nicht beantworten“, gibt er zu. „Jeder weiß, dass unser Spiel sehr kräftezehrend ist – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Man muss ständig auf der Hut sein, muss erkennen, wann man einen Ball erobern kann. Es würde keiner von uns aushalten, dreimal pro Woche die Gegner in vollem Tempo anzusprinten.“ So skizziert der Shootingstar bereits zwei Lösungsmöglichkeiten: „Wir brauchen unsere Pausen zwischen den Spielen, können jetzt mehr rotieren“, sagte er. Und: „Im Spiel müssen wir nicht mehr jeden Ball anlaufen, sondern nur noch die richtigen. Es wird spannend sein, ob wir das hinbekommen.“

Doch Werner hat nicht nur die Bundesliga im Blick, sondern auch das DFB-Team. „Jeder, der beim Confed-Cup dabei war, will zur WM. Man spielt in den Spielen mit RB auch für die WM. Da will ich mich zeigen, ich hoffe, es gelingt mir so wie in der vergangenen Saison.“

Nebenkriegsschauplätze wie Spekulationen um einen Wechsel vermied Werner im Gegensatz zu seinen Kollegen Emil Forsberg und Naby Keita. „Bei beiden ging es einfach darum, den nächsten Schritt zu einem internationalen Topverein zu machen“, erklärt er. „Der sind wir noch nicht, können wir aber einmal werden. Ich fühle mich wohl hier, habe hier die Freude am Fußball wiedergefunden und versuche, mein Bestes für RB zu geben.“ Zwar vermied er ein klares Bekenntnis für die nächsten zwei, drei Jahre – doch auch eine vorzeitige Verlängerung seines bis 2020 datierten Vertrages sei denkbar. „Hierzubleiben wäre auf jeden Fall eine Option. Es gefällt mir hier.“ Dann bliebe Zeit, um noch einige Gipfel zu erklimmen.