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High Noon im Schatten der Mühle

Eine verirrte Autofahrerin legt sich mit Radlerinnen an – auf dem schönen Radweg in Gohlis. 

Von Alexander Schneider
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Der Elberadweg führt direkt an der Gohliser Mühle vorbei.
Der Elberadweg führt direkt an der Gohliser Mühle vorbei. © René Meinig

Andrea K. wollte sich mit ihrer Freundin in der Gohliser Windmühle treffen und fuhr dahin mit ihrem Auto. Weil die 60-Jährige den Weg nicht kannte, ließ sie sich von ihrem Handy navigieren. Tatsächlich fand sie sich vor der Mühle wieder – und wurde von einem Mann beschimpft, offensichtlich der Mühlenwirt: Autofahrer hätten dort nichts verloren. Die Mühle, heißt es auf der Homepage, ist nur zu Fuß oder per Rad erreichbar, mit dem Boot oder bei Hochwasser, so heißt es weiter augenzwinkernd, „nur schwimmend“. Hätte Andrea K. das mal gelesen. Erregt fuhr sie los, um mit ihrem Auto legalen Grund zu erreichen. Was nun passierte, brachte ihr einen Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Dresden ein.

Laut Anklage soll K. sich noch auf dem Elberadweg mit einer Radfahrerin angelegt haben und sie angefahren haben, um sich freie Fahrt zu verschaffen. Anschließend habe es ein Gerangel gegeben. Als eine zweite Radlerin hinzukam, sei sie an jenen Mittag im Juni 2017 auch dieser leicht gegen das Knie gefahren.

In ihrem Prozess sagte die Angeklagte am Donnerstag, sie sei ganz langsam gefahren, doch die Radlerin sei ihr direkt vors Auto gefahren: „Ich war zu Tode erschrocken!“ Weil sie beschimpft worden sei, habe sie nicht mehr erklärt, warum sie dort fuhr. „Ich war bockig“, gab K. zu. Die Radlerin solle verschwinden, habe sie gesagt.

Ganz anders Radlerin Karin S. (39). Sie sagte, das blaue Auto „kam angerast“. Sie habe eine Gefahrenbremsung gemacht. Sie sei dort oft radeln. Andere Autos seien viel langsamer und hielten an, um Radler passieren zu lassen. Zur Angeklagten habe sie „Sie können doch nicht so rasen“ gesagt und sich vor das Auto gestellt. Die 60-Jährige habe „ich fahre, wo ich will“ erwidert. Warum sie nicht einfach auf die Wiese ausgewichen sei, konnte sie aber auch nicht erklären. Dann kam die zweite Radlerin Franziska S. (39) und die Angeklagte habe beide mehrfach angefahren.

Die Richterin sagte, dass neben der Angeklagten sich auch die Radlerinnen nicht ganz korrekt verhalten hätten. Sie stellte das Verfahren gegen die bislang nicht vorbestrafte Angeklagte gegen Zahlung von 500 Euro vorläufig ein.