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Hilfe beim Sparen

Dresden will den Bürgern helfen: Überschüssiger Strom wird zwischengeparkt, die Heizung besser eingestellt – nur mehr Dämmung ist keine gute Lösung.

© Norbert Neumann

Bettina Klemm

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Das Jahr hat für Drewag-Kunden gut begonnen: Die Strompreise sind gesunken. Was kann Dresden tun, damit auch künftig Strom und Fernwärme bezahlbar sind? Die SZ spricht darüber mit Umweltamtsleiter Christian Korndörfer und Drewag-Chef Reiner Zieschank.

Dresden setzt auf mehr Nahverkehr und Jobtickets. Wie ist der Stand?

Zieschank: Wir sind bei knapp 15 000 Jobtickets, 16 000 waren das Ziel. Das heißt, wir sind kurz vor dem Zieleinlauf. Das bedeutet eine Entlastung für die Luft in der Stadt.

Sie sagen, die Bahnen fahren mit sauberem Strom, was heißt das?

Zieschank: Dresdner Strom ist fast grüner Strom, weil wir nicht wie die Kraftwerke in der Lausitz mit einem Wirkungsgrad von 40 Prozent arbeiten und 60 Prozent der Energie über den Kühlturm in die Luft gehen. Wir produzieren Strom und Fernwärme gleichzeitig, verwenden neben Erdgas auch Biogas aus unserer Anlage in Haßlau.

Wenn das Kraftwerk Nossener Brücke so gut ist, warum läuft es dann nicht das ganze Jahr über?

Zieschank: Auch wir nutzen im Sommer den verfügbaren Wind- und Sonnenstrom für unsere Kunden. Und damit macht es keinen Sinn, das Kraftwerk den ganzen Sommer durchlaufen zu lassen. Zunehmend werden die Anlagen an der Nossener Brücke zum Lückenbüßer, wenn Wind- und Solarstrom nicht ausreichen.

Und was machen Sie, wenn es zu viel preiswerten Strom gibt?

Zieschank: Wir nutzen künftig auch riesige „Tauchsieder“, um Wasser für die Fernwärme zu erhitzen. In Reick haben wir schon Wasserbehälter zur Wärmespeicherung.

Korndörfer: Die Zukunft ist, das gesamte Fernwärmenetz mit seinen Rohrleitungen und Heizungen als Fernwärmespeicher zu begreifen. Bei der gewaltigen Wassermenge kann schon eine Differenz zwischen hundert und 90 Grad eine große Energiemenge zwischenspeichern. Das merkt der Kunde bei seiner Heizung nicht, und trotzdem helfen wir, auch im Winter Schwankungen beim Windstrom auszuregeln. Ziel ist es, das Gesamtsystem zu verbessern, um viel effizienter mit dem Rohstoff Gas umzugehen. Mit dem Fernwärmesystem können wir zunehmend erneuerbare Energie einspeisen, zu den Kunden transportieren oder auch zwischenspeichern.

Geht das denn mit den heutigen Heizungssystemen überhaupt?

Korndörfer: Um den nötigen Puffer zu haben, müssen die Heizungsanlagen in den Häusern hydraulisch gut abgeglichen sein. In manchen Fällen müssen die Wärmetauscher im Keller der Häuser umgestellt werden. Das ist ein Prozess, der Jahre braucht.

Fast alle Heizungen sind falsch eingestellt, und der Mieter zahlt so zu viel. Was ist aus Ihrem vor einem guten Jahr angekündigten Pilotprojekt geworden?

Korndörfer: Wir haben ein Projekt zur Heizungsoptimierung in Pieschen veranlasst. Bei einem Schulkomplex in der Konkordienstraße konnten bei Heizung und Warmwasser bis zu 20 Prozent des bisherigen Energieverbrauchs eingespart werden. Bei den Mehrfamilienhäusern lag die erreichte Reduzierung bei sechs bis zehn Prozent. Ferner stellte sich heraus, dass die installierte Kesselleistung um 35 bis 60 Prozent überdimensioniert war. Hier kann der Hausbesitzer bei einer Erneuerung ein kleineres Gerät bestellen und deutlich Geld sparen. Parallel dazu hat die Gagfah an drei Objekten die Einsparpotenziale getestet. Die Ergebnisse waren etwa gleich. Jetzt wollen wir das Ganze noch mal in der Friedrichstadt testen und suchen Gebäudeeigentümer, die bereit sind, ihre Heizung von einem Ingenieurbüro untersuchen zu lassen und später die Heizungen auf eigene Kosten zu optimieren.

Die Bundespolitik setzt doch auf Dämmung von außen, geht Dresden da einen Sonderweg?

Zieschank: Wenn die Menschen weiterhin gesund leben wollen, sind Raumklima und Belüftung verdammt wichtig. Da wird übers Ziel hinausgeschossen, wenn Häuser, egal wie sie früher mal konzipiert wurden, warm eingepackt werden. Die Menschen leben dann plötzlich in einer ungesunden Raumluft. Das Geld wird zum Fenster hinausgeworfen, wenn wir im innerstädtischen Bereich, wo wir Fernwärme zur Verfügung haben, bei gedämmten Häusern noch mehr Dämmung draufpacken. Ein Frevel denkmalgeschützte Häuser bis zur Unkenntlichkeit einzupacken. Mit Fernwärme zu heizen, ist viel ökonomischer.

Was sieht das Energiekonzept der Stadt diesbezüglich vor?

Korndörfer: In Fernwärmegebieten hat Wärmedämmung eine untergeordnete Bedeutung.

Die schreibt doch der Gesetzgeber vor?

Korndörfer: Das gilt zunächst für Neubauten. Zudem gibt es das erneuerbare Energie-Wärmegesetz als Alternative: Ich kann mich von der Wärmedämmung befreien, wenn ich einen hohen Anteil an ökologischer Energie habe. Bei denkmalgeschützten Gebäuden in Pieschen haben wir untersucht, dass die Mischung aus einer guten Fernwärme plus maßvoller Dämmung sogar eine höhere Kohlendioxid-Einsparung bringt, als wenn das Gebäude eingepackt wird und jeder seinen Gaskessel betreibt.

Was kann der Bewohner tun?

Korndörfer: Der Mieter hat leider keinen Spielraum. Die Entscheidung trifft der Eigentümer. Dieser hat erst mal wenig Interesse, die Häuser zu dämmen, wenn er die Kosten nicht extrem gefördert bekommt. Bei der Umstellung auf Fernwärme darf der Mieter nicht schlechter kommen als zuvor. Bei einer Dämmung wiederum kann der Vermieter die Kosten zu elf Prozent auf die Miete umlegen. So viel spart der Mieter nie durch eine moderne Heizung ein. Da wir beim Energiekonzept auf Freiwilligkeit setzen, müssen wir überzeugen, dass die Fernwärme die bessere Lösung ist.

In Pieschen liegt aber gar keine an?

Zieschank: Mit der Fernwärme, das kann man offen sagen, verhindern wir ein Stück Mietpreissteigerung für die Dresdner Mieter. Wir haben den Antrag gestellt, Pieschen mit Fernwärme zu versorgen.

Korndörfer: Unser Konzept ist weit gediehen und wir hoffen auf Fördermittel. In diesem Jahr erfolgen die Planungen. 2016/17 kann dann der zweite Düker unter der Elbe gebaut werden, der die Leipziger Vorstadt und Pieschen mit dem zentralen Fernwärmenetz verbindet.

Wie viel gibt die Drewag für den Ausbau der Fernwärme aus?

Zieschank: In diesem Jahr rechnen wir mit Investitionen von 10,1 Millionen Euro.

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