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Hilfe für die Heinrichsburg

Um das barocke Denkmal vor dem Abrutschen zu retten, entsteht jetzt ein künstlicher Felsen.

© Eric Weser

Von Eric Weser

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Diesbar-Seußlitz. Die handgeschachtete Baugrube ist groß genug, dass Bernd Rösler gut darin arbeiten kann. Platz für seinen afghanischen Kollegen wäre darin auch noch. Doch dieser hat am Vorspanngerät zu tun und muss schauen, ob der im Felsen verankerte Stahl die geforderte Kraft von 75 Kilonewton auch wirklich aufnimmt.

Bernd Rösler (l.) und Sayed Mohammad Reza Mousavi von der Firma Pfennig Bau führen sie aus. © Eric Weser

Es ist früher Nachmittag und die Sonne steht hoch am Himmel über der Seußlitzer Heinrichsburg. Vor einigen Tagen ist an dem bei Ausflüglern beliebten Gartenhaus unweit vom Schloss die lang geplante Sicherung gestartet. Von der Forststraße aus ist das gut zu sehen, denn am Nordhang mit den vier Stufenterrassen hat die Baufirma einen Materialaufzug installiert. Um zur eigentlichen Baustelle zu gelungen, braucht es ein paar Schritte die obere Terrasse herum auf die gegenüberliegende Südseite. Den Weg dorthin säumen etliche Zementsäcke. Denn es braucht Beton, um zusammen mit reichlich Bewehrungsstahl einen „künstlichen Felsen“ zu erzeugen, wie Maurermeister Alexander Luchs von der Oschatzer Firma Pfennig Bau erklärt. Dieser soll dem knapp 300 Jahre alten Denkmal wieder die nötige Standsicherheit verleihen.

In den vergangenen Jahren ist das Gebäude immer weiter zu Tal gerutscht. Millimetergroße Risse hatten sich aufgetan. Untersuchungen ergaben, dass die Standsicherheit nicht mehr gegeben und Gefahr im Verzug war. Die Gemeinde Nünchritz als Eigentümer sah sich gezwungen zu handeln. Doch je konkreter die Planungen wurden, umso mehr Überraschungen gab es. Denn das anfangs auf knapp 60 000 Euro taxierte Bauprojekt wurde immer teurer – zuletzt war von rund 130 000 Euro Baukosten die Rede. Eine Herausforderung für die Finanzierung. – Die ist inzwischen gesichert. Aber vor Überraschungen bleibt das Projekt nicht gefeit. Auch wenn es jetzt andere sind. So erweist sich zum Beispiel das Mauerwerk am Fuß des einst von Frauenkirchen-Baumeister George Bähr geplanten Baus als bröselig. „Je mehr man schachtet und klopft, desto mehr kommt hinterher“, sagt Alexander Luchs. Deshalb sollen die Sicherungsarbeiten möglichst schnell vorangehen. Alles in allem werden sich die Arbeiten – auch wegen technologisch bedingter Pausen wie Aushärtungsphasen für den Beton – bis in den Herbst hinziehen. Bauleiter Alexander Luchs geht davon aus, dass es bis in den Oktober hinein dauern wird, bis alles erledigt ist.

Besuch trotz Bauphase möglich

Neben dem neuen Einbau des Felsankers sollen bis dahin auch noch Risse an der Fassade verschlossen, der Putz teilweise erneuert sowie gestrichen werden. Am Ende soll auch der meterlange massive Träger, der kürzlich per Kran an Ort und Stelle kam, wieder von dem Gebäude demontiert sein. Als Notsicherung erfüllt er solange aber eine wichtige Aufgabe.

Besuchen lässt sich das nach dem einstigen Seußlitzer Schlossbesitzer Graf Heinrich von Bünau benannte Gebäude indes auch während der Bauphase. Die dortige Schau über den regionalen Weinbau steht immer sonntags von 14 bis 17 Uhr offen.