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Hilfe für wunde Bäume

Weil eine Radebeuler Baufirma zu dicht an den Kastanien in der Karl-Marx-Straße baggerte, muss jetzt der Gärtner ran.

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Von Peter Redlich

Es sind fast ein Dutzend Bäume, die verletzt sind in der Karl-Marx-Straße im Osten Radebeuls. Mal ist die Rinde am Fuß des Stammes eingerissen, mal ist der Schutz des Baumes in Hüfthöhe abgerissen. Teils gehen die Schäden bis an den Kern, zeigt Margit Schnitzer, Radebeuls Baumverantwortliche.

Passiert ist das in den letzten Tagen beim Baggern. Mitarbeiter der Radebeuler Baufirma Domasch verlegen hier Kabel für Internetanschlüsse für eine andere Radebeuler Firma. Die Männer haben sich wenigstens bemüht, den Graben an der Grundstücksseite zu ziehen. Aber offenbar hat die Baggerrückseite dabei jedes Mal die Bäume mit beschädigt.

Richtig sauer sind deswegen Ulrich Hammermüller und andere Anwohner aus der Gegend. Sie haben die Kastanien, die die Stadt zur Verfügung gestellt hat, vor gut 15 Jahren gepflanzt. Hammermüller ist selbst als Gärtnermeister in Radebeul tätig. Er weiß, wovon er redet, wenn er die Wunden an den Bäumen sieht. Die Bäume sterben früher.

Hammermüller: „Die beschädigten Stammstellen müssen schnell glatt geschnitten werden und die Wundränder mit einem Mittel gegen Pilzbefall versorgt werden, vor allem bevor die Flächen austrocknen.“ Der Radebeuler sagt, er habe sich auch schon an die Stadt gewandt, denn der gehören schließlich die Bäume. Dort von dort sei bisher keine Reaktion gekommen.

Margit Schnitzer, im Radebeuler Bauamt zuständig für die Bäume der Stadt, hat sich gestern die Situation sofort vor Ort angeschaut. Auch mit Handwerksmeister Johannes Domasch hatte sie schon gesprochen. Domasch ist selbst verärgert über die Unachtsamkeit seiner Mitarbeiter. Der Handwerker: „Natürlich werden wir das schnell in Ordnung bringen und die Bäume versorgen lassen – egal was es kostet.“

Johannes Domasch hatte sich auch sofort darum bemüht. Die Gärtner der in Radebeul ansässigen Firma Neru anrücken zu lassen. Die können wegen anderer Aufträge aber erst am Montag. „Das ist zu spät“, entschied Margit Schnitzer und bestellte Gärtnermeister Uwe Lässig zur Soforthilfe. Hier müsse noch vor der großen Wochenendhitze gehandelt werden. Auch wolle Schnitzer nachschauen lassen, welche Beschädigungen der Bagger an den Wurzeln angerichtet hat.

Der Graben für das Kabel war schon wieder zugeschüttet. Deshalb soll nun von Hand an einem Baum die Grube wieder ausgeschaufelt werden. Um das an allen Bäumen zu machen, müsste wieder der Bagger eingesetzt werden, sagt Uwe Lässig.

Das richte mehr Schaden an, als schon vorhanden ist. Zum Ausschaufeln will Meister Domasch seine Leute schicken.

Gärtner Uwe Lässig hat bereits am Nachmittag mit der Arbeit begonnen. Er brauche für die Versorgung der Wunden an den Stämmen etwa drei bis vier Stunden, sagt er. Die Kosten würden sich dann etwa um die 200 Euro bewegen.

In der Karl-Marx-Straße gab es bereits im vorigen Jahr Ärger mit Bäumen. Einer der Grundstücksanlieger hatte zwei städtische Bäume an seinem Grundstück so beschnitten, dass sie auf der ihm zugewandten Seite keine Äste mehr haben. Damit sollte verhindert werden, dass Blätter auf sein Grundstück fallen.

Der Anlieger musste für den Wert der Bäume Ersatzgeld an die Stadt zahlen. Das Geld werde entweder für Neupflanzungen oder die erhöhten Pflegeaufwendungen der jungen Bäume genutzt, so die Baumverantwortliche.