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Hilferuf eines Gastwirts

Holger Eulitz findet einfach kein Personal für sein Restaurant in Stauchitz. Deshalb startete er jetzt eine ungewöhnliche Aktion.

© Sebastian Schultz

Von Jürgen Müller

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Stauchitz. Seit 28 Jahren betreibt Holger Eulitz das Café und Restaurant „Schwarz-Weiß“ in Stauchitz, ist damit der dienstälteste Gastwirt in dem Ort nach dem Krieg. Und für den 63-Jährigen ist lang noch nicht Schluss. Doch selten hatte er es so schwer wie heute. Nicht, dass die Gaststätte und Pension schlecht laufen würden. „Ich werde nicht reich, aber ich kann davon leben“, sagt er.

Auf einem Plakat sucht der Gastronom Arbeitskräfte und bietet eine Prämie.
Auf einem Plakat sucht der Gastronom Arbeitskräfte und bietet eine Prämie. © Matthias Fiebiger

Die Voraussetzungen sind gut, er muss keine Miete zahlen, weil sich die Gaststätte im Haus seiner Eltern befindet. Bis Ende der 40er Jahre war es das „Café Wolf“, danach Textilkonsum. Die Bäckerei wurde bis Ende der 60er Jahre betrieben, danach gab es im Haus einen Lebensmittelkonsum. Doch als die LPG „Sonnenschein“ Staucha/Hof ein neues Konsum-Gebäude baute, war es damit vorbei, das Haus stand leer. Nach 40 Jahren richtete Holger Eulitz dort wieder eine Gaststätte ein. Das Problem ist ein ganz anderes. Eulitz sucht händeringend Personal, findet aber keines. „Weder die Arbeitsagentur konnte mir helfen, noch brachten Stellenanzeigen Erfolge“, sagt der 63-Jährige.

Deshalb hat er sich jetzt zu einer ungewöhnlichen Aktion entschlossen. Auf Plakaten, die er an Einkaufsmärkten in Stauchitz und Ostrau, aber auch an seinem Haus aufgehängt hat, sucht er einen Koch, eine Köchin oder eine Küchenhilfe. Doch nicht nur das: In seiner Verzweiflung hat er bei Einstellung öffentlich eine Prämie von 100 Euro ausgelobt. „Ich suche händeringend eine Köchin, hätte nie gedacht, dass ich mal in solch eine Situation kommen würde“, sagt er. Zwar beschäftigt er zwei Köchinnen, eine davon geht aber ab 1. April in den Ruhestand mit 63. Sie ist nicht nur genauso alt wie ihr Chef, sondern gemeinsam mit ihm zur Schule gegangen. „Ich hatte vor, mit ihr gemeinsam in Rente zu gehen, kann aber verstehen, dass sie die Möglichkeit nutzt, mit 63 Jahren aufzuhören“, sagt Holger Eulitz.

Viel Erfolg hatte seine Aktion bisher aber nicht. Es meldeten sich Bewerberinnen aus Ostrau und auch aus Gröditz, doch sie verfügten beispielsweise nicht über ein Auto. Zwar gibt es ganz gute Verkehrsverbindungen nach Stauchitz, doch nicht mehr abends. „Es ist nicht nur deshalb schwer, Arbeitskräfte zu finden, weil der Markt nahezu leer gefegt ist. Viele derjenigen, die infrage kämen, wollen nicht am Wochenende, abends und gleich gar nicht in Teilschicht arbeiten“, sagt der Gastronom. Wie es weitergehen soll mit nur einer Köchin, das weiß Holger Eulitz noch nicht.

Er hofft nach wie vor darauf, dass sich Bewerber finden. Und vielleicht auch jemand, der sein Nachfolger werden könnte. Zwar will er über das Rentenalter hinaus arbeiten, würde aber seine Gaststätte in zwei Jahren verkaufen oder auch vermieten, dennoch weiter arbeiten. Und hofft darauf, dass sich auch dafür ein Interessent findet. In der Gastronomie Personal zu finden, ist ein generelles Problem. So haben verschiedene Restaurants schon in der Vergangenheit die Öffnungszeiten gekürzt oder Ruhetage eingeführt, die es vorher nicht gab. In der Elbklause in Niederlommatzsch ist beispielsweise seit Anfang vorigen Jahres montags Ruhetag. An den anderen Tagen wurden die Öffnungszeiten eingeschränkt. Auch im Jägerheim in Löbsal ist seit Anfang dieses Jahres Mittwoch und Donnerstag Ruhetag.