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Hilflos im Straßengraben

An der A4 häufen sich die Unfälle, bei denen die Opfer erst spät gefunden werden. Ein Experte drängt zum Handeln.

© Christian Essler/Archiv

Von Sebastian Kositz

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Die mobile Zukunft

Am 25. Mai laden die DDV Media Bautzen und die regionalen Autohändler zur 6. Bautzener Automeile ein.

Dieser Unfall hat deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt: Ein junger Mann kommt im Herbst des vergangenen Jahres mit seinem Auto bei Salzenforst von der A 4 ab und landet hinter einem Gebüsch im Straßengraben. Offenbar unbemerkt von anderen Verkehrsteilnehmern. Erst zwei Tage später wird das Fahrzeugwrack zufällig entdeckt, ein Notarzt kann nur noch den Tod des 30-Jährigen feststellen.

Ein Einzelfall? Mitnichten. Denn auch dieses Jahr rutschten bereits zweimal in der Region Bautzen Autos unbemerkt vom Asphalt der Autobahn – wenngleich nicht mit so tragischen Folgen. Ebenfalls bei Salzenforst landete Anfang März nachts der Daewoo zweier junger Männer im Graben. Eine später dort vorbeifahrende Polizeistreife entdeckte das Auto eher beiläufig, als einer der Beamten auf dem Feld den Lichtkegel der Scheinwerfer sah.

Bei dem jüngsten Vorfall am 22. April waren es hingegen aufmerksame Sanitäter in einem Rettungswagen, die bei Burkau in einem Waldstück einen völlig zertrümmerten BMW erspähten. Auch hier war der Fahrer mit seinem Wagen offenkundig unbemerkt von anderen – und am helllichten Tag – von der Fahrbahn abgekommen.

Unentdeckt verletzt im Straßengraben? Für viele Autofahrer ist das eine Horrorvorstellung. Die für die Autobahn in Ostsachsen zuständige Polizeidirektion in Görlitz verweist auf tragische Einzelfälle. Zwischen 2011 und dem vergangenen Jahr haben die Beamten auf der A4 zwischen Hermsdorf und Görlitz insgesamt 18 Unfälle mit Personenschäden registriert, bei denen zuvor ein Fahrzeug von der Fahrbahn abgekommen war. Und nur in dem speziellen Fall im Herbst 2013 sei das Unglück nicht von anderen bemerkt worden.

Hinzu kommen nun aber die beiden Crashs vom März und April. Das zeigt, dass sich Tragödien wie die bei Salzenforst jederzeit wiederholen können. Doch lassen sich derartige Unfälle überhaupt vermeiden? Fakt ist: Leitplanken hätten verhindern können, dass die Autos unbemerkt im grünen Abseits längs der Fahrbahn verschwinden. „Schutzplanken können das Durchbrechen von Autos, normalerweise sogar von Lastwagen verhindern“, sagt Isabel Siebert, Sprecherin des Straßenbauamtes des Freistaats. Allerdings gibt es an vielen Abschnitten der Autobahn in der Oberlausitz erst gar keine Leitplanken.

Die stehen in der Regel nur in engen Kurven oder an besonderen Gefahrenstellen, wo Autos bei Unfällen gegen Hindernisse prallen könnten. Aus gutem Grund, wie Isabel Siebert erklärt. Den für die Insassen der Autos sei es im Ernstfall oft besser, wenn das Auto etwa auf einem angrenzenden Feld langsam zum Stehen kommt, statt in eine Schutzplanke zu krachen.

Dass sich daher etwas an der Situation ändert, ist eher unwahrscheinlich. In der Regel werden Verbesserungen bei der Sicherheit ohnehin erst geprüft, wenn sich auf einem Abschnitt die Unfälle häufen. „Eine Unfallhäufungsstelle auf der Autobahn entsteht, wenn sich innerhalb von drei Jahren auf einem Kilometer mindestens drei Unfälle mit Schwerverletzten und zwei Unfälle mit Leichtverletzten ereignen“, erklärt Polizeisprecherin Susanne Heise. Dann würde mit den Verantwortlichen vom sächsischen Straßenbauamt gemeinsam beraten, wie die Gefahren für die Autofahrer entschärft werden könnten.

Damit sich dennoch nicht derartige Horrorunfälle wiederholen, hat der Bautzener Verkehrsrechts- und -sicherheitsexperte Dieter Müller unterdessen einen einfachen, aber nicht bei jedem Autofahrer gern gehörten Vorschlag. „Meist sind die Fahrer für diese Unfälle selbst verantwortlich, etwa weil sie zu schnell waren. Die Ursachen sind stets individuelle Fehler“, erklärt der Fachmann, der daher mehr Tempolimits fordert. „Die machen dann aber auch nur Sinn, wenn die Polizei dort auch regelmäßig die Geschwindigkeiten der Autos kontrollieren würde“, sagt Dieter Müller.

Tatsächlich nennt die Polizei auch unangepasste Geschwindigkeit, Unaufmerksamkeit und Alkoholeinfluss als häufigste Ursachen für Unfälle, bei denen Autos von der Fahrbahn abkommen. Prävention hilft da aus Sicht von Dieter Müller nur bedingt. „Damit erreicht man die Unbelehrbaren ohnehin nicht“, so der Experte. Mehr Präsenz der Polizei an und auf der Autobahn könnten hingegen eine viel bessere Wirkung entfalten, so Dieter Müller.