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Hirsch Heinrich in der Karrasburg

Die neue Sonderausstellung entführt in den Friedewald und bietet einen ungewöhnlichen Ausblick.

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© Norbert Millauer

Von Peggy Zill

Coswig. Hirsch Heinrich steht schon im Wald. Neben ihm haben es sich ein Dachs, ein Eichhörnchen und ein kleiner Fuchs gemütlich gemacht. Direkt gegenüber steht der Ansitz für den Jäger. Die Waldbewohner müssen sich jedoch nicht fürchten. Es nimmt kein Jäger Platz, sondern Museumsbesucher, die einen ungewöhnlichen Ausblick im nur 50 Quadratmeter großen Wald genießen können.

Die neue Sonderausstellung im Museum Karrasburg widmet sich dem Friedewald, seiner Geschichte, den Förstern und Jägern. Die Idee dafür entstand schon vor zwei Jahren. „Da wussten wir noch nicht, wie aktuell das Thema mit dem Bestattungswald jetzt sein wird“, sagt Museumsleiterin Evelies Baumann. Die Schirmherrschaft hat Daniel Prinz von Sachsen übernommen. Er lieferte auch Material und Informationen.

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Sachsenforst. Hirsch Heinrich, wie ihn das Museumsteam getauft hat, ist eine Leihgabe aus dem Forsthaus Kreyern. Andere ausgestopfte Waldbewohner sind vom Jagdschloss Moritzburg oder dem Stadtmuseum Meißen geliehen. Die Besucher sollen bei ihrem Rundgang erfahren, wie wichtig die Arbeit der Förster ist. „Wir wollen mit dem Vorurteil aufräumen, dass die Förster den ganzen Tag mit der Flinte im Anschlag durch den Wald streifen“, erklärt Baumann.

Mit der Ausstellungseröffnung am 27. August wird auch der 20. Geburtstag des Museums mit einem bunten Programm und Livemusik gefeiert. Vor der Eröffnung 1996 verstaubten die Exponate jahrelang in zwei baufälligen Räumen. Nachdem die Karrasburg, eine ehemalige Fabrikantenvilla, saniert war, erhielt das Museum drei Räume im Erdgeschoss.

Als die Verwaltungsmitarbeiter aus dem Obergeschoss ins neue Rathaus umgezogen waren, kamen drei weitere Zimmer hinzu, in denen nun die Dauerausstellung zur Geschichte Coswigs gezeigt wird. Die Schau müsste dringend überarbeitet und aktualisiert werden. Dafür müssen aber zunächst Fördermittel beantragt werden. Und die Zeit gefunden werden. Denn die drei Mitarbeiter gestalten jedes Jahr vier Sonderausstellungen. Seit Gründung des Museums waren es 87.

Dabei wurden 86 143 Besucher gezählt. Das sind etwa 20 Besucher pro Öffnungstag. „Das hört sich nicht viel an“, sagt Museumschefin Evelies Baumann. „Aber wir sind ein kleines Haus.“ In dem die Museumspädagogik eine wichtige Rolle spielt. „Wir wollen unsere kleinen Besucher an Museen und Geschichte heranführen“, so Baumann. Deshalb dürfen die Kinder zwar trotzdem nicht alles anfassen, aber das Museum spielerisch erkunden. In der neuen Ausstellung zum Friedewald ist ein Ritt auf Hirsch Heinrich zwar tabu, aber sie hören Jagdsignale, dürfen Felle streicheln und Geweihe anheben, um zu lernen, wie schwer so ein Hirsch zu tragen hat.

„Im Friedewald – Mit dem Förster unterwegs“: Ausstellungseröffnung und Sommerfest anlässlich 20 Jahre Karrasburg, 27. August ab 16 Uhr im Museum und davor, bei schlechtem Wetter im Foyer des Rathauses.