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Historische und moderne Mühlen öffnen sich für Besucher

Beim Mühlentag lockten die Ölmühle in Gadewitz und die Paltrockwindmühle in Gersdorf zahlreiche Gäste am.

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Von Helene Krause

Ganz aus Holz gezimmert reckt die Paltrockwindmühle ihre breiten Flügel in den Gersdorfer Himmel. Zahlreiche Besucher sind zum 22. Mühlentag gekommen, unter ihnen eine Wandergruppe aus Leisnig. Sie alle wollen das technische Wunderwerk aus alter Zeit besichtigen.

In der modernen Ölmühle in Gadewitz erklärt Dieter Horlacher den Besuchern Ernst und Brigitte Schulze aus Leipzig die verschiedenen Ölsorten.
In der modernen Ölmühle in Gadewitz erklärt Dieter Horlacher den Besuchern Ernst und Brigitte Schulze aus Leipzig die verschiedenen Ölsorten.

Gebaut wurde die Mühle 1865 als Bockwindmühle. Das heißt, die Windmühle stand auf einem Bock und wurde mit Pferden oder Ochsen in die Windrichtung gedreht. 1965 wurde die Mühle zur Paltrockwindmühle umgebaut. Dazu erhielt sie ein Ringfundament mit Eisenbahnschienen. Die Mühle steht auf 60 Rollen. Die Windrose, ein kleines Windrad, dreht über eine Kette die gesamte Mühle in Windrichtung. Mit einem Elektroantrieb demonstriert Mühlenbesitzer Harald Wolf das Drehen der Mühle. Kaum spürbar bewegt sie sich langsam nach links. „Es dauert etwa eine Stunde, bis die Mühle eine Runde gedreht hat“, sagt Wolf.

Auf drei Etagen können die Besucher, im Inneren der Mühle, das alte Holzräderwerk samt Bremsbalken, den Aufzug für die Mehlsäcke, in dem auch der Müller mitfuhr, den Elevator, verschiedene Walzen, eine Quetsche und andere Dinge besichtigen. Alles ist aus Holz hergestellt und sehr gut erhalten. Auch die Holzbauteile des Mühlengebäudes weisen keine Schäden oder Wurmbefall auf. „Mühlenholz wurde aus dem Wald geholt“, erklärt Wolf. „Dazu nahm man nur gutes Holz.“ Außerdem wurden die Bäume für die Mühlenherstellung geflößt und mussten zehn Jahre in Salzwasser lagern. Dadurch wurde das Holz natürlich konserviert.

Bis Mitte der 70er Jahre wurde in der Paltrockwindmühle Viehfutter geschrotet. Aber auch Feinmehle und Haferflocken können in der Mühle hergestellt werden. 1986 übernahm Harald Wolf das Grundstück. Heute ist die Paltrockwindmühle ein technisches Denkmal. Der Name der Paltrock leitet sich wahrscheinlich vom mantelartigen Gewand pfälzischer Einwanderer ab.

Ganz anders als in der hölzernen Windmühle geht es in der Ölmühle der Familie Horlacher in Gadewitz zu. Zum Hoffest dürfen Besucher sich die moderne Ölherstellung von Manja und Dieter Horlacher anschauen. In langer Reihe stehen sie in der Ölmühle an. Diese ist in einer ehemaligen Scheune untergebracht. Sie bestaunen die kleinen, zu dicken Würmern gepressten Rapsstücke, die aus der Mühle kommen und in einen Behälter fallen. Die Arbeitsabläufe sind elektrisch und von Windkraft unabhängig. Das Mahlgut wird über dem Mühlenraum eingelagert. Wenn es nass ist, muss es vorher getrocknet werden. Danach wird es mit Trockenluft und Absieben gereinigt. Erst danach gelangt es in die Mühle und wird gepresst.

Hergestellt werden kaltgepresste Raps-, Mohn-, Sonnenblumen- und Leinöle. Den Raps bauen die Horlachers selber an. Mohn, Leinen und Sonnenblumen beziehen sie von regionalen Firmen. „Wir verarbeiten nur regionale Produkte“, erklärt Dieter Horlacher. Als die Familie den Hof übernahm, überlegten sie, wie sie ihn zu neuem Leben erwecken könnten. Sie kamen auf die Idee, Öl zu pressen. Da sie Raps selber anbauen, war die Rapsölherstellung ein Muss. Zu kaufen gibt es die Öle im Hofladen oder über das Internet. Um ihre Produkte zu vermarkten und das Gut bekannt zu machen, findet aller zwei Jahre das Hoffest in Gadewitz statt.