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Dresden

Hitlergruß vor der Kamera

Als ein 38-Jähriger in der Dresdner Hauptstraße ein Video-Team sieht, begeht er eine teure Straftat.

Ein 38-Jähriger zeigte in der Dresdner Hauptstraße den Hitlergruß, während Holger Zastrow vor der Kamera ein Interview gab.
Ein 38-Jähriger zeigte in der Dresdner Hauptstraße den Hitlergruß, während Holger Zastrow vor der Kamera ein Interview gab. © Screenshot/SZ

Für seine fünf Sekunden Ruhm hatte René J. eine besondere Gelegenheit abgewartet. Ein Video-Interview mit FDP-Urgestein Holger Zastrow kurz vor der Sachsenwahl. Im August, wenige Tage vor dem Urnengang drehten Videoproduzent Christian B. mit Kollegen und Zastrow in der Hauptstraße vor der Dreikönigskirche ihre Reihe „Zehn Fragen an die Spitzenkandidaten der Landtagswahl 2019“ für „Sächsische.de“. Plötzlich taucht ein Mann im leicht unscharfen Hintergrund auf und reckt grinsend seinen ausgestreckten rechten Arm in die Kamera. Der spontane Auftritt sorgte für Irritationen, die Szene wurde herausgeschnitten.

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Der Täter sei mit anderen in der Hauptstraße verschwunden. Doch als er später zurückkam, hatte B. ihn wieder erkannt und angezeigt. Der 38-jährige Erwerbsunfähigkeits-Rentner ist der Polizei bereits bestens bekannt gewesen, wenn auch nicht mit braunem Gedankengut.

Am Montag stand er wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor dem Amtsgericht Dresden. Der Angeklagte hat den Vorwurf sofort gestanden. „Ich habe einen Fehler gemacht“, sagt er. „Ich bin kein „Rechtsextremer oder so“, fügte er hinzu. Er habe die Kameras gesehen und gedacht: „So!“ Mehr als ein "so!" jedoch sagte er nicht zu seinen Gedanken in jenem Moment, mittags um kurz vor 13 Uhr. Er habe etwas getrunken, sagt er, und es sei wirklich unüberlegt gewesen, „eine Dummheit“. Wahrscheinlich sei er wegen irgendetwas sauer gewesen.

21 Vorstrafen...

Möglicherweise nicht zum ersten Mal. Der 38-Jährige hat bereits 21 Vorstrafen wegen Betruges, Körperverletzung, Diebstahls, Trunkenheit im Verkehr, saß auch wegen Raubes drei Jahre im Gefängnis und steht seit Jahren unter Betreuung. Kurz: Der Mann hat in seinem Leben Polizei und Justiz schon ganz schön arbeiten lassen.

Zuletzt erhielt der Angeklagte im Juni 2019 einen Strafbefehl wegen Hausfriedensbruchs. Das wertete die Richterin strafschärfend, weil er das jüngste Urteil nur wenige Wochen vor dem Hitlergruß zugestellt bekommen hatte. René J. wurde nun zu einer Geldstrafe von 1.540 Euro verurteilt. "Ein Hitlergruß ist keine kleine Dummheit, sondern eine erhebliche Straftat“, sagte die Richterin.

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