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Hobbyautoren üben schon

Die fünfte Nossener Lesenacht wird größer als letztes Jahr. Zum Schlussakkord im Sachsenhof kommt Schauspieler Tom Quaas.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Nossen. Eine Erzählung, die „Mein Lebenskampf“ heißt, macht in wenigen Worten deutlich, wo die literarische Reise hinführt. Für die Döbelner Autorin Astrid Lose geht sie am kommenden Freitag zunächst nach Nossen. Bei der fünften Auflage der Nossener Lesenacht wird sie in der Bücherstube von Elke Benedix 19, 20 und 21 Uhr aus dem Werk vorlesen. Es dreht sich um ein bewegtes Leben zwischen Hitler, Honecker und Heute, beschreibt es die 79-Jährige selbst.

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Das Buch ist stark autobiografisch geprägt. Lose erzählt darin von ihrer Kindheit bei einer Pflegemutter in Marbach, von den Gräueltaten der Russen während des Krieges, von Morden und Vergewaltigungen. „Ich habe gesehen, wie 13-jährige Zwillingsmädchen ohne Köpfe am Straßenrand liegen“, sagte die heute in Döbeln lebende Autorin der SZ vor etwa einem Jahr. Auf Lesereise in der Region ist Lose häufig unterwegs. Auf Nossen freue sich sie sich bereits. Die Lesenacht hat sich inzwischen in der Region rumgesprochen. Das zeigt auch das Programm für den 13. April. Nicht überall wird es so beklemmend und dramatisch, wie bei Astrid Lose. „Wir haben einen breiten Genremix auf die Beine gestellt, wo auch Lustiges und Kurzweiliges nicht zu kurz kommt“, sagt Dirk Frenzel-Arnhold vom Nossener Kulturverein Kuno. Mit der Steuerberaterin Karin Flade hat er in diesem Jahr Lesungen an 24 Orten – und damit mehr als im vergangenen Jahr – organisieren können. Bereits seit November 2017 liefen die Verhandlungen mit Berufs- und Hobbyautoren und denjenigen, die ihre Häuser oder Räume zur Verfügung stellen.

Nach einer Pause im letzten Jahr beteiligt sich zum Beispiel der Elektronik-Fachbetrieb von Hans-Jürgen Weis an der Bismarckstraße wieder an dem abendlichen Lesevergnügen in der Nossener Innenstadt. „Dabei liest er sächsische Balladen von Lene Voigt in Mundart. Das wird ein besonderes Vergnügen“, schaut Frenzel-Arnhold voraus. Auch die Markthalle Adler am Markt, lesend vertretend von Uwe Adler, ist wieder mit von der Partie.

Neu wird am kommenden Freitag unter anderem der „Kultur-Raum“ an der Freiberger Straße mit und von der Nossener Künstlerin Susann Starke sein. Den Raum, der mit Bildern und weiteren Kunstwerken ausstaffiert ist, gibt es zwar bereits seit Ende letzten Jahres. Aber bei der Lesenacht war dieser noch nie geöffnet. Das ändert sich nun. „Frau Starke wird selbst lesen. Gedichte des Romantikers Joseph von Eichendorff stehen auf dem Plan“, sagt Dirk Frenzel-Arnhold.

Das Programm als solches stehe inzwischen, um die 1 000 Flyer sind in Nossen, Döbeln, Roßwein, Meißen und Umgebung verteilt. Jetzt gelte es zu hoffen, dass keiner der Autoren krank werde. Zu Ihnen gehört in diesem Jahr auch die CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge für den Landkreis Meißen. Im Friseurgeschäft Roma Hairstyle liest sie aus Renate Bergmanns „Wer erbt, muss auch genießen – die Online-Oma teilt auf“. Dass Kuge bereits fleißig übt, hat sie auf ihrer Facebookseite schon verraten. Andere Hobby-Vorleser werden es ihr gleichtun. Der Infostand der kostenlosen Lesenacht samt Grillangebot wird wieder am Markt aufgebaut, geben die Organisatoren bekannt. „Die Abschlusslesung wird wieder 22 Uhr im Sachsenhof gegeben. Wir sind optimistisch, dass erneut um die 350 Leute den Saal rappelvoll machen werden“, sagt Frenzel-Arnhold. Dafür soll der Dresdner Schauspieler Tom Quaas sorgen, der zusammen mit Gitarrist Frank Fröhlich Literatur und Musik besonders verbinden wird. An sechs Orten können die Kleinsten auf Lese-Schatzsuche gehen. Dabei wird es 2018 sogar zweisprachig, wenn in der Logopädie-Praxis am Leiseberg 6 auf deutsch und englisch aus „Der Grüffelo“ vorgetragen wird.