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„Hochwasserschutz dauert zu lange“

Schon seit Jahren soll die Lage am Jordanbach entschärft werden, doch wichtige Maßnahmen sind bis heute nicht umgesetzt, kritisiert Bautzens OB.

© Uwe Soeder

Bautzen. Das heftige Unwetter am Mittwochabend sorgte auch bei Bautzens OB Alexander Ahrens (SPD) für eine sehr kurze Nacht. Er hatte sich umgehend auf den Weg zu den Betroffenen gemacht. Die SZ sprach kurz mit dem Stadtoberhaupt.

Herr Ahrens, Sie waren mittendrin in der Dramatik. Wie schätzen Sie die Lage mit etwas zeitlichem Abstand ein?

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Mich hat vor allem bewegt, dass die wirklich gute Hochwasser-Vorsorge zahlreicher betroffener Anwohner leider nicht ausgereicht hat. Da waren Türen mit Aluminiumschutzwänden gesichert; aber das Wasser stieg viel zu schnell viel zu hoch. Es war ein wirklich extremes Wetterereignis. Begeisternd aber war die Solidarität unter den Nachbarn. Auch Vereine wie „Bautzen rollt“ oder das Berufsbildungswerk haben geholfen; und in Niederuhna war zum Beispiel die Agrofarm Göda im Einsatz.

Eine Schadenssumme werden Sie noch nicht nennen können. Aber können Sie vorsichtig abschätzen, welche Schäden zu beklagen sein werden?

Summen kann ich tatsächlich derzeit nicht nennen. Aber es kann auch generell noch keine abschließende Schadensbilanz vorgelegt werden. Es werden in den kommenden Tagen noch Schäden auftauchen, die bisher unter den Schlammmassen verborgen sind. Oder auch Schäden, die erst im Nachgang auftreten; Folgeschäden. Vor allem aber muss geklärt werden, was bestimmte bauliche Hochwasser-Vorsorgemaßnahmen entlang der Flüsse oder in besonders gefährdeten Gebieten gebracht haben – und was dort zu tun ist. Aber diese Analyse wird sehr zeitaufwendig werden.

Wie kann die Stadt helfen?

Wenn es sich um private Schäden handelt, ist es meist rechtlich schwierig, als Stadt zum Beispiel finanziell zu helfen. Aber wir reden mit dem Landratsamt, wie die Betroffenen unter anderem bei der Entsorgung unterstützt werden können.

Zum wiederholten Male trat der Jordanbach massiv über die Ufer. Welche Maßnahmen sind hier geplant?

Das Problem am Jordanbach ist, dass er auf Höhe des Pflegeheims sozusagen in der Erde verschwindet und in unterirdischen Kanälen unter Gebäuden und in Grundstücken verläuft. Da ist Abhilfe kaum möglich. Hier muss also vorgesorgt werden, bevor der Bachlauf abtaucht. Ein großes Regenrückhaltebecken zum Beispiel könnte helfen. Es gibt auch längst Pläne. Aber die Umsetzung gerade beim Hochwasserschutz ist leider sehr langwierig, weil etliche Behörden und Betroffene mitreden. Wir haben beispielsweise einige Maßnahmen, die nach dem Hochwasser 2010 beschlossen wurden, bis heute noch nicht umsetzen können. Da müsste vieles schneller gehen.

Gespräch: Jens Fritzsche