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Hochwasserschutz kontra Straßenbau

Sebnitz und Neustadt wollen, dass die Straße über den Unger dreispurig wird. Doch es spricht einiges dagegen.

© Marko Förster

Von Dirk Schulze

Neustadt/Sebnitz. Einfach Blinker setzen und vorbei am langsamen Laster. Diese Möglichkeit wünschen sich Sebnitz und Neustadt für die Verbindungsstraße zwischen den beiden Städten. Die bergige und kurvenreiche Strecke über den Unger soll nach ihren Vorstellungen dreispurig ausgebaut werden, um das Überholen zu erleichtern. Der Verkehr von Lkws und Pendlern werde mit der Erweiterung des Gewerbegebietes Kirschallee weiter zunehmen.

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Nun ist allerdings ein neues Hindernis für diese Straßenausbauwünsche aufgetaucht – der Hochwasserschutz. Die Wälder am Unger sind im Entwurf des neuen Regionalplans als Hochwasser-Entstehungsgebiet ausgewiesen. Das sind Gebiete, in denen es bei starkem Niederschlag zu extremen Wasserabflüssen kommt. Das Land Sachsen hat diese Kategorie als Reaktion auf die Flutkatastrophe von 2002 eingeführt und gesetzlich verankert. Das Ziel ist es, nicht nur die Flüsse im Tal sicherer zu machen, sondern den Fluten schon dort vorzubeugen, wo sie entstehen. Die erste dieser Schutzzonen wurde 2006 auf dem Kamm des Osterzgebirges um Altenberg und Geising ausgewiesen. Auf diesen Flächen gilt es, Eingriffe in den Boden möglichst zu vermeiden. Er soll das Wasser speichern und zurückhalten.

Es wird schwierig

Gänzlich verboten ist das Bauen in Hochwasser-Entstehungsgebieten zwar nicht, doch es wird deutlich schwerer. Wo gebaut wird, werden Flächen versiegelt. Das Wasser fließt schneller ab, anstatt zu versickern. Für breitere Straßen oder andere Bauprojekte sind deshalb zusätzliche wasserrechtliche Genehmigungen nötig. Die Bauherren müssten nachweisen, dass das Rückhaltevermögen des Bodens nicht beeinträchtigt wird. Anderenfalls sind Auflagen zu erfüllen, etwa der Bau neuer Rückhaltebecken. Das kostet.

Gegen die Festsetzung des Ungerberges als Hochwasserentstehungsgebiet im neuen Regionalplan hat Sebnitz deshalb Bedenken angemeldet. Dies erschwere oder verhindere den Straßenausbau und stehe damit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung entgegen, schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme zum Entwurf des Regionalplans. Noch handelt es sich um einen Entwurf. Über die eingegangenen Einwände wird bis zum Sommer eine Kommission unter Leitung von Landrat Michael Geisler (CDU) entscheiden.

Finanzieren müsste die zusätzliche Kriechspur der Freistaat Sachsen. Dort sieht man ohnehin keinen Bedarf dafür. „Für die S 154 ist derzeit kein dreispuriger Ausbau geplant“, erklärt eine Sprecherin des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums. Weder das aktuelle noch das prognostizierte Verkehrsaufkommen würden die damit verbundenen erheblichen Eingriffe in die Natur rechtfertigen. Das Ministerium empfiehlt jedoch eine Studie zur Regionalentwicklung und würde diese auch unterstützen. Wenn eine solche Studie nachweist, dass Wirtschaft und Bevölkerung im Raum Sebnitz und Neustadt in ausreichendem Maße wachsen, dann könne man auch über den Straßenausbau reden.

Im Sommer wird die Strecke von Langburkersdorf bis zur Ungerkurve erst einmal saniert. Das kostet rund 580 000 Euro.

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