merken

„Hochwasserschutz nicht gegen den Bürgerwillen“

Birgit Lange, die neue Talsperren-Chefin der Region, über Hochwasserschutz-Pläne und klagefreudige Bürger.

© Daniel Schäfer

Von Franz Werfel

Landkreis. Birgit Lange leitet seit Jahresbeginn den Betrieb Oberes Elbtal der Landestalsperren-Verwaltung (LTV). Dort ist die studierte Geologin für rund 150 Mitarbeiter in Dresden sowie den Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge verantwortlich. Die Fachleute arbeiten an den Talsperren und in den drei Flussmeistereien Dresden, Riesa und Gottleuba, wozu auch die Bereiche entlang der Elbe in Radebeul und Coswig gehören. Sie verwalten den Betrieb und planen die Hochwasserschutzmaßnahmen. Birgit Lange erklärt, wie es mit dem Hochwasserschutz in der Region weitergeht.

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Die schönsten Geschenke zum Osterfest

Ab Freitag, den 5. April stimmt die Altmarkt-Galerie ihre Besucher auf das Osterfest ein. 

Am Deich in Radebeul-Fürstenhain ruht derzeit die Arbeit. Ab wann wird am Deich in Radebeul-Fürstenhain weitergebaut? Wann soll er fertig sein?

Arbeiten, die witterungsbedingt möglich waren, wurden auch in den zurückliegenden Wochen durchgeführt. Es gab keine Winterpause. Sobald die Temperaturen über Null sind, kann der Betonbau fortgesetzt werden. Erst wenn es wieder trocken ist, kann auch der Erdbau fortgesetzt werden. Die Fertigstellung ist für Ende des III. Quartals 2018 geplant.

Über den Schutz von Altkötzschenbroda wird schon 15 Jahre diskutiert. Wie weit sind die Planungen? Wann könnte hier gebaut werden?

Auch hier läuft noch das Genehmigungsverfahren bei der Landesdirektion Sachsen. Sobald der Genehmigungsbescheid vorliegt, kann mit der Ausführungsplanung begonnen werden. Ausgehend von vergleichbaren Vorhaben rechnen wir derzeit mit einem Baubeginn frühestens im Jahr 2020.

Die Bürger an der Brockwitzer Niederseite saufen bei Hochwasser regelrecht ab. Hat Coswig-Brockwitz noch eine Chance auf einen Deich?

Im Hochwasserschutzkonzept Elbe wurde eine Maßnahme „Errichtung Damm bis HQ100 vor Bebauung in Brockwitz“ zum Schutz der tief liegenden Ortsteile von Brockwitz vorgeschlagen. In der landesweit einheitlichen Priorisierung aller präventiven Hochwasserschutzmaßnahmen im Freistaat Sachsen wurde für diese Maßnahme jedoch eine geringe Priorität ausgewiesen.

In den sächsischen Hochwasserschutzkonzepten wurde eine Vielzahl von präventiven öffentlichen Hochwasserschutzmaßnahmen vorgeschlagen. Diese sind natürlich nicht überall gleichzeitig umsetzbar. Begonnen wurde deshalb mit den hochprioritären Maßnahmen. Das sind Maßnahmen, durch deren Umsetzung, der für das Allgemeinwohl vermeidbare Schaden bei Hochwasser am größten ist. Eine Vielzahl dieser Maßnahmen bestehen gegenwärtig und auch noch in den nächsten Jahren. Für die Hochwasserschutzmaßnahme in Brockwitz ist deshalb mittelfristig kein Planungsbeginn möglich.

In Meißen gibt es Pläne, die Altstadt durch eine Erhöhung der Flutmauer und weitere Pumpwerke zu schützen. Welche Chancen sehen Sie für eine Realisierung?

Es gibt dazu einen ersten konzeptionellen Lösungsansatz der Stadt Meißen, den wir mit der Stadtverwaltung in den letzten zwei Jahren besprochen haben. Das weitere Vorgehen kann auch hier nur schrittweise und gemeinsam erfolgen. Ein erster Schritt wird die Aktualisierung des Wasserspiegellagenmodells für die Elbe in Meißen sein. Die aktuelle Wasserspiegellagenberechnung bildet eine wichtige Grundlage für die Planung einer Hochwasserschutzanlage für die Meißner Altstadt. Erst wenn die Ergebnisse dieser Berechnungen vorliegen, kann eine Machbarkeitsstudie durchgeführt werden. Das wird nicht vor Ende 2019 der Fall sein. Die Machbarkeitsstudie wird dann zeigen, ob sich die wasser- und gesamtwirtschaftliche Notwendigkeit für eine technische Hochwasserschutzanlage für die Meißner Altstadt darstellen lässt und ob so ein Vorhaben ausgehend von den örtlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen genehmigungsfähig sein kann.

Wie ist der Stand bei dem Vorhaben, die Senke am unteren Ende des Meißner Schottenbergtunnels durch eine Kombination von Pumpen und Flutwänden so abzudichten, dass Meißen bei einem nächsten Jahrhunderthochwasser nicht erneut zur geteilten Stadt wird?

Da das keine Maßnahme der Landestalsperrenverwaltung, sondern der für Straßen zuständigen Behörde Landesamt für Straßen und Verkehr ist, bitten wir, dort zum aktuellen Sachstand anzufragen.

Wie ist der Stand bei den Hochwasserschutzmaßnahmen in Nünchritz und Röderau?

Beide Hochwasserschutzmaßnahmen befinden sich seit 2014 im wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren. Für die Hochwasserschutzanlage Nünchritz-Grödel ergaben sich aus der ersten Anhörung Änderungen, die eine Bearbeitung der Antragsunterlagen nötig machten. Diese haben wir im Juni 2017 bei der Landesdirektion Sachsen eingereicht. Die überarbeitete Planung wollen wir im Juni 2018 bei der Landesdirektion einreichen. Für Röderau ergab sich im Rahmen der Anhörung ebenfalls die Notwendigkeit einer Überarbeitung zur Antragsunterlage. Dafür waren Abstimmungen mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr nötig. Diese sind nun abgeschlossen. Die überarbeitete Planung wollen wir im Dezember 2018 bei der Landesdirektion einreichen.

Angesichts der geplanten Maßnahmen gibt es Bedenken, dass dadurch der Pegel im Hochwasserfall auf der anderen Elbseite in Riesa steigen könnte. Was sagen Sie dazu?

Prinzipiell gilt ein Verschlechterungsverbot in Bezug auf den Ist-Zustand, also die Situation ohne Hochwasserschutzanlage. Das wird bei der Planung berücksichtigt und von der Genehmigungsbehörde im wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren abgeprüft, abgewogen und entschieden.

In der Region gibt es auch viele Gegner des technischen Hochwasserschutzes – immer mehr, immer höhere Deiche. Sie sehen den sekundären Hochwasserschutz vernachlässigt, wie Elbwiesen abbaggern. Wie ist Ihr Standpunkt?

Nach dem Junihochwasser 2013 haben sich mehrere Bürgerinitiativen gebildet, die sich für den Hochwasserschutz an der Elbe im Bereich Riesa-Nünchritz engagieren. Die Landestalsperrenverwaltung arbeitete mit den Bürgerinitiativen von Beginn an eng zusammen. Im Rahmen des „Runden Tisches Hochwasser“, den die Bürgerinitiativen im Jahr 2013 gründeten, gab es eine ergebnisoffene, fachlich fundierte und konstruktive Diskussion über mögliche Lösungen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Elbe im Nünchritz-Riesaer Raum. Die Bürgerinitiativen erachten sowohl den technischen Hochwasserschutz als auch die sachgerechte Gewässerbewirtschaftung wie die Freihaltung und Wiederfreimachung der Abflussquerschnitte und der Gewässerrandstreifen als erforderlich, um den Hochwasserschutz an der Elbe zu verbessern. Das sehen wir genauso. Auch die sogenannte nachsorgende Unterhaltung – „Elbwiesen abbaggern“ – ist eine potenziell mögliche Maßnahme zur Verbesserung des Hochwasserschutzes.

Unterscheiden Sie sich, was Ihren Standpunkt dazu betrifft, von Ihren Vorgängern?

Wir arbeiten seit vielen Jahren konstruktiv mit den Bürgerinnen und Bürgern der Region zusammen. Wir werden natürlich auch künftig keinen Hochwasserschutz gegen die Bürgerinnen und Bürger machen. Vor meiner Ernennung zur Betriebsleiterin war ich im Betrieb Oberes Elbtal für den Bereich Bau verantwortlich. Bereits in dieser Funktion war ich an den vorab benannten Abstimmungen mit den Bürgerinitiativen dieser Region aktiv beteiligt.

Osterüberraschung