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Hoeneß attackiert ter Stegen und den DFB

Die Bayern starten gewohnt siegreich in die Champions League. Doch nach dem 3:0 gegen Belgrad redet sich plötzlich Präsident Uli Hoeneß in Rage.

Manuel Neuer verbringt beim Auftaktsieg der Bayern in der Champions League einen weitgehend ruhigen Abend im Tor. Hinterher rückt er trotzdem in den Fokus - verantwortlich dafür ist Bayern-Präsident Uli Hoeneß.
Manuel Neuer verbringt beim Auftaktsieg der Bayern in der Champions League einen weitgehend ruhigen Abend im Tor. Hinterher rückt er trotzdem in den Fokus - verantwortlich dafür ist Bayern-Präsident Uli Hoeneß. © Peter Kneffel/dpa

München. Uli Hoeneß trat noch mal als polternder Wut-Bayer auf. Der in zwei Monaten scheidende Präsident verspürte nach dem positiven Start des FC Bayern in die Champions League erheblichen Redebedarf - aber kaum zum Spiel. Heraus kam nach einem schlichten 3:0 (1:0) gegen Roter Stern Belgrad am Mittwoch nahe Mitternacht ein polemischer Rundumschlag zum aufgeregten Torwart-Disput in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Beim flammenden Plädoyer für Manuel Neuer wütete Hoeneß gegen dessen Rivalen Marc-André ter Stegen, den DFB und auch Joachim Löw, freilich ohne den Namen des Bundestrainers während seines Münchner Polterabends zu nennen.

"Wir werden den Leuten schon mal ein bisschen Feuer geben - das können wir", lautete der Schlusssatz der Hoeneß-Tirade. Es wirkte wie eine verabredete Aktion der Bayern-Bosse, denn schon vorm Anpfiff hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im TV-Sender "Sky" das Thema Neuer/ter Stegen befeuert, als er "Klartext" seitens des DFB und "ein Stück Dankbarkeit" gegenüber Neuer einforderte.

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Hoeneß verschärfte zweieinhalb Stunden später die Tonlage. Frontal griff er Barcelona-Keeper ter Stegen an, dessen öffentliche Klage über die erneute Reservistenrolle bei den ersten Länderspielen der EM-Saison gegen die Niederlande und Nordirland einen Disput auch mit Kapitän Neuer ausgelöst hatte. Startpunkt war eine Reporterfrage, ob er es fair finde, wie ter Stegen mit Neuer umgehe. "Ich finde das einen Witz", antwortete Hoeneß - und danach ging's richtig los. 

"Er hat überhaupt keinen Anspruch, da zu spielen", stänkerte Hoeneß gegen ter Stegen. Neuer habe nach der langen Fußverletzung seine "alte Form" wiedergefunden. Daher könne es doch "gar keine Diskussion geben, dass nur er die Nummer 1 sein kann", behauptete Hoeneß.

"Wir kriegen ständig vom DFB Theater"

Dann kamen der Verband - und damit auch Löw - dran. "Ich hätte mir auch vom DFB mehr Unterstützung erwartet", beschwerte sich Hoeneß. Der Präsident erinnerte an die Ausmusterung der Ex-Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng im Frühjahr durch Löw.

"Wir kriegen ständig vom DFB Theater, zuerst die unmögliche Ausbootung, wie die drei Spieler schlecht behandelt wurden. Und jetzt dasselbe mit Manuel Neuer. Dass man das zulässt, dass ein Mitspieler (ter Stegen) in die Öffentlichkeit geht für ein Thema, dass er nur mit dem Jogi Löw zu besprechen hat, das ist nicht in Ordnung!"

Hoeneß drohte sogar: "Wir werden uns das in Zukunft nicht mehr gefallen lassen, dass unsere Spieler hier beschädigt werden ohne Grund. Ter Stegen ist ein sehr guter Torwart, aber Manuel Neuer ist doch viel besser und viel erfahrener. Da gibt es doch gar keine Diskussion für irgendjemand auf der Welt, daran zu zweifeln."

Die Münchner Presse bedachte Hoeneß auch noch mit Kritik, weil sie nicht für Neuer Partei ergreife, während "die westdeutsche Presse" den Ex-Gladbacher ter Stegen "extrem" unterstütze, "als wenn er schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen hätte".

Neuer, der beim Pflichtsieg gegen Belgrad durch Tore von Coman, Lewandowski und Müller - anders als DFB-Rivale ter Stegen tags zuvor bei Barcelonas 0:0 in Dortmund - einen weitgehend arbeitslosen Dienst im Bayern-Tor verrichtet hatte, hielt seinen nächsten Beitrag zur eskalierenden Torwart-Debatte möglichst kurz. "Unterstützer zu haben, ist natürlich immer gut", sagte er zur gezielten Rückendeckung der Münchner Bosse, die aktuell gerade das Ziel verfolgen, den Vertrag des Torwartes vorzeitig über das Ablaufdatum 2021 zu verlängern.

Neuer registriert jede Entwicklung

"Ich will hier nicht großartig eine Debatte führen und darüber reden, was wer wie gut kann", bemerkte Neuer zum deutschen Torhüter-Ranking. "Ich will einfach meinen Job erledigen." Das gelingt dem 33-Jährigen schon länger wieder auf höchstem Niveau. Darum ist er weiterhin bei Löw die Nummer 1. Der Bundestrainer bewies größtmögliche Dankbarkeit gegenüber Neuer übrigens, als er den Schlussmann trotz dessen langer Verletzungspause und fehlender Spielpraxis bei der WM 2018 ins Tor stellte - und nicht ter Stegen, der ihn davor top vertreten hatte.

"Ich finde, dass die Diskussion überhaupt nicht stattfinden darf", bemerkte Bayern-Coach Niko Kovac sachlich zur Torhüterhierarchie. Neuer bringe "seit zehn Jahren Topleistungen". Klären muss Löw das Spannungsfeld der DFB-Keeper dennoch dringend, spätestens bei den nächsten Länderspielen gegen Argentinien (Test) und in Estland (EM-Qualifikation) im Oktober. "In der Öffentlichkeit lässt man das wabern", monierte Rummenigge deutlich. Auch Neuer registriert jede Entwicklung. "Wenn es Gesprächsbedarf gibt, dann wird es den geben, wenn nicht, dann nicht", äußerte er am Mittwochabend vage.

Hoeneß klagte einmal in Fahrt auch noch über die ständigen "Unterbrechungen durch die Länderspiele", welche die Vereinsteams aus dem Rhythmus brächten. Gegen Belgrad nahm unterdessen Philippe Coutinho diesen auf. Der Brasilianer setzte mit feinen Pässen in die Tiefe, einem Abseitstor und vielen Aktionen eine erste spielerische Duftmarke. Und so verließ auch Vereinspatron Hoeneß die Arena nach dem Spiel und dem am Ende doch noch standesgemäßen Ergebnis "sehr zufrieden" - mit sich selbst schien er das ebenfalls zu sein. (dpa)