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Hoffen auf den Baubeginn

Die Fördermittel für die Meißner Straße sind da. Der Baustart hängt trotzdem am seidenen Faden.

© Arvid Müller

Von Nina Schirmer

Radebeul. Das gelbe Schild mit der Eins über der Fahrbahn fällt den meisten Autofahrern wohl gar nicht auf. Muss es auch nicht unbedingt, denn der Hinweis an der Meißner Straße, Höhe Rennebergstraße gilt für die Fahrer der Straßenbahnen. Die Eins schreibt vor, dass sie in Richtung Coswig auf den nächsten Metern nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen. Das Zeichen ist auch ein Symbol für den desolaten Zustand von Fahrbahn und Gleisen.

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Seit Jahren wird der Ausbau des Abschnittes der Meißner Straße in Radebeul-Mitte geplant. Schon 2004 gab es eine Entscheidung, wie die Haltestellen umgebaut werden sollen, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). 2009 folgte der erste Baubeschluss und das Planfeststellungsverfahren wurde eingeleitet. Vier Jahre später lag die endgültige Fassung auf dem Tisch. Weitere vier dauerte es, bis der Planfeststellungsbeschluss von der Landesdirektion bei der Stadt einging.

Und noch immer hängt der inzwischen angedachte Baubeginn im Frühjahr 2019 am seidenen Faden. Denn bisher konnte sich die Stadt mit einem Anlieger, der gegen die Ausbaupläne geklagt hat, noch nicht einigen. Vonseiten der Stadt gebe e jetzt ein gutes Angebot, sagt Wendsche. Er hofft, dass der Kläger – der wahrscheinlich Teile seines Grundstücks abgeben soll – darauf eingeht. Voraussichtlich im Juni wird sich das entscheiden, so der OB.

Einigen sich Kläger und Stadt, könnte es mit den weiteren Planungen sofort losgehen. Denn die Fördermittel für den Straßenausbau sind bereits da. Am Donnerstagmorgen überbrachte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) den Bescheid über 2,6 Millionen Euro. Er erklärt, dass die Meißner Straße nicht nur für Radebeul von besonderer Bedeutung sei, sondern für den gesamten Verkehr von Dresden bis nach Meißen auf dieser Elbseite.

Der Ausbau der Straße wird vom Freistaat zu 80 Prozent gefördert, das restliche Geld muss die Stadt aufbringen. Die Sanierung der Bahngleise noch nicht mit eingerechnet, an denen sich die Dresdner Verkehrsbetriebe beteiligen.

Die Stadt will die Bauaufträge am liebsten so schnell wie möglich ausschreiben. Wenn es im Frühjahr mit dem Bau losgehen könnte, wäre es auch leichter, eine Baufirma zu finden, sagt Wendsche. Denn das Unternehmen könnte dann für ein ganzes Jahr mit der Meißner Straße planen. Bei späterem Baubeginn seien viele Firmen womöglich bereits mit anderen Aufträgen verplant. Im Oktober, nach der Vogelbrutzeit, würde die Stadt gerne beginnen, das Baufeld freizuräumen. Dafür müssen auch einige Bäume gefällt werden.

Gelingt die Einigung mit dem Kläger jedoch nicht, rückt der Baubeginn wieder in weite Ferne. Unter Umständen müsste der Abschnitt dann noch einmal provisorisch ausgebessert werden, sagt Wendsche. Damit die Straßenbahnen und der motorisierte Verkehr weiterhin fahren können. Das würde voraussichtlich Kosten im sechsstelligen Bereich verursachen. „Das Geld könnte man auch gleich verfeuern“, so der OB.

Als Stadt mit mehr als 30 000 Einwohnern ist Radebeul selbst für den Unterhalt von Staatsstraßen, als welche die Meißner Straße eingestuft ist, zuständig. Das sei eine enorme Herausforderung, sagt Wendsche. Zum Vergleich: In Coswig gehört die Unterhaltung der S 82 zu den Aufgaben des Landkreises.