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Hoffnung für Familie in Not

Bei jedem Regen rechnen Anwohner in Niederuhna mit erneuten Überschwemmungen. Doch jetzt ist Hilfe in Sicht.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Abergläubig ist Familie Peschke eigentlich nicht. Doch genau am Freitag den 13. erreicht sie eine schlechte Nachricht. Ein Schreiben der Versicherung landet im Briefkasten. Die Familie muss jetzt um ihren finanziellen Schutz bangen. Dabei haben die Peschkes schon genug Sorgen. Nach einem Starkregen vor anderthalb Monaten stand ihr Hof unter Wasser. Wieder einmal. Schon im vergangenen Jahr erlebte die Familie drei Überschwemmungen. Jedes Mal haben es die Peschkes geschafft, den Schlamm zu beseitigen, die Schäden zu beheben. Doch dieses Gefühl des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, das werden sie einfach nicht los. Und nun auch noch das. Ärger mit der Versicherung. Reiner Peschke ist mit den Nerven am Ende.

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Dabei sollte der 13. Juli eigentlich für den 77-Jährigen und seine Frau zum Glückstag werden. Das zumindest hatte Birgit Weber, Beigeordnete im Bautzener Landratsamt, direkt nach der Überschwemmung angekündigt. Damals saß sie gemeinsam mit Vertretern der Stadt Bautzen im kleinen Pavillon der Peschkes. Sie sprach von den geplanten Baumaßnahmen zum Schutz der Dorfbewohner, erklärte, dass einem solchen Projekt ein Behördenmarathon vorausgeht – und sie ließ ein Versprechen da. An eben jenem Freitag den 13. wollte sie den Hof der Familie noch einmal besuchen und dann die finale Genehmigung überreichen.

Tatsächlich steht Birgit Weber am Nachmittag in Niederuhna. „Der Termin war für uns sehr sportlich, aber ich habe mein Wort gehalten“, erklärt sie. Auch Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) ist zum Hof der Familie gekommen. Der OB erklärt, dass er jetzt, wo die Genehmigung vorliegt, so schnell wie möglich die Ausschreibung auf den Weg bringen will.

Baustart so schnell wie möglich

Nun muss nur noch eine Baufirma gefunden werden. Dann können die Bagger tatsächlich rollen. Ein Datum für den Baustart nennt Ahrens nicht. „Wir wollen so bald wie möglich beginnen“, sagt er nur. Fest steht aber: Ziel ist es, dass zumindest der erste Teil der Maßnahme noch in diesem Jahr starten kann. Zunächst wird das Salzenforster Wasser in Niederuhna angepackt. Damit das Wasser dort besser ablaufen kann, müssen alte Rohre herausgenommen, Brücke und Stege, die über das kleine Gewässer führen, erneuert werden. Auch ein Damm ist geplant. Im zweiten Bauabschnitt steht dann eine Fläche im Bautzener Ortsteil Salzenforst im Fokus. Die soll spätestens im vergangenen Jahr so hergerichtet werden, dass sie ankommendes Wasser zurückhalten kann.

Insgesamt wird der Hochwasserschutz mehr als eine Million Euro kosten. Ein Großteil des Geldes übernimmt dabei der Freistaat. Die Stadt Bautzen hat auch schon vorgesorgt und für die Baumaßnahme mehr als eine Viertel Million Euro zurückgelegt. „Wir sollten alle nach vorn schauen“, sagt Birgit Weber, die der Familie auch Hilfe beim Streit mit der Versicherung anbietet. Wird jetzt also alles gut? Reiner Peschke kann das noch nicht glauben. Und auch seine Frau hat Zweifel. „Wir warten seit Jahren darauf, dass sich etwas tut“, erklärt Margot Peschke.

Immer und immer wieder Starkregen

Wer den beiden zuhört, der versteht erst das ganze Ausmaß der Katastrophe. Das Ehepaar lebt seit mehr als 50 Jahren auf dem Hof. Probleme mit Überschwemmungen gab es nicht. Bis zum Jahr 2010, als das Wasser erstmals den Hof, die Scheune und das Haus der Familie überflutete. Gleich danach forderten die Peschkes einen besseren Hochwasserschutz. Doch der blieb aus. Stattdessen kam der Starkregen. Immer und immer wieder. Peschkes kauften Sandsäcke. Doch die vermochten das Wasser nicht zu stoppen. Im vergangenen Jahr investierten sie in Schutzwände. Weit über 5 000 Euro zahlten sie dafür. Doch auch diese Wände schützen sie nicht, als das Wasser Anfang Juni anderthalb Meter im Hof stand.

Möbelstücke gingen kaputt, das Auto versagte seinen Dienst. „Wenn mir nicht der Nachbar seinen Wagen borgen würde, hätte ich keinen“, erklärt Reiner Peschke der kleinen Delegation. Dann muss er sie kurz sich selbst überlassen. Verwandte sind angekommen. Sie wollen ihm beim Tragen helfen. Seine 98-jährige Mutter soll zurück in ihre Wohnung gebracht werden. Die alte Frau lebt eigentlich in einem Pflegebett im Erdgeschoss des Hauses. Doch als im Juni ihre Stube unter Wasser stand, mussten die Peschkes die Mutter evakuieren, sie ins Obergeschoss bringen. In den vergangenen Tagen haben alle mitangepackt und die Wohnung der Frau so hergerichtet, dass sie wieder einziehen kann.