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Hohe Auflagen für Open-Air

90 000 Euro steckt die Stadt im Jahr ins Schloss. Ist das zu viel? Hintergründe zum Kulturgeschäft.

© Fotomontage/Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Muss das Schloss alle Kultursparten anbieten, egal wie sie laufen?

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Matthias Schmieder ist bekennender Großenhain-Kultur-Fan. Kultur macht eine Stadt lebendig und lebenswert, so sein Credo.
Matthias Schmieder ist bekennender Großenhain-Kultur-Fan. Kultur macht eine Stadt lebendig und lebenswert, so sein Credo. © Archiv/Klaus-Dieter Brühl

Im Gesellschaftervertrag der Kulturzentrum Großenhain GmbH ist „die Durchführung künstlerischer und kultureller Aktivitäten aller Art“ festgeschrieben. Das ist recht allgemein, aber entscheidend ist, dass wir die Kriterien für die Förderung durch den Kulturraum erfüllen, der das Schloss mit 135 000 Euro im Jahr fördert. Gefördert werden aber Einrichtungen, deren überwiegendes Betätigungsfeld die „Kulturpflege“ darstellt. Einrichtungen, die eher anderweitige Geschäftszwecke wie Gaststättenbetrieb, Bowlingbahn, Sportveranstaltungen, Freizeitvergnügen Catering, Kindergarten, Jugendhilfe u. ä. verfolgen, bekommen kein öffentliches Geld. Ergo würde eine einseitige Ausrichtung des Kulturprogramms schnell zu Einbußen bei der Förderung führen – was in anderen Kulturhäusern bereits eingetreten ist und den vermeintlichen Vorteil als Publikumsmagnet verspielen.

Warum kann nichts mehr auf dem Vorplatz oder im Graben stattfinden?

Das kann man und macht man. Die Frage impliziert aber, dass derartige Veranstaltungen per se gewinnbringend seien. Das ist leider ein Trugschluss. Das Thema Veranstaltungen im Sommer im Schlossgraben soll künftig noch mehr im Vordergrund stehen. Genau mit diesem Ziel wurden Veranstaltungen wie das Federweißerfest, der Bauernmarkt, der Autofrühling oder der Ungarnmark oder das Jazz-Open-Air veranstaltet, leider jedoch nicht immer mit wirtschaftlichem Erfolg. Das ist aber ein Problem aller Veranstalter. In den letzten 13 Jahren wurde fünfmal mit der Stadt ein Mittelaltermarkt auf dem Schlossplatz angeboten. Der private Betreiber des Marktes, der das Ambiente schätzt und in vielen Städten Erfahrungen gesammelt hat, schätzt ein, dass das Interesse des Publikums für solche Veranstaltungen zu gering ist. Daher wird es in Großenhain ein solches Angebot nicht wieder geben. Gute Ideen sind immer willkommen, aber Vieles ist leicht gesagt und schwer zu machen. Gerade für Open-Air-Veranstaltungen gelten hohe Auflagen, das ist weitaus kostenintensiver als für Veranstaltungen im Saal.

Die Händler hatten wohl kein Interesse, sich da einzubinden?

Der Wintermarkt war so eine Idee der Weihnachtsmarkthändler. Fakt ist aber, bereits der Weihnachtsmarkt ist momentan Jahr für Jahr ein Zuschussgeschäft der Stadt von rund 80 000 Euro – zu dem sich die Stadt bekennt – aber auch kein Gewinneldorado! Den Vorschlag einiger Händler, den Schlossplatz zu nutzen, fanden wir gut. Leider wollten sich dann zu wenige Händler beteiligen, weil es eben ein Risiko ist, und das war´s dann wieder.

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