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Hohe Haftstrafe für Drogenhändler

Das Gericht nahm Frank M. seine Geschichte nicht ab, nur als Kurier Drogen geschmuggelt zu haben. Und das ist vielleicht noch nicht alles.

© Harry Haertel

Von Jens Hoyer

Döbeln. Wenn gegen den Angeklagten Frank M. verhandelt wurde, saßen Eltern und Lebensgefährtin immer mit im Gerichtssaal. Mehr als kurze Umarmungen und Gespräche waren nicht erlaubt. Und auch jetzt wird die Familie noch lange Zeit auf die Anwesenheit von M. verzichten müssen. Er ist gestern von der 1. Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Für drei Jahre und neun Monate soll er wegen bewaffneten Handels mit Rauschgift, illegalen Waffenbesitzes und Fahren ohne Fahrerlaubnis ins Gefängnis. Das Gericht hat M. seine Geschichte nicht abgenommen, nur als Kurier Drogen geschmuggelt zu haben, weil er und seine Familie bedroht wurden.

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Crystal und Springmesser

Damals war er mitten in der Nacht dem Zoll am Grenzübergang Bahratal aufgefallen. M. kam mit einem Motorrad aus Tschechien. Als die Beamten ihn kontrollieren wollten, gab er Gas, raste mit 100 Sachen in Schlängellinie durch den Wald und bis nach Bad Gottleuba, wo er mangels Fahrpraxis in einer Kurve an einer Mauer endete. Kein Wunder: Eine Fahrerlaubnis für das geborgte Motorrad hatte M. nicht, dafür Drogen im Blut. Aber das ist vergleichsweise nur eine Marginalie. Während der Flucht sahen die Zollbeamten einen Gegenstand vom Motorrad wegfliegen. Als sie später nachschauten, entpuppte es sich als ein Etui mit einer gefüllten Plastiktüte. Inhalt: Rund 100 Gramm der Droge Crystal mit hohem Wirkstoffgehalt, wie sie in Tschechien en gros verkauft wird. Schon die Menge allein hätte für eine empfindliche Strafe ausgereicht. Aber die Beamten fanden im Rucksack von M. auch noch ein illegales Springmesser. Und bewaffneter Rauschgifthandel wird deutlich härter sanktioniert.

Ein anderes Drogengeschäft kam noch dazu. Ein Döbelner Szeneaussteiger hatte als Zeuge ausgesagt, dass M. in der Wohnung einer mutmaßlichen Drogenhändlerin 30 Gramm Crystal geliefert haben soll. Der Zeuge hatte selbst fünf Gramm davon übernommen, teilweise selbst konsumiert und teilweise verkauft.

Zwiespältiges Bild

Dem Gericht bot sich im Laufe von mehreren Verhandlungstagen ein sehr zwiespältiges Bild des Angeklagten. Zeugen schilderten ihn als Mann, der auch mit brutaler Gewalt Schulden bei seinen Drogenkunden eintrieb und der auch einen entsprechenden Ruf besaß. Auf der anderen Seite ist der Angeklagte nicht vorbestraft, er hatte einen Beruf gelernt, immer gearbeitet und war zuletzt selbstständig gewesen. Tränenreich schilderte er, dass er seiner Familie das nie angetan hätte, wäre er sich der Strafe bewusst gewesen. Er sei als Kurier für einen stadtbekannten Döbelner Drogenhändler nach Tschechien gefahren, weil er bei ihm Schulden hatte. Zuvor sei er bedroht und einmal sogar auf dem Parkplatz von Kaufland in Döbeln mit dem Messer angestochen worden. Auch seine Familie sei bedroht worden. Das Geld für den Drogenkauf, 1800 Euro, habe er von seinem Dealer erhalten. Am Ende glaubte das Gericht diese Darstellung nicht.

Möglicherweise ist das Ende der Fahnenstange auch noch nicht erreicht. In der Verhandlung klang immer wieder eine weiteres Delikt an, das möglicherweise noch verhandelt wird. Frank M. soll einem Drogenkunden mit Gewalt Handy und Autoschlüssel abgenommen haben, weil der ihm Geld schuldete.