merken

Hohe Wellen nach Tote Hosen-Badespaß

Der Oberbürgermeister findet die Anzeige gegen die Band „uncool“. Der heimische Badbetreiber hofft auf eine Einigung, während die Branche den Hype für sich nutzt .

© Ronald Bonß

Juliane Richter

Dresden. Der nächtliche Badeausflug der Toten Hosen in das Georg-Arnhold-Bad schlägt bundesweit hohe Wellen. Vor allem im Internet diskutieren Fans und Kritiker die Aktion und ihre Folgen. Dass die Bäder-GmbH als Betreiber Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt hat, halten viele für richtig, weil das nächtliche Einsteigen ins Bad eben ein Vergehen ist.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

... und vor seinem innig diskutierten Bad im Anschluss an das Konzert.
... und vor seinem innig diskutierten Bad im Anschluss an das Konzert. © Facebook

Andererseits finden viele Fans die Anzeige kleinkariert und provinziell – und übertragen das auf die Stadt Dresden. Lars Kühl, Sprecher der Bäder-GmbH, sagt dazu: „Das Letzte, was wir wollen, ist Dresden als kleinkariertes Hinterlandstädtchen darzustellen.“ Die Anzeige sei aus Gründen der Gleichbehandlung notwendig gewesen. Jeder, der nachts unerlaubt im Bad erwischt wird, werde angezeigt. Eine Sonderstellung für Prominente gebe es da nicht.

Grundsätzlich hofft die Bäder-GmbH aber auf eine gemeinsame Lösung mit der Band. Es sei nicht ihr Ansinnen, diese Aktion bis ins Letzte juristisch auszufechten. Vorschläge, wie diese Einigung aussehen kann, will Kühl nicht machen. Bisher habe sich vonseiten der Toten Hosen noch niemand gemeldet. Er hofft, dass das noch passiert. „Wir reichen die Hand, sie müssen sie ergreifen“, sagt Kühl.

Auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) beschäftigt sich mittlerweile mit der Sache. Natürlich liege die Entscheidungsgewalt über eine Anzeige bei der Bäder-GmbH und rechtlich sei es auch unumstritten, sagt eine Sprecherin. Als erste Reaktion auf die Anzeige habe Hilbert dennoch einfach nur „uncool“ gesagt. „Die Stadtspitze hat kommuniziert, dass man hier eine innovative Lösung erwartet“, so die Sprecherin. Wie diese aussehen könnte, hängt wohl vor allem von der Band ab. Diese hat sich auch am Dienstag trotz mehrfacher Nachfrage nicht geäußert.

Bäder-Chef Matthias Waurick geht indes formal erst einmal alle möglichen Schritte. Neben der Anzeige stellt er auch Strafantrag. Erst durch diesen nimmt die Polizei ihre Ermittlungen auf. Ein Polizeisprecher weist jedoch schon jetzt darauf hin, dass bei den Ermittlungen die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden muss. Der Hausfriedensbruch gehöre zu den am niedrigsten angesetzten Straftaten. Er kann mit einer Geldstraße oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden.

Der Aufwand bei den Ermittlungen werde sich deshalb wohl in Grenzen halten. Die Bäder-GmbH wollte der Polizei auf jeden Fall die Überwachungsvideos der Nacht zukommen lassen. Und sie weist noch ausdrücklich darauf hin, dass die Band nur hätte fragen müssen – dann hätte es laut Sprecher Lars Kühl einen Weg gegeben, das Baden Campino und Co. ganz offiziell zu ermöglichen. Die englische Band „Depeche Mode“ ist diesen Weg vergangenes Jahr gegangen. Ihr Manager durfte vor dem Konzert in der Flutrinne in einer hiesigen Schwimmhalle abtauchen.

Andere Badbetreiber wollen die Welle der Toten Hosen-Aktion indes für sich nutzen. So schreiben die Berliner Bäderbetriebe auf dem Instagram-Profil der Band: „Kommt zu uns, wir haben siebzehn Freibäder und einen Bommerlunder für jeden.“ Die Therme Erding meldet sich auf Facebook zu Wort: „Bei uns könnt ihr ohne Anzeige baden gehen ;-)“

Weiterführende Artikel

Campino im Arnhold-Bad: Jetzt im Kino

Campino im Arnhold-Bad: Jetzt im Kino

Von Kniebandagen und Selbstzweifeln: „Weil du nur einmal lebst“ ist mehr als nur ein Toten-Hosen-Konzertfilm. Auch Dresden spielt eine Rolle.

Tausende baden nachts im Freibad

Tausende baden nachts im Freibad

Das Georg-Arnhold-Bad rief am Freitag zum Nachtbaden - die Aktion hatte Campino von den Toten Hosen mit einem „Einbruch“ ausgelöst. Kurz nach Mitternacht gab es dann noch eine Überraschung.

Doch auch die Stadt Dresden versteht es, das Ganze mit einem Augenzwinkern zu sehen und meldet am Dienstag, dass die kostenlosen Badestellen in Weißig und Weixdorf ja auch schon geöffnet haben. „Aber Achtung: Auch nachts sind diese geschlossen, auch hier gelten reguläre Öffnungszeiten und die Benutzungsordnung ist zu beachten!“, heißt es mit einem Smiley und einem Verweis auf die Toten Hosen.