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Kreis SOE: Architekt Ulrich Hupfer ist tot

Die Expertisen und Planungen des Hohnsteiners waren international gefragt. Sein Lebenswerk und die Erinnerungen an ihn bleiben erhalten.

Ulrich Hupfer im Jahr 2012 in dem von ihm umgestalteten Max-Jacob-Theater in Hohnstein.
Ulrich Hupfer im Jahr 2012 in dem von ihm umgestalteten Max-Jacob-Theater in Hohnstein. © SZ/Archiv

An Ulrich Hupfer kam so gut wie keiner vorbei, der ein Denkmalhaus sanieren wollte, einen neuen Marktplatz gestalten wollte oder auch ganz besondere, ausgefallene Wohnpläne verwirklichen wollte. Der Hohnsteiner war ein gefragter Experte, mitunter ein streitbarer, aber einer, der sich in seinen Ansichten nie verbiegen ließ. Am 2. Februar, wenige Tage vor seinem Geburtstag, ist Ulrich Hupfer im Alter von 75 Jahren in Dresden gestorben.

"Mit seinem Schaffen und als ein Mensch, der Zeichen gesetzt hat, wird er uns in Erinnerung bleiben", schreibt Hohnsteins Bürgermeister Daniel Brade (SPD) in seinem Nachruf. Denn gerade mit Hohnstein verbindet sich Ulrich Hupfers Geschichte besonders eng. Selbst Einwohner der Stadt war er es, der das Bürgerkomitee Hohnstein mit aus der Taufe hob. In der Arbeitsgruppe Innenstadt wurde er nicht müde, darum zu werben Hohnstein aus dem Schlaf zu reißen, den baulichen Reichtum der Stadt zu erhalten. "Mit seinem Bestreben, den Charakter unserer Stadt zu erhalten und mit neuen Elementen zu ergänzen, setzte er Projekte um, die an vielen Plätzen sichtbar sind", sagt Bürgermeister Daniel Brade. In Hohnstein sind das unter anderem die Touristinformation, der Rathausvorplatz, die ASB-Sozialstation, die Umgestaltung des Hohnsteiner Markte sowie der Umbau des alten Kinos zum Max-Jacob-Theater.

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Der Rathausplatz in Hohnstein wurde nach den Plänen von Ulrich Hupfer umgestaltet.
Der Rathausplatz in Hohnstein wurde nach den Plänen von Ulrich Hupfer umgestaltet. © Steffen Unger

In seiner Art und Arbeit nie stehen geblieben

Wenn Ulrich Hupfer ein Projekt übernommen hatte, dann richtig. Sein Blick galt auch dem Drumherum, dem Stadt- oder auch Landschaftsbild. Dort musste sich sein Projekt einfügen und vor allem auch dem Zeitgeist entsprechen. Er war ein Architekt mit Visionen und trotzte so manchen Widerständen.

Seinem Gegenüber verlangte er mitunter auch so einiges ab. Aber Ulrich Hupfer war keiner, der mit der Brechstange seine Ideen durchsetzen wollte. Mit viel Geduld und Beharrlichkeit ist es ihm gelungen, seine Mitmenschen von seinen Ideen zu begeistern, ihnen beizubringen, auch etwas Neues zu wagen. Beispiel dafür sind die Brunnengestaltung auf dem Sebnitzer Marktplatz oder der Brunnen am Pfarrplatz in Hinterhermsdorf, der Krabat-Brunnen in Nebelschütz oder eben auch das gläserne Eingangsportal der Kulturscheune in Langburkersdorf.

Ulrich Hupfer plante nicht nur Neues. Seine Liebe galt auch unter Denkmalschutz stehenden Häusern. Und Haussanierer waren gespannt auf seine Expertenmeinung. Auch dafür gibt es Beispiele. Eines davon ist die alte Schule in Hinterhermsdorf am Dorfplatz. Das Gebäude brannte aus und wurde nach der Plänen von Ulrich Hupfer wieder aufgebaut.

Für die Gestaltung des Dorfplatzes in Hinterhermsdorf mit der alten Schule bekam er den Sächsischen Staatspreis für Architektur und Bauwesen.
Für die Gestaltung des Dorfplatzes in Hinterhermsdorf mit der alten Schule bekam er den Sächsischen Staatspreis für Architektur und Bauwesen. © Frank Baldauf

Das, was Ulrich Hupfer plante, war bis auf das letzte Detail durchdacht. Und deshalb war er wohl auch einer der Architekten im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, der so einige Preise erhalten hat, so unter anderem bei den Wettbewerben "Ländliches Bauen". Für die Gestaltung des Dorfplatzes in Hinterhermsdorf, samt abgebranntem und wieder aufgebautem alten Schulgebäude, erhielt er sogar den Sächsischen Staatspreis für Architektur und Bauwesen. Darüber hinaus nahm er an zahlreichen bundesweiten Wettbewerben teil. Die Preise, die er da abräumte, eine Anerkennung seiner Arbeit. Bei all den Ehrungen, Ulrich Hupfer war ein bodenständiger Mensch. Nie abgehoben, nie von oben herab, sondern fast einfühlsam stellte er seine Projekte vor, nahm Auszeichnungen entgegen. Seit 1995 gehörte er dem Bund deutscher Architekten an, viele Jahre saß der Hohnsteiner im sächsischen Landesvorstand des Bundes.

Bodenständig und dem Modernen aufgeschlossen

Ulrich Hupfer forderte die Abkehr von der Beliebigkeit, stellte sich dem ständigen Wandel, dem Architektur nun Mal unterliegt. In seinen vielen Berufsjahren hat der den Wandel begleitet. Und so war er auch einer, der für das Moderne eintrat. In einem Gespräch mit der SZ im Jahr 2011, befragt nach den Änderungen im Berufsbild eines Architekten, sagte er: Zum Fachlichen rückt wieder mehr die gesellschaftliche Anerkennung des Berufes ins Blickfeld. Der Architekt ist nicht nur dem Bauherren, sondern auch der Gesellschaft verpflichtet." Und selten war oder ist ein Architekt wohl so zuversichtlich, dass sein Projekt gut ist und den Menschen gefallen wird. Sein Credo: Wenn es eine gute Architektur werden soll, müssten viele Randbedingungen erfüllt sein. Die wesentlichen waren aus seiner Sicht: dass das Bauwerk funktionieren muss, dass es solide gebaut ist und es muss ein Gesicht haben.


Der Brunnen auf dem Sebnitzer Markt wurde ebenfalls nach seinen Plänen gebaut.
Der Brunnen auf dem Sebnitzer Markt wurde ebenfalls nach seinen Plänen gebaut. © Dirk Zschiedrich

Ulrich Hupfer hat seinen Beruf oder eher seine Berufung von der Pike auf gelernt. Er lernte zunächst Maurer, studierte später Bauwesen und schließlich Denkmalpflege und Gebäudeerhaltung. Er arbeitete als Stadtarchitekt in Pirna, als Kreisarchitekt und Dezernet in Sebnitz. Nach der Wende machte er sich selbstständig und gründete ein Architekturbüro in Bad Schandau.

Sein Fachkenntnis war bei seinen Berufskollegen auch in Tschechien gefragt. So arbeitete er zum Beispiel im Jahr 2010 an einen tschechisch-deutschen Grenzprojekt zur Sanierung von Umgebindehäusern mit. Die SZ hatte damals über ein Projekt in Lipova (Hainspach) berichtet. Er überraschte auch da wieder mit einer klaren Ansage, befragt nach der Unterschieden in der Sanierungsphilosophie. "Die Tschechen haben den Mut, den Zustand des Hauses aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederherzustellen. Wenn wir das bei uns machen würden, hätten wie ein Problem mit der Denkmalpflege." Und sein tschechischer Kollege erklärte: In Deutschland herrsche der Trend vor, einen Zustand wiederherzustellen, den es womöglich nie gegeben hat und sprach damit Ulrich Hupfer aus dem Herzen.

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